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Silvester-Ratgeber

Böllern, aber richtig

Warum heißt es eigentlich Silvester? Welche Böller sind die besten? Und: Was hilft gegen den Kater nach der Feier? Was Sie zum Jahreswechsel wissen sollten.

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Montag, 31.12.2018   11:11 Uhr

Eine Party im Jahr ist auf jeden Fall gesetzt: Silvester. Einige fiebern schon Monate im Voraus diesem Abend entgegen. Andere sind froh, wenn die sinnlose Knallerei und die verordnete Feier endlich vorbei sind. Doch egal, ob Silvester-Muffel oder -Experte, am Jahreswechsel kommt keiner vorbei. Unser Silvester-Ratgeber verrät, wie Sie sich am besten wappnen.

Ab wann darf geböllert werden?

Das kommt darauf an, was Sie zünden wollen. Tischfeuerwerk und Knallerbsen fallen beispielsweise in die Kategorie I der Feuerwerkskörper und dürfen das ganze Jahr über benutzt werden. Bei Raketen und Böllern ist das anders. Die dürfen Sie nur zum Jahreswechsel steigen lassen, in der Regel zwischen dem 31. Dezember um 0 Uhr und dem 1. Januar um 24 Uhr. Städte und Gemeinden können aber auch andere Zeiten vorschreiben. Wer sich schon Wochen vor Neujahr mit Raketen eindecken will, hat Pech. Der Verkauf ist nur an den letzten drei verkaufsoffenen Tagen im Jahr erlaubt, in diesem Jahr also am 28., 29. und 31. Dezember.

Woher kommt der Name Silvester?

Der letzte Tag des Jahres ist in den vergangenen Jahrtausenden immer wieder verlegt worden. Für die alten Römer begann das Jahr bespielweise am 1. März - immer dann, wenn die hohen Beamten ihr Amt antraten. Die Christen feierten das Jahresende mal am 5. Januar, dem Tag, an dem Jesus getauft wurde, mal am 24. Dezember, dem Tag seiner Geburt.

Im Jahr 1582 war mit dem Durcheinander endgültig Schluss. Mit Einführung des gregorianischen Kalenders stand der 31. Dezember als letzter Tag des Jahres fest. Das Datum ist der Gedenktag für Papst Silvester I., der im Jahr 335 in Rom starb - am 31. Dezember. Daher kommt der Name Silvester, der so viel bedeutet wie "Waldmensch".

Warum wird überhaut geböllert?

Schon vor der Christianisierung machten die Menschen um den 31. Dezember Lärm, um böse Geister zu vertreiben. Weil die Kirche den Brauch nicht verdrängen konnte, wurde er kurzerhand mit ins Repertoire aufgenommen - das erleichterte auch die Bekehrung.

Im Mittelalter läuteten zu Silvester die Kirchenglocken, die Menschen trommelten auf Töpfen oder machten Lärm mit Rasseln, und Jäger feuerten mit ihren Gewehren. Feuerwerk war zunächst nur dem Adel vorbehalten, denn Raketen waren extrem teuer. Das ist heute anders. Auch in diesem Jahr werden die Deutschen voraussichtlich etwa 120 Millionen Euro für Silvester-Feuerwerk ausgeben.

Wie gefährlich sind Raketen und Böller?

Beim Böllern kann einiges schiefgehen, besonders wenn die Feuerwerkskörper nicht zugelassen sind oder nicht sachgemäß benutzt werden. Im vergangenen Jahr starb ein 19-Jähriger aus Brandenburg, als er ein selbstgebautes Feuerwerk zünden wollte. Immer wieder kommt es auch zu Verletzungen an Augen oder Händen. Allein das Unfallkrankenhaus in Berlin versorgt in einer Silvesternacht durchschnittlich 50 Verletzungen, die durch Feuerwerkskörper verursacht wurden. "Die Patienten kommen mit abgetrennten Fingern, Verbrennungen, Frakturen und Weichteilverletzungen an den Händen", sagt Andreas Eisenschenk, Leiter der Abteilung für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie am Unfallkrankenhaus Berlin.

