Wissenschaft

Gerichtsentscheid

Größter Schiffs-Goldschatz geht an Spanien

Es war ein Sensationsfund: 2007 hatte ein US-amerikanisches Unternehmen im Atlantik 17 Tonnen Gold entdeckt. Die Firma beanspruchte den größten Schatz, der jemals aus einem Wrack geborgen wurde. Doch nun entschied ein Gericht anders. Auch die Quelle des Vermögens steht inzwischen fest.

AP/ Odyssey Marine Exploration

17 Tonnen Gold: Quelle des Vermögens steht inzwischen fest

Donnerstag, 22.09.2011   15:01 Uhr

Das US-Schatzsucherunternehmen Odyssey Marine Exploration muss den womöglich größten jemals aus einem Schiffswrack geborgenen Goldschatz an Spanien übergeben. Wie ein US-Berufungsgericht am Mittwoch in Atlanta entschied, gehört der 2007 entdeckte riesige Schatz aus dem Wrack des spanischen Kriegsschiffs "Nuestra Señora de las Mercedes" rechtmäßigerweise Spanien. Das Gericht bestätigte damit ein Urteil von 2009 zu dem vor rund 200 Jahren gesunkenen Schiff.

Die spanische Botschaft in Washington begrüßte das Urteil und betonte, sie habe von Anfang an die Haltung vertreten, dass gemäß internationalem Recht alle Fundstücke von dem Schiff Spanien gehörten. Das im US-Bundesstaat Florida beheimatete Unternehmen Odyssey Marine Exploration zeigte sich enttäuscht und kündigte an, erneut in Berufung zu gehen.

Das Kriegsschiff war 1804 von der britischen Marine auf der Rückkehr von Südamerika südwestlich von Portugal versenkt worden. Odyssey entdeckte das Wrack in 518 Metern Tiefe an einem nicht bekanntgegeben Ort, den es mit "Black Swan" bezeichnete. Auf dem Schiff fand die Firma einen Schatz von 17 Tonnen, darunter eine halbe Million Silbermünzen und Hunderte von Gegenständen aus Gold.

Odyssey hatte den Schatz nach Florida gebracht, ohne Spanien zu informieren und ohne den Fundort bekanntzugeben. Es behauptete, das Wrack habe sich in internationalen Gewässern befunden. Spanien hatte dagegen von Anbeginn den Verdacht, dass sich der Fundort in seinem Hoheitsgebiet befand.

Zunächst gab es Spekulationen um die Herkunft des Schatzes: Stammte er von der "HMS Sussex", die 1694 bei Gibraltar gesunken war? Oder aber von dem englischen Handelsschiff "Merchant Royal", das 1641 nahe der britischen Küste unterging? 2008 verkündete die spanische Regierung, die "Nuestra Señora de las Mercedes y las Animas" sei die Quelle. Das spanische Schiff wurde 1804 auf dem Weg von Peru zurück in die Heimat westlich von Portugal von britischen Kriegsschiffen angegriffen und versenkt. Eine Explosion zerriss das Schatzschiff, mehr als 200 Mann der Besatzung starben.

boj/AFP

insgesamt 90 Beiträge
HariboHunter 22.09.2011
1. Aw:
Gehoert dieses Gold nicht rechtmaessig den suedamerikanischen Ureinwohnern?
Gehoert dieses Gold nicht rechtmaessig den suedamerikanischen Ureinwohnern?
ulibandung 22.09.2011
2. Neo-Kolonialismus
Haribo, bist cleverer als dein Name vermuten laesst, Spass beiseite. Ja, der Fund sollte an den Ursprung zurueckkehren. Obwohl, Spanien braucht halt jetzt jeden cent, gerade wenn der gold-Preis so hoch ist, und die Schulden [...]
Zitat von HariboHunterGehoert dieses Gold nicht rechtmaessig den suedamerikanischen Ureinwohnern?
Haribo, bist cleverer als dein Name vermuten laesst, Spass beiseite. Ja, der Fund sollte an den Ursprung zurueckkehren. Obwohl, Spanien braucht halt jetzt jeden cent, gerade wenn der gold-Preis so hoch ist, und die Schulden so hoch.
snickerman 22.09.2011
3. Sehr gut!
Dann hört das mit dem professionellen Wrackplündern vielleicht endlich auf! Es darf ja auch keiner zur "Bismarck" runtertauchen und sich dort bedienen. Lieber wäre mir allerdings, versunkene Schiffe würden nach [...]
Dann hört das mit dem professionellen Wrackplündern vielleicht endlich auf! Es darf ja auch keiner zur "Bismarck" runtertauchen und sich dort bedienen. Lieber wäre mir allerdings, versunkene Schiffe würden nach einer gewissen Zeit als "Erbe der Menschheit" betrachtet und nur noch von ausgebildeten Unterwasser-Archäologen untersucht.
willi2007 22.09.2011
4. Finderlohn
Wenn Spanien bisher keine eigenen Versuche unternommen hat, das gesunkene Schiff zu suchen und den Schatz zu bergen, sollte Spanien den Findern zumindest einen ordentlichen Finderlohn zahlen.
Wenn Spanien bisher keine eigenen Versuche unternommen hat, das gesunkene Schiff zu suchen und den Schatz zu bergen, sollte Spanien den Findern zumindest einen ordentlichen Finderlohn zahlen.
totalmayhem 22.09.2011
5. o^o
Das muesste dann aber auch fuer das Gold auf den anderen 3 Fregatten gelten, die die Englaender den Spaniern bei der Gelegenheit geklaut haben. In Friedenszeiten wohlgemerkt, aber das Hat die Royal Navy ja noch nie geschert [...]
Zitat von ulibandungHaribo, bist cleverer als dein Name vermuten laesst, Spass beiseite. Ja, der Fund sollte an den Ursprung zurueckkehren. Obwohl, Spanien braucht halt jetzt jeden cent, gerade wenn der gold-Preis so hoch ist, und die Schulden so hoch.
Das muesste dann aber auch fuer das Gold auf den anderen 3 Fregatten gelten, die die Englaender den Spaniern bei der Gelegenheit geklaut haben. In Friedenszeiten wohlgemerkt, aber das Hat die Royal Navy ja noch nie geschert (siehe auch Kopenhagen).

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