Wissenschaft

Sensationeller Wrackfund

Münzschatz stammt nicht von "Sussex"

Der kürzlich von Tauchern aus dem Meer gehobene Münzschatz sorgt nach wie vor für Spekulationen. Die US-Bergefirma hat nun ausgeschlossen, dass er von der vor Gibraltar gesunkenen "Sussex" stammt. Das Unternehmen bestätigte zugleich eine Übereinkunft mit Walt Disney.

Mittwoch, 23.05.2007   13:08 Uhr

Die Meldung über einen Schatzfund durch das US-Bergeunternehmen Odyssey Marine Exploration sorgte am Wochenende weltweit für Schlagzeilen. Der geschätzte Wert von 500 Millionen Dollar und die Tatsache, dass der Fundort geheim gehalten wird, sorgten für wilde Spekulationen.

Zum Wert des Schatzes erklärte das Bergeunternehmen, es handle sich nicht um eine eigene Schätzung, sondern um eine grobe Hochrechnung in der Presse, die auf Angaben eines Münzexperten beruhten. Dieser habe 600 der insgesamt ungefähr 500.000 gehobenen Münzen untersucht und je nach Zustand eine Preisspanne von einigen hundert bis 4000 Dollar pro Stück genannt. In einem Interview sei dann die Zahl 1000 Dollar pro Münze gefallen - hochgerechnet ergebe dies genau 500 Millionen. Den Wert könne man aber erst genau beziffern, wenn alle Münzen erfasst und konserviert seien.

Die britische Zeitung "Daily Mail" mutmaßte sogar, Odyssey Marine Exploration habe den Schatz der "Merchant Royal" gestohlen, um Ansprüchen Großbritanniens aus dem Weg zu gehen. Das Schiff war 1641, prall gefüllt mit Kriegsbeute, auf dem Weg von Spanien nach Belgien gesunken. Wo genau das Wrack liegt, weiß bislang niemand.

Die Spekulation, dass der gehobene Schatz von der "Merchant Royal" stammen könnte, war entstanden, weil zuvor ein US-Bundesrichter einem Antrag der Bergefirma stattgegeben hatte, exklusiv ein 70 Kilometer vor der Küste Südwestenglands gefundenes Schiffswrack aus dem 17. Jahrhundert erkunden zu dürfen. Andere Experten mutmaßten, der Schatz könne von der "HMS Sussex" stammen, die 1694 in der Straße von Gibraltar gesunken war - mit möglicherweise neun Tonnen Gold an Bord.

Odyssey hat inzwischen erklärt, dass die Münzen keinesfalls zur "Sussex" gehören, nach deren Wrack das Unternehmen bereits seit einiger Zeit sucht. Das Schiff, dem Odyssey vorerst den Namen "Black Swan" gegeben hat, sei nicht in der Nähe jener Stelle gefunden worden, wo man die "Sussex" vermute. Man könne noch keine Angaben zur Identität des Schiffes machen, weil man sich selbst darüber noch nicht im Klaren sei, teilte Odyssey mit. Man habe zwar diverse Hinweise, es gebe aber noch einige Unstimmigkeiten in der Untersuchung.

Die Bergefirma verteidigte ihre Geheimnistuerei rund um den gehobenen Münzschatz, der eine halbe Million Silbermünzen und Hunderte Goldmünzen umfasst. Hätte man den Namen eines Schiffes genannt, ohne sicher zu sein, dass dieser tatsächlich stimme, hätte es wilde Spekulationen über den Wert des Schatzes und mögliche Ansprüche Dritter gegeben. Den Fundort halte man geheim, weil sich am Wrack nach wie vor Fundstücke befänden.

Walt Disney und Odyssey bestätigten unterdessen, dass sie kürzlich eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit bei der Vermarktung von Bergeprojekten abgeschlossen haben. "Es ist wirklich reiner Zufall, dass dies unmittelbar vor dem Start von "Fluch der Karibik 3 - Am Ende der Welt" passiert ist", sagte Disney-Sprecherin Cherise McVicar. Der Streifen aus dem Hause Disney mit Johnny Depp in der Hauptrolle läuft am morgigen Donnerstag weltweit an.

hda/AP

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