So wird das Feuerwerk sicher:

Wie sehr leidet die Umwelt?

Raketenstöcke, Verpackungen, Böllerreste: Das Knallen an Silvester hinterlässt jede Menge Müll. Allein in München sammelte die Straßenreinigung im vergangenen Jahr 50 Tonnen Silvesterabfall ein. Böllerabfälle gehören in den Restmüll. Blindgänger sollten am besten eine halbe Stunde in Wasser getaucht und dann entsorgt werden. Durch die Feuchtigkeit wird das Schwarzpulver unschädlich gemacht.

Mit den Raketen steigt außerdem jede Menge Feinstaub in den Himmel. Gerade in Innenstädten werden in der Silvesternacht bis zu 1000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen. Das übersteigt den EU-Grenzwert deutlich, der bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt.

Wie stark die Belastung ist, hängt jedoch vor allem vom Wetter ab. Bei ausreichend Wind werden die Tagesgrenzwerte in den meisten Städten eingehalten. Außerdem sinkt die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht nach wenigen Stunden. Insgesamt stammen zwei Prozent der menschengemachten Feinstaubemissionen im Jahresdurchschnitt von Raketen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Wie bekommt man den meisten Böllerspaß fürs Geld?

"Ich empfehle Schweizer Vulkane", sagt Dirk Abolins vom Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk. "Die kosten meist um die zehn Euro und sind ihren Preis absolut wert. Die Effekte sind spektakulär und die Funken steigen bis zu sechs Meter hoch."

Raketen dürfen in Deutschland maximal 20 Gramm Pulver enthalten. Gute Exemplare sind schon ab etwa 1,50 Euro zu haben. Allerdings verrate das Äußere nur wenig über die Qualität der Rakete. "Je mehr Pulver pro Effekt verwendet wird, desto höher ist die Standzeit, und Fülle am Himmel", erklärt Abolins. Die Werte stehen auf der Verpackung, meist als NEM- oder NEC-Wert angegeben. Spektakulärer als einzelne Raketen sei sogenanntes Batteriefeuerwerk, das bis zu 500 Gramm Pulver enthalten darf.

Gute Böller sind laut Abolins nur noch schwer zu bekommen. "Die wurden kaputt gespart", sagt der Pyrotechniker. Ein sogenannter Schinken, ein Karton aus 80 Böllern, sei schon für fünf bis sechs Euro zu haben. "Die enthalten aber meist nur zwei Gramm Schwarzpulver pro Böller, erlaubt wäre das Dreifache", moniert Abolins. Inzwischen gebe es auch stärkere Retro-Böller, die kosteten aber auch zwischen 40 und 45 Euro pro Schinken. Weitere Empfehlungen finden Sie hier und hier.

Wie kommt Fiffi gut ins neue Jahr?

Der Krach und das grelle Feuerwerkslicht machen vielen Hautieren Angst. Besitzer sollten die Tiere dann in Ruhe lassen und ihnen einen sicheren Ort anbieten, beispielsweise einen abgedunkelten Raum. Wer seinen Hund dagegen mit ständigem Streicheln beruhigen will, kann genau das Gegenteil erreichen. Nämlich dann, wenn das Tier die Zuwendung als Lob für ängstliches Verhalten missversteht. In extremen Fällen kann der Tierarzt auch beruhigende Medikamente verordnen.

Was hilft am besten gegen den Kater an Neujahr?

Mit einfachen Tricks lässt sich dem Brummschädel am 1. Januar vorbeugen: Zu jedem Glas Alkohol dieselbe Menge Wasser trinken, ausreichend essen und möglichst bei einer Alkoholsorte bleiben. Ist der Schaden schon angerichtet, helfen meist nur Geduld und Ruhe. Ausreichend Flüssigkeit und sauer-salzige Lebensmittel können die Symptome jedoch mildern. Schmerztabletten sind keine optimale Lösung, weil sie Magen und Leber zusätzlich belasten.

insgesamt 32 Beiträge
Kanalysiert 28.12.2018
1.
Die besten Böller sind die, die man nicht kauft und anderen Mitmenschen die Feinstaubbelastung und das elende Geknalle erspart!
Die besten Böller sind die, die man nicht kauft und anderen Mitmenschen die Feinstaubbelastung und das elende Geknalle erspart!
Pixopax 28.12.2018
2. Tipp vom Fachmann
Batterien die höher sind als breit sollte man auf Pappe kleben, da sie sonst leicht umfallen. Es gibt da einige Kandidaten, die schnell umkippen und dann sehr gefährlich werden. Also vorher kurz anschauen und evtl. Nachbessern. [...]
Batterien die höher sind als breit sollte man auf Pappe kleben, da sie sonst leicht umfallen. Es gibt da einige Kandidaten, die schnell umkippen und dann sehr gefährlich werden. Also vorher kurz anschauen und evtl. Nachbessern. Ideal ist es ein Biertisch vor den Batterien umgekippt hinzulegen, das schützt vor Abweichlern aus den Batterien. Gerade wenn man Zuschauer hat ist das ein einfacher Schutz. Raketen würde ich in Deutschland nicht mehr kaufen, da ist fast nichts mehr drin. Da sind die Batterien besser und günstiger.
BettyB. 28.12.2018
3. Guter Rat ist teuer
Den Hund sollte man vor der Knallerei wenigstens betäuben, wenn nicht gar einschläfern, den Kater ebenfalls. Und falls man nur bis vier zählen kann, also sechs Finger nicht benötigt, sollte man sich nicht auf irgendwelche [...]
Den Hund sollte man vor der Knallerei wenigstens betäuben, wenn nicht gar einschläfern, den Kater ebenfalls. Und falls man nur bis vier zählen kann, also sechs Finger nicht benötigt, sollte man sich nicht auf irgendwelche Gütesiegel einlassen, sondern es richtig knallen lassen, möglichst natürlich immer in der gleichen Hand. Und um Zigaretten zu sparen nach Mitternacht einfach mal tief einatmend durch die Straßen rennen. Es lungt sich...
sirlanzelotte 28.12.2018
4.
Wozu diese ganzen Vorkehrungen? Die Städte sollten hier qualitätsvolles Feuerwek bieten, in geordneter Form! Das Feuerwerk sollte dann mit Musik ist das untermalt sein. Dazu gibt gutes Essen an Ständen, wo wir dichtgedrängt [...]
Wozu diese ganzen Vorkehrungen? Die Städte sollten hier qualitätsvolles Feuerwek bieten, in geordneter Form! Das Feuerwerk sollte dann mit Musik ist das untermalt sein. Dazu gibt gutes Essen an Ständen, wo wir dichtgedrängt bei Glühwein zusammenstehen! Jedoch machen wir uns Deutsche es mal wieder schwer, der gesellschaftlichen Freiheit zuliebe! Die deutschen Discounter verkaufen soviel Böller, dass wir uns gegenseitig damit vernebeln! Wozu müssen unsere Kinder in schlechter Luft selber knallern und gefährden, ihre eigenen (teuren) Raketen in einen Dunst von Nebel vergeuden? Das Neue Jahr kann auf elegantere und unkomplizierte Weise gefeiert werden!
P-Schrauber 28.12.2018
5. Wer Sylvester's nicht knallert darf im Sommer nicht grillen,
... oder so ähnlich. Sicherlich ist die Knaller- und Raketerei nicht besonders gesund, man muss ja nicht übertreiben, ein paar Wunderkerzen eine Tüte als bunte Schwarzpulver Ereignis Mischung und 24:00 darf kommen, die kleinen [...]
... oder so ähnlich. Sicherlich ist die Knaller- und Raketerei nicht besonders gesund, man muss ja nicht übertreiben, ein paar Wunderkerzen eine Tüte als bunte Schwarzpulver Ereignis Mischung und 24:00 darf kommen, die kleinen finden das dann doch Klassen man selbst wird auch wieder zum Spielkind und schön anzusehen ist es, mit 10€ lässt sich schon was anfangen und die heimische Böllerindustrie unterstützen. Wegen dem Feinstaub, Rauchwolken und dem Geruch ... aufs Jahr gesehen ist stehen am Holzkohlegrill viel gefährlicher.

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