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Satellitenbild der Woche

Da liegt was in der Luft

Auf der indonesischen Insel Borneo brennt der Regenwald. Experten fühlen sich an das Feuerjahr 2015 erinnert, Satellitendaten zeigen hohe Feinstaubkonzentrationen. Einzige Hoffnung: Regen.

NASA

Aufnahme vom 14. September 2019: Rauch über Borneo

Montag, 23.09.2019   09:23 Uhr

Weltweit wird der Regenwald gerodet, um Fläche für Felder zu schaffen. Zuletzt geriet das Amazonasbecken deshalb in die Schlagzeilen. Im August registrierten Forscher dort 86.000 Feuer. Die Region ist aber nicht die einzige, in der Brände Regenwald vernichten. Mehrere Satellitenbilder zeigen im September dicken Rauch über der indonesischen Insel Borneo. Auch Sumatra ist betroffen.

Feuer sind auf den indonesischen Inseln im September und Oktober nicht ungewöhnlich. In der Zeit brennen Farmer gezielt landwirtschaftliche und zuvor abgeholzte Flächen nieder, um fruchtbare Erde für die nächste Anbausaison zu schaffen. In Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos, weichen abgeerntete Felder und gerodeter Regenwald meist neuen Palmöl- und Akazienplantagen.

Zuletzt verliefen die Rodungen vergleichsweise moderat, berichtet die Nasa. Doch in diesem Jahr droht erneut eine Großfeuerlage. Am 15. September hat unter anderem der Erdbeobachtungssatellit "Landsat 8" Brände in mehreren Palmölanbaugebieten im Süden Borneos registriert. Das Bild unten zeigt die Aufnahme. Um die Feuer hervorzuheben, wurden die Farben leicht verändert.

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Bereits Ende August hatten Satelliten Feuer in der Region registriert. In den ersten Septemberwochen nahmen sie jedoch deutlich zu. Fachleute in der Region warnen vor Gesundheitsschäden durch den starken Rauch und die hohe Feinstaubbelastung. Laut örtlichen Medienberichten, mussten bereits Schulen geschlossen und Flüge abgesagt werden.

Das liegt auch daran, dass viele der Feuer in Regionen mit Torfböden liegen. Die sind oft schwer zu löschen und schwelen monatelang unter der Oberfläche - bis zur nächsten Regenzeit. Bei den Bränden werden große Mengen Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) und Methan frei. Diese tragen maßgeblich zum globalen Temperaturanstieg bei, weil sie verhindern, dass Wärme von der Erde ins All abstrahlt.

Gefährlicher Feinstaub in der Luft

Außerdem emittieren Torffeuer sehr viel Feinstaub. Darin enthaltene Partikel, die kleiner sind als 2,5 Mikrometer, gelten als