Wissenschaft

Verschwundener Schatz

Russen suchen Zarengold im Baikalsee

Russische Forscher sind einem Mythos auf der Spur: Im Baikalsee sollen vor 90 Jahren Eisenbahnwagons voller Gold des letzten Zaren versunken sein. Jetzt wollen Wissenschaftler in den eisigen Tiefen Hinweise auf den Schatz entdeckt haben.

AFP
Von , Moskau
Mittwoch, 01.09.2010   15:59 Uhr

Als Bair Zyrenow an Bord der "Mir" langsam einen Unterwasserhang im Baikalsee hinaufglitt, schimmerte es 400 Meter unter der Wasseroberfläche golden im Licht der Scheinwerfer. Erst entdeckte die dreiköpfige Besatzung des U-Boots "Stahlträger, die einer Eisenbahnbrücke ähneln". Dann stieß die "Mir" gar auf "Barren mit dem charakteristischen goldenen Glanz", berichtet Forscher Zyrenow vom Fonds für den Schutz des Baikalsees.

Es wäre eine spektakuläre Entdeckung, die die Wissenschaftler da Anfang der Woche machten. Seit zwei Jahren vermessen zwei "Mir"-Tauchboote den Baikalsee in Sibirien, sonst kommen die Vehikel im Atlantik und im Indischen Ozean zum Einsatz. Die Mini-U-Boote erkundeten auch das Wrack der Titanic.

Eigentlich soll die Mission im Baikalsee bald enden. Doch jetzt ist die "Mir" einem Mythos auf der Spur: Dem Goldschatz des letzten Zaren, verschollen seit 90 Jahren - und der Legende nach versunken in den Tiefen des sibirischen Gewässers.

Russische Experten und Journalisten glauben, die nun entdeckten Fundstücke könnten zum Gold des Admirals Alexander Koltschak gehören, das seit den Wirren des russischen Bürgerkriegs als vermisst gilt. In einer Großoffensive überschritten 1919 "Weiße Garden" unter dem Oberkommando Koltschaks den Ural. Sie vertrieben die Bolschewiken auch aus der östlich von Moskau gelegenen Stadt Kasan - und erbeuteten dort einen Großteil der Goldreserven Russlands.

Die Spuren des Goldes verlieren sich in den Weiten Sibiriens

Zar Nikolai II. hatte 500 Tonnen Gold aus St. Petersburg Jahre zuvor nach Kasan bringen lassen, aus Angst vor den vorrückenden deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg. 5000 Kisten füllte der Zarenschatz angeblich, und 1700 Säcke sowie 40 Eisenbahnwaggons brauchten die "Weißen", um das Vermögen im damaligen Wert von rund 650 Millionen Rubel abzutransportieren.

Doch viel Glück hatten die Sieger nach dem Erfolg nicht. Admiral Koltschak, ein Offizier der Zarenmarine mit zackigem Kurzhaarschnitt, focht für den "Sieg über den Bolschewismus", errichtete allerdings selbst eine autoritäre Militärdiktatur in seinem Herrschaftsbereich. Nach einer Gegenoffensive der "Roten" fiel er den Sowjets in die Hände und wurde erschossen.

Gold im Wert von 410 Millionen Rubel händigte das an Koltschaks Seite kämpfende "Tschechoslowakische Korps" der Regierung in Moskau nach der Niederlage aus, im Gegenzug für freies Geleit in die Heimat, wie es heißt. Was aber geschah mit dem Rest? Die Spuren des Goldes verlieren sich in den Weiten Sibiriens.

"Weißgardisten", so will es die Legende, sollen im Winter versucht haben, das Eis des Baikalsee zu überqueren, doch die schweren Eisenbahnwaggons im Schlepptau brachen ein, das Gold versank in der Tiefe. Tatsächlich wird der zugefrorene Baikalsee im Winter noch immer als Verkehrsweg genutzt. Während des russisch-japanischen Krieges wurden sogar Gleise auf den meterdicken Eisschichten verlegt.

Hoffen auf den Sensationsfund

Nun hoffen viele Beobachter auf den Sensationsfund. Im vergangen Jahr stieß die "Mir" bei ihren Tauchgängen bereits auf Fragmente eines Eisenbahnwaggons am Grund des Sees, außerdem auf Kisten mit Munition aus den Zeiten des Bürgerkriegs.

Historiker melden gleichwohl Bedenken an: Der Schatz sei vermutlich nie versunken, vielmehr hätten ihn die "Weißen Garden" selbst außer Landes geschafft und bei Banken in Großbritannien und Japan deponiert. Eine andere Version geht so: Die abrückenden Tschechen hätten ihn mitgehen lassen und ihrem Heimatland in den zwanziger Jahren einen unverhofften Wohlstand beschert.

"Derzeit ist es schwer zu sagen, ob es wirklich das Gold Koltschaks ist", sagt Baikal-Forscher Bair Zyrenow SPIEGEL ONLINE. "Leider ist es uns nicht gelungen, die Barren zu bergen", berichtet sein Kollege Roman Afonin. Sie stecken zu tief im Geröll.

Das Geheimnis um das Zarengold wollen Bair Zyrenow und seine Kollegen jetzt lösen, sie sind fest entschlossen. Die Forscher bereiten weitere Tauchgänge vor. Doch was immer auch daraus werde, sagt Afonin, "die Legende lebt".

insgesamt 3 Beiträge
dubidu 01.09.2010
1. .....
Der einfältige Putin wird wohl als erster danach tauchen!
Zitat von sysopRussische Forscher sind einem Mythos auf der Spur: Im Baikalsee sollen vor 90 Jahren Eisenbahnwagons voller Gold des letzten Zaren versunken sein. Jetzt wollen Wissenschaftler in den eisigen Tiefen Hinweise auf den Schatz entdeckt haben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,715064,00.html
Der einfältige Putin wird wohl als erster danach tauchen!
Saphir 01.09.2010
2. -
Ta-ta. Nicht solche Worte. Der -heroische- Putin wird, nur mit Harpune und Badehose bewaffnet, hinabtauchen, 20 Haie erlegen (die vorher dort tot deponiert wurden) und 2KG Gold heraufholen (was vorher dort deponiert wurde). [...]
Zitat von dubiduDer einfältige Putin wird wohl als erster danach tauchen!
Ta-ta. Nicht solche Worte. Der -heroische- Putin wird, nur mit Harpune und Badehose bewaffnet, hinabtauchen, 20 Haie erlegen (die vorher dort tot deponiert wurden) und 2KG Gold heraufholen (was vorher dort deponiert wurde). Naja, jedem seine eigene PR.
MarkusKrawehl 01.09.2010
3. Quizfrage
Der BILD-Leser würde an dieser Stelle jetzt auch gebetsmühlenhaft wiederholen: "Ein lupenreiner Demokrat - wie der GAZGerd schon sagt." Dann hätten wir alle Pawlowschen Reflexe zu genüge bedient. PS zur [...]
Zitat von dubiduDer einfältige Putin wird wohl als erster danach tauchen!
Der BILD-Leser würde an dieser Stelle jetzt auch gebetsmühlenhaft wiederholen: "Ein lupenreiner Demokrat - wie der GAZGerd schon sagt." Dann hätten wir alle Pawlowschen Reflexe zu genüge bedient. PS zur Quizfrage: Wo kommt das Wort Putin ein zweites Mal in dem Artikel vor?
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