Wissenschaft

Bedrohte Tiere

Solange es sie noch gibt

Schopfaffen, Gangesgaviale und Philippinenadler: Fotograf Tim Flach zeigt in einem Bildband Tiere, deren Zeit auf der Erde abläuft, wenn wir nichts dagegen tun.

Tim Flach
Von
Mittwoch, 08.11.2017   09:59 Uhr

Der Schwarzweiße Vari besitzt eine der lautesten Stimmen aller Primaten. Doch sein Ruf könnte eines Tages nicht mehr durch Madagaskar schallen: Die Lemurenart ist vom Aussterben bedroht, Wilderer jagen sie wegen ihres Fleisches. Der Londoner Fotograf Tim Flach reiste quer über den Globus, um diese und andere gefährdete Tierarten aufzuspüren.

Sie alle stehen auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN): Fast alle von ihnen werden als bedroht eingestuft wie das Flusspferd, manche existieren bereits nicht mehr, wie zum Beispiel die Wandertaube. Sie konnte Flach nur noch ausgestopft ablichten.

Die Ergebnisse seiner Recherche zeigt Flach nun in seinem Bildband "In Gefahr". Es sind teils bekannte Arten wie der Große Panda, der als Nationalsymbol und Wappenzeichen für Naturschutz in China gilt. Aber auch exotischere Tiere wie die Ruderschnecke, die im Meer lebt und Walen, Seevögeln oder Fischen als Nahrungsquelle dient.

Flach wählte die Tiere aus, die stellvertretend für ein Problem stehen, die für ihn eine wichtige Geschichte erzählen. Insgesamt 80 bedrohte Arten hat er in mehrjähriger Arbeit rund um die Welt fotografiert.

Mit berührenden Porträts versucht Flach, beim Betrachter eine emotionale Verbindung zu den Spezies und ihren Lebensräumen aufzubauen: "Ich wollte dabei die Persönlichkeit und den Charakter der Tiere herausstellen."

"Ich habe versucht, das Anderssein zu überbrücken und darzustellen, wie nah uns die Tiere sind", sagt Flach. Er vermenschlicht dabei nicht, sondern fängt Gefühle und Eigenschaften ein, die uns vertraut ist: Eine Schimpansenmutter hält liebevoll ihren Nachwuchs; ein Lemur namens Kronensifaka hat sich ängstlich zusammengekauert; ein Okapi blickt verletzlich in die Kamera.

Fotostrecke

Vom Lemurlaubfrosch bis zum Schimpansen: Porträts bedrohter Tierarten

Die meisten Fotos sind laut Flach direkt im Lebensraum der Tiere entstanden, manche in Tierschutzeinrichtungen, einige in einem Fotostudio. Zum Teil montierte der Fotograf jedoch nachträglich den dunklen Hintergrund, um die Tiere besser zur Geltung zu bringen. Nah- und Detailaufnahmen wechseln sich ab mit Totaleinstellungen in der natürlichen Umgebung.

Die Bedrohungen sind bekannt: Neben Krankheiten, Verlust des Lebensraums, illegalem Tierhandel, zählen dazu auch Umweltverschmutzung und der Klimawandel.

Dass die Natur und ihre Ressourcen nicht unerschöpflich sind, sei erst in den vergangenen Jahrzehnten ins öffentliche Bewusstsein gerückt, sagt Flach: "Heute aber haben sich die Machtverhältnisse verschoben, und die Natur ist ebenso auf uns angewiesen wie wir auf sie." Sein Buch macht letztendlich deutlich: Wir sollten etwas dafür tun, dass diese Tiere erhalten bleiben.

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Tim Flach:
In Gefahr

Knesebeck Verlag; 336 Seiten; 68 Euro

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