Wissenschaft

Steinzeit-Bauten am Rhein

Archäologen entdecken 7200 Jahre alte Siedlung

Grüße von Steinzeit-Rheinländern: Bei Düren haben Archäologen Reste einer 7200 Jahre alten Siedlung ausgegraben. Bauern haben demnach früher den Rhein überquert als angenommen. Vor allem der steinzeitliche Dorffriedhof war reichlich gefüllt.

DDP

Steinzeit-Rheinländer: 7200 Jahre alte Skelette ausgegraben

Donnerstag, 02.09.2010   11:44 Uhr

Düren - Archäologen haben das älteste bisher bekannte Bauernhaus links des Rheins gefunden. Der Fund bei Düren-Arnoldsweiler in Nordrhein-Westfalen ist rund 7200 Jahre alt, wie Experten des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege mitteilten. Zusammen mit den Resten des Bauernhofs aus der Jungsteinzeit legten die Experten eine ganze Großsiedlung frei. Zudem fanden sie einen der größten Friedhöfe aus dieser Zeit in Deutschland.

Das sei ein Fund der Extraklasse, jubelten die Experten des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege fest. Bisher habe die Wissenschaft angenommen, dass die ersten sesshaften Bauern vom Osten nur bis zum Rhein gekommen seien.

Das am Computer rekonstruierte Bauernhaus erinnert an eine Scheune: Bis zu acht Meter hoch und 35 Meter lang, an einem Ende schließt das Haus mit einem schmalen Rechteck ab. "Es hatte 120 bis 140 Quadratmeter Grundfläche", sagte der Archäologe Erwin Cziesla. Er glaubt, dass bis zu acht Menschen in dem Haus aus Eichenholz gewohnt haben - wahrscheinlich waren viele Kinder darunter.

Von diesem Haus ausgehend, hätten sich immer mehr Menschen angesiedelt, meinen die Archäologen. 35 Häuser aus der Jungsteinzeit sind freigelegt. "Wahrscheinlich stecken aber noch 40 bis 50 Häuser im Acker", vermutet Cziesla.

Besonders staunenswert war der Friedhof, gleich neben dem Haus: Die ersten sesshaften Siedler legten gleich neben dem Dorf einen Friedhof an. Mit kleinstem Werkzeug wie Löffelchen und Pinselchen haben die Archäologen fast 110 Skelette freigelegt. Die wurden zwar über die Jahrtausende im Boden zersetzt, sind aber immer noch erkennbar: Viele Kinder, ein Jugendlicher, Erwachsene mit Grabbeigaben wie Beil, Reib- oder Malstein, ein Erwachsener mit einem Neugeborenen.

boj/dpa

Fotostrecke

Archäologische Methoden der Datierung

Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, erlaubt das Rückschlüsse auf das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag. Allerdings liefert dieses Verfahren keine absolute Altersangabe wie die C14-Methode. Die Archäologen können so nur feststellen, dass ein Artefakt etwa zur gleichen Zeit in die Erde gelangt ist.

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP