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Jair Bolsonaro

Brasiliens Präsident will Brandrodung in Trockenzeit verbieten

Angesichts der verheerenden Feuer in Brasilien untersagt Staatschef Bolsonaro vorübergehend Brandrodungen. Das Verbot soll laut Medienberichten für zwei Monate gelten.

REUTERS

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist wegen der Feuer stark in die Kritik geraten.

Donnerstag, 29.08.2019   09:23 Uhr

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat auf die Brände in Brasilien reagiert: Medienberichten zufolge hat der Rechtspopulist Brandrodungen für die Dauer von zwei Monaten verboten. Der Politiker soll am Mittwoch ein landesweit geltendes Dekret unterzeichnet haben, wurde unter Berufung auf Regierungskreise berichtet. Das Dekret soll demnach am Donnerstag im Amtsblatt veröffentlicht werden.

Laut dem Nachrichtenportal "G1" soll es aber Ausnahmen geben, die aber von der Umweltbehörde genehmigt werden müssen. Indigene Gemeinschaften, die Selbstversorger seien, dürfen zudem weiter Brandrodungsfeldbau betreiben, um kleine Parzellen im Regenwald für den Anbau von Gemüse zu nutzen.

Bolsonaro ist angesichts der Waldbrände (mehr zu den Feuern lesen Sie hier) international unter zunehmenden Druck geraten. Kritiker werfen der brasilianischen Regierung vor, nicht energisch genug gegen die Katastrophe vorzugehen. Der Präsident steht der Agrarlobby nahe und zweifelt den menschgemachten Klimawandel an. Umweltschützer machen Bolsonaro dafür verantwortlich, dass die Brände im Amazonasgebiet in diesem Jahr massiv zugenommen haben.

Auch andere Staaten in der Region sind von schweren Waldbränden betroffen. Die bolivianische Regierung unter Präsident Evo Morales erklärte am Mittwoch, Feuer hätten in diesem Jahr bereits 1,2 Millionen Hektar Wald und Grasland verwüstet. Umweltschützer gehen von einer deutlich größeren Fläche aus. Morales steht wegen der Brände ebenfalls unter Druck

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Die Brände in Brasilien sind die stärksten seit Jahren. Nach jüngsten Angaben des Forschungsinstituts Inpe gab es seit Jahresbeginn fast 80.000 Feuer. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 77 Prozent. Die Flammen wüten vor allem in den Bundesstaaten Rondônia, Roraima sowie Mato Grosso, Pará und in den Nachbarländern Paraguay und Bolivien. Dass es während der Trockenzeit zu einzelnen Bränden kommen kann, ist normal. Doch die Mehrzahl der Brände sind von Menschen gelegt worden.

Überwiegend brennt nicht der feuchte Regenwald sondern Holz auf Flächen, die schon vor Monaten für Weideflächen und Ackerland für den Sojaanbau gerodet wurden. Dass es derzeit brennt, zeigt also nur, wo der Regenwald schon vernichtet wurde.

