Wissenschaft

Streit um 500 Millionen Dollar

Spanien will Schatzschiff identifiziert haben

500 Millionen Dollar sollen die Münzen wert sein, die eine US-Bergefirma 2007 aus dem Meer holte. Nun beansprucht Spanien den Schatz. Er stammt angeblich von einem spanischen Schiff, das vor mehr als 200 Jahren nach einer Seeschlacht gesunken ist.

Freitag, 09.05.2008   13:13 Uhr

Wenn jemand 17 Tonnen Silbermünzen auf dem Meeresboden findet, aber nicht sagen will, wo genau sie entdeckt wurden, muss er sich nicht wundern, wenn wilde Spekulationen blühen. 2007 hatten Taucher des amerikanischen Schatzsucher-Unternehmens Odyssey Marine Exploration die reiche Beute ans Tageslicht geholt: eine halbe Million Silbermünzen, Hunderte Goldmünzen und Artefakte, deren Gesamtwert sich auf schätzungsweise 500 Millionen Dollar beläuft.

Aber von welchem Schiff stammt der Schatz? Von der "HMS Sussex", die 1694 bei Gibraltar gesunken war, wie anfangs vermutet? Oder aber von dem englischen Handelsschiff "Merchant Royal", das 1641 nahe der britischen Küste unterging?

Die spanische Regierung glaubt nun zu wissen, welches Schiff die tonnenschweren Münzberge einst an Bord hatte: die "Nuestra Señora de las Mercedes y las Animas". Das spanische Schiff wurde 1804 auf dem Weg von Peru zurück in die Heimat nordwestlich von Portugal von britischen Kriegsschiffen angegriffen und versenkt. Eine Explosion zerriss das Schatzschiff, mehr als 200 Mann der Besatzung starben.

Die spanische Regierung übergab dem Bundesgericht in Tampa (US-Bundesstaat Florida), wo auch die Bergefirma Odyssey Marine Exploration ihren Sitz hat, nun Dokumente, die beweisen sollen, dass die Münzen tatsächlich von der "Nuestra Señora de las Mercedes y las Animas" stammen.

"Wir reden hier über Teile eines spanischen Schiffs", sagte Jose Jimenez vom spanischen Kulturministerium, "und über die Überreste spanischer Seemänner, die an Bord gestorben sind und deren Totenruhe gestört wurde." Es handle sich bei dem Schatz um Eigentum der spanischen Marine, "und wir wollen alles zurück", erklärte Admiral Teodoro de Leste Contreras, Leiter des Madrider Schifffahrtsmuseums. Der im Auftrag Spaniens arbeitende Anwalt James Goold sagte, Odyssey werden keine einzige Münze des Fundes behalten dürfen.

Börsenunternehmen versus spanischer Staat

Greg Stemm, Chef von Odyssey Marine Exploration, kritisierte die Darstellung der Spanier. Zwar habe man auch selbst die Arbeitshypothese aufgestellt, dass es sich bei dem vorläufig als "Black Swan" bezeichneten Fund um die "Nuestra Señora de las Mercedes y las Animas" handeln könnte. Doch fehlten dafür bislang ausreichende Beweise. "Es gibt keinen Schiffsrumpf am Fundort", sagte Stemm. Es sei überraschend, dass die Spanier nun behaupteten, das Schiff identifiziert zu haben. Die Fotos und Videos vom Fundort würden eine solche Zuordnung nicht ermöglichen, erklärte Stemm. Es sei aus wissenschaftlicher Sicht nicht angebracht, ohne Beweise Rückschlüsse auf die Identität zu ziehen.

Um den Schatz streiten sich Spanien und Odyssey Marine Exploration schon seit längerem vor Gericht. Dieses hatte verfügt, dass die Bergefirma der Gegenseite Bildmaterial der Fundstelle zur Verfügung stellen muss. Nach der Auswertung der Fotos und Videos glauben die Spanier nun sicher zu sein, dass es sich um die "Nuestra Señora de las Mercedes y las Animas" handelt.

Die Entscheidung darüber, wem der Schatz zusteht, dürfte wohl Richter Mark Pizzo treffen, der beide Seiten noch einmal anhören möchte. Für die Bergefirma geht es um viel: Odyssey Marine Exploration ist ein börsennotiertes Unternehmen, das mit dem Kapital seiner Aktionäre die aufwendige Suche nach Unterwasserschätzen finanziert. Teure Fehlschläge kommen bei den Geldgebern schlecht an.

hda/AP/Reuters

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