Wissenschaft

Klimawandel

CO2-Gehalt der Atmosphäre erreicht neuen Höchststand

Jahr für Jahr setzt der Mensch mehr CO2 frei - aller Klimaschutzrhetorik zum Trotz. Wie Messungen aus Hawaii zeigen, steigt der Gehalt des Treibhausgases in der Atmosphäre immer schneller auf neue Rekordwerte.

BlackJack3D/ Getty Images

Der vergangenen vier Jahre waren die bislang wärmsten seit Messbeginn

Dienstag, 14.05.2019   16:03 Uhr

US-Wissenschaftler haben die höchste CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre seit Beginn der Aufzeichnungen registriert. Das Mauna Loa Observatorium in Hawaii verzeichnete am Samstag 415,26 CO2-Teilchen pro Million Teilchen Luft (ppm), wie die Forscher bekanntgaben.

Das Observatorium dokumentiert den CO2-Gehalt der Atmosphäre seit den Fünfzigerjahren (siehe Grafik unten). Forscher gehen davon aus, dass die CO2-Werte zuletzt vor drei Millionen Jahren ähnlich hoch waren wie heute.

In den vergangenen Jahren wurden immer neue CO2-Rekorde gebrochen, denn trotz des wachsenden Problembewusstseins setzt der Mensch Jahr für Jahr mehr CO2 frei. Das zeigt sich nicht nur in den absoluten Werten, sondern auch im Ausmaß des CO2-Anstiegs in der Atmosphäre. Zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 1. Januar 2019 wuchs der Gehalt von 407.05 ppm auf 409,92 ppm - der viertstärkste Anstieg seit Beginn der Messungen. Drei der vier Jahre mit dem höchsten CO2-Anstieg in der Atmosphäre liegen in den vergangenen vier Jahren.

"Das zeigt, dass wir überhaupt nicht auf dem richtigen Weg sind, um das Klima zu schützen", sagt Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die vergangenen vier Jahre waren auch die bislang wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn. Die Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche ist seit der vorindustriellen Zeit um ein Grad gestiegen.

Investitionen in erneuerbare Energien verdoppeln

Was ein unproblematischer CO2-Wert in der Atmosphäre wäre, gilt als umstritten. Einig sind sich Wissenschaftler, dass ein Niveau von 350 Teilen pro Million die Erderwärmung eindämmen würde. "Derzeit wäre jeder Wert, der stabil gehalten werden könnte, schon ein Gewinn", sagt Lucht.

Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) müsste bis 2030 weltweit doppelt so viel wie heute in erneuerbare Energien investiert werden, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Der Betrag müsse von 304 Milliarden Dollar (270 Milliarden Euro) im Jahr 2018 auf 606 Milliarden Dollar (539 Milliarden Euro) steigen, erklärte die IEA am Dienstag. Zugleich müssten die Investitionen in Öl und Kohle drastisch gekürzt werden.

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Aktuell steuern Politik und Wirtschaft weltweit aber in die entgegengesetzte Richtung: 2018 seien rund vier Prozent mehr Mittel in Öl- und Gasprojekte geflossen, bei Kohlekraftwerken gab es einen Anstieg um zwei Prozent. Die Investitionen in erneuerbare Energien nahmen hingegen um rund zwei Prozent ab.

China war 2018 laut dem IEA-Bericht der größte Markt für Energieinvestitionen, während in die Länder der Subsahara-Region nur rund 15 Prozent der Mittel flossen, obwohl dort 40 Prozent der Weltbevölkerung leben.

jme/AFP

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