Wissenschaft

Blasenkrebs

Scharf gebratenes Fleisch unter Tumor-Verdacht

Keine guten Nachrichten zum Start der Grillsaison: Wer große Mengen lange und scharf angebratenes Fleisch verspeist, könnte einen Blasentumor riskieren. Das zumindest vermuten Mediziner, die Daten von mehr als 1700 Menschen ausgewertet haben.

DPA

Steaks und Bratwürste auf dem Grill: Gebratenes könnte Blasenkrebs verursachen

Dienstag, 20.04.2010   09:30 Uhr

Rotes Fleisch von Säugetieren wie Rindern, Schweinen und Schafen ist, zumindest in großen Mengen, wenig gesundheitsfördernd - das wissen Mediziner schon seit einiger Zeit. Eine neue Studie unterstreicht das nun noch einmal - und bringt die fleischlichen Genüsse mit Blasentumoren in Verbindung. Und auch weißes Fleisch, so zeigt sich, ist nicht ohne Probleme.

Konkret geht es um gebratenes Fleisch, das unter bestimmten Bedingungen das Risiko für Blasenkrebs erhöhen kann. Schuld daran könnten bestimmte chemische Verbindungen sein, die sogenannten heterozyklischen aromatischen Amine (HAA). Sie bilden sich ab einer Temperatur von 220 Grad verstärkt bei der Zubereitung von Muskelfleisch. Dann reagieren Aminosäuren mit Kreatin, einer organischen Säure, die eigentlich bei der Versorgung der Muskeln mit Energie hilft. Beim Kochen und Dünsten oder dem Garen in der Mikrowelle entsteht die unerwünschte Substanz nicht, die bisher vor allem mit Darmkrebs in Verbindung gebracht wird.

Jie Lin von der University of Texas hatte sich zusammen mit Kollegen 884 Patienten mit Blasentumoren und 878 Personen ohne Erkrankung angesehen. Ihre auf zwölf Jahre angelegte Studie stellen die Forscher auf dem derzeit stattfindenden Jahrestreffen der American Association for Cancer Research vor.

Steak ist medium gesünder als durchgebraten

Die Forscher hatten die Essgewohnheiten mit einem international üblichen Standardfragenkatalog protokolliert und dabei Alter, Geschlecht und Volksgruppenzugehörigkeit berücksichtigt. Die Studienteilnehmer wurden in vier Gruppen eingeteilt, je nach Menge ihres Fleischkonsums. Drei Jahre lang untersuchten die Forscher auch die Methoden der Zubereitung - und prüften, welche Mengen der drei wichtigsten HAA dabei entstanden.

Bei der Gruppe mit dem höchsten Verbrauch an rotem Fleisch lag, so stellte sich heraus, das Risiko einer Blasenkrebserkrankung um 50 Prozent über dem der Personen, die selten rotes Fleisch aßen. Vor allem die Ernährung mit Steaks, Koteletts und gebratenem Speck erwies sich als kritisch, aber auch scharf erhitztes weißes Fleisch von Huhn und Fisch erhöhte die Zahl der Tumorpatienten.

Außerdem erwies sich der Grad des Durchbratens als wichtiges Kriterium: Die Studienteilnehmer, die halbgares Fleisch bevorzugten, reduzierten die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung um die Hälfte - ein "medium" zubereitetes Steak ist also dem durchgebratenen vorzuziehen. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die Krankheit auch bei bestimmten genetisch bedingten Stoffwechselausprägungen öfter ausbrach.

"Unsere Forschung bekräftigt den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs", sagt Studienmitautor Xifeng Wu. "Bei Menschen, die scharf angebratenes, frittiertes oder gegrilltes rotes Fleisch essen, steigt die Wahrscheinlichkeit von Blasenkrebs." Die Wissenschaftler wollen nun ein Vorhersagemodell für ein individuelles Krebsrisiko erarbeiten, das Faktoren wie Umwelt, Ernährung und Erbgut einbezieht.

chs/ddp

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