Wissenschaft

Schiffswracks

Captain Cooks "Endeavour" möglicherweise gefunden

Archäologen haben die Überreste von vier Schiffen gefunden, die während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs vor mehr als 200 Jahren gesunken sind. Eines der Wracks könnte die "Endeavour" sein, auf der Captain Cook seine berühmte erste Südseereise absolviert hat.

Mittwoch, 17.05.2006   15:59 Uhr

Newport - Der Schiffsfund vor Rhode Island könnte einer der spektakulärsten der vergangenen Jahre sein, sollten sich die Vermutungen der Forscher bestätigen. Die vier jetzt entdeckten Schiffe seien 1778 gemeinsam mit neun weiteren von den Briten versenkt worden, erklärten Experten des Rhode Island Marine Archaeology Project. Damit hätten die Briten den Hafen von Newport blockieren wollen - um zu verhindern, dass die Franzosen den Amerikanern in ihrem Unabhängigkeitskrieg zu Hilfe kommen.

Die Wissenschaftler haben die Wracks mit Hilfe von Sonar und historischen Karten in der Bucht von Narragansett geortet, knapp zwei Kilometer von Newport entfernt. In rund zehn Metern Wassertiefe stießen sie auf alten Schiffsballast, hölzerne Wrackteile, mindestens eine Kanone, einen Anker mit einem fast fünf Meter langen Schaft und eine britische Teekanne aus dem 18. Jahrhundert.

Nach Angaben der Archäologen handelt es sich bei einem der Schiffe möglicherweise um die "Lord Sandwich". Historischen Dokumenten zufolge habe sie vorher unter dem Namen "Endeavour" die Weltmeere bereist - unter dem Kommando von James Cook. Der berühmte Seemann unternahm auf dem Schiff von 1768 bis 1771 seine erste Südseereise, bei der er unter anderem Neuseeland kartierte und als erster Europäer die Ostküste Australiens erreichte.

Man könne nicht völlig sicher sein, ob es sich tatsächlich um die "Endeavour" handele, räumten die Forscher ein. Bisher habe man nur 6 der 13 damals versenkten Schiffe gefunden. Die Entdeckung der vier neuen Wracks vergrößere aber die Wahrscheinlichkeit, dass Cooks Schiff darunter sei. "Es gibt eine 47-prozentige Chance, dass wir die 'Endeavour' gefunden haben", sagte Kathy Abbass, Direktorin des Rhode Island Marine Archaeology Project. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass man auf den Schiffen irgendeinen direkten Hinweis auf Cook finden werde. Es könne Jahre dauern, die Wracks vollständig zu erforschen.

Historisch bedeutsam sei der Fund der Schiffsreste vor Newport, um die Belagerung der Stadt durch die Briten nachzuzeichnen. Die Franzosen hatten damals den ersten Versuch unternommen, die britischen Kolonien in ihrem Kampf um Unabhängigkeit zu unterstützen.

Trotz eines Misserfolgs in Newport haben sich George Washington und der Comte de Rochambeau 1780 in der Stadt getroffen, um sich formell auf eine Allianz in den kommenden Schlachten zu einigen. Am Ende halfen die Franzosen den Amerikanern, die britischen Truppen auf einer Halbinsel bei Yorktown einzuschließen und damit 1781 den Krieg für sich zu entscheiden.

mbe/rtr

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