joe/AFP/dpa

insgesamt 30 Beiträge
herr schnitzelmann 29.08.2019
1. Was soll man dazu noch sagen...
es ist fünf vor Zwölf u. alles läuft in die komplett falsche Richtung! Anstatt dass aufgeforstet wird, wird an allen Ecken Wald im großen Stil abgeholzt. Sei es im Amazonasgebiet, auf Madagaskar, in Indonesien oder auf den [...]
es ist fünf vor Zwölf u. alles läuft in die komplett falsche Richtung! Anstatt dass aufgeforstet wird, wird an allen Ecken Wald im großen Stil abgeholzt. Sei es im Amazonasgebiet, auf Madagaskar, in Indonesien oder auf den Philippinen. Und wir Europäer haben nun mal eine schlechte Argumentationsbasis, haben wir doch unseren Wald schon auf ein paar kärgliche Stellen zusammen geschnitten. Und dann kommt es halt irgendwie unglaubwürdig, wenn man dann anderen Ländern verbieten möchte, was man selber schon längst getan hat. Ich würde mich also nicht darauf verlassen, dass wir den Regenwald retten, der wird schneller weg sein als uns lieb ist, schuld sind wir aber selber dran, da wir ja nicht genug bekommen. Nicht genug Tropenhölzer, nicht genug Fleisch u. nicht genug Palmöl usw. usw usw... die Wirtschaft muss laufen, das muss doch auch das blöde Klima irgendwann mal raffen. Ergo, die Menschheit weiß um ihr Elend, kann aber einfach nicht anders und somit werden wir uns unser eigenen Grab schaufeln. Die Erde u. auch das Klima werden es uns aber danken.
phantasierender... 29.08.2019
2. mir fehlen die Worte ...
die deutschen Landwirte haben uns genau vor diesem Problem gewarnt als man noch über MERCOSUR diskutiert hat. und nun wird für lächerliche 2 Monate die Brandrodung untersagt wenn der Regenwald brennt das ist alles. Macron ist [...]
die deutschen Landwirte haben uns genau vor diesem Problem gewarnt als man noch über MERCOSUR diskutiert hat. und nun wird für lächerliche 2 Monate die Brandrodung untersagt wenn der Regenwald brennt das ist alles. Macron ist der einzige der nun standhaft ist und mit der Rückabwicklung vom mercosurabkommen droht während die deutsche Regierung sagt "eine mercosur Stopp ist nicht die richtige Antwort auf das brennen des Rwgenwaldes" ohje armes deutsches Wahlvolk ...
schneidp 29.08.2019
3. Das war bisher legal?
Brandrodung von Regenwald ist ja an sich schon mehr als schwachsinnig, da die so gewonnenen Felder nur wenige Jahre Erträge liefern und danach für Jahrzehnte Savanne sind, bevor sie eventuell irgendwann wieder Regenwald werden [...]
Brandrodung von Regenwald ist ja an sich schon mehr als schwachsinnig, da die so gewonnenen Felder nur wenige Jahre Erträge liefern und danach für Jahrzehnte Savanne sind, bevor sie eventuell irgendwann wieder Regenwald werden können. Aber in der Trockenzeit, ist das ganze ja eigentlich gegen jeglichen gesunden Menschverstand.
l_syphax 29.08.2019
4. FALSCH: es brennt tatsächlich Primärwald
"Überwiegend brennt nicht der feuchte Regenwald sondern Holz auf Flächen, die schon vor Monaten für Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau gerodet wurden. Dass es derzeit brennt, zeigt also nur, wo der Regenwald [...]
"Überwiegend brennt nicht der feuchte Regenwald sondern Holz auf Flächen, die schon vor Monaten für Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau gerodet wurden. Dass es derzeit brennt, zeigt also nur, wo der Regenwald schon vernichtet wurde." Das ist leider falsch und klingt wie Fake-news aus der Agrarindustrie. Aufgrund der großen Dürre brennt natürlich auch der Regenwald noch leichter als sonst, der während der Trockenzeit sowieso nicht sehr trocken ist. In Bolivien, worüber auch nicht berichtet wird, sind bereits 1.8 Mio ha verbrannt. Nationalparks, aber auch riesige Waldflächen ohne Schutzstatus sind betroffen. Etwa ein Drittel des endemischen Chiquitano-Trockenwald sind einfach weg. Tausende Freiwillige Helfer haben sich organisiert. Indigene Kommunen sind betroffen. Könnt Ihr darüber Mal bitte berichten???
andrehe 29.08.2019
5. Regenwald schützen - jetzt!
Auch für vergangene Zerstörungen des Regenwaldes müssen die Länder zur Verantwortung gezogen werden, für die letzten 35 Jahre. Denn solange wissen wir schon vom menschengemachten Klimawandel. Bis sich der Regenwald erholt, [...]
Auch für vergangene Zerstörungen des Regenwaldes müssen die Länder zur Verantwortung gezogen werden, für die letzten 35 Jahre. Denn solange wissen wir schon vom menschengemachten Klimawandel. Bis sich der Regenwald erholt, vergehen ca. 200 Jahre. Also: Für 200 Jahre Sanktionen auf Produkte wie Soja, Rindfleisch und Palmöl gegen Brasilien, Bolivien und Indonesien verhängen, so dass die Länder keinen wirtschaftlichen Profit aus der Zerstörung erzielen können. Die Lunge der Erde mit einer unglaublichen Artenvielfalt gehört uns allen, denn wir sind eine Weltgemeinschaft mit einer Natur, mit einer Atmosphäre. Ich weiß, dass dadurch die Preise für tierische Nahrung steigen, aber wir müssen uns fragen, was wir wollen. Alles geht nicht. Die Preise sind derzeit sowieso extrem niedrig und nicht angemessen. Es sind nicht die Ureinwohner, die den Regenwald zerstören, denn die Population ist gering und die Menschen brauchen den Wald zum Überleben. Es sind die Agrounternehmer, die kurzfristig denken und für ein paar Jahre Profit den Urwald zerstören. Diesen Menschen müssen wir Einhalt gebieten! Selbstverständlich müssen wir die Weltbevölkerung auf ein gesundes Maß reduzieren, damit weniger und nicht mehr Nahrung benötigt wird. Auf ca. 500 Millionen bis 2 Milliarden Menschen nach Studien des Grünen Kreuzes, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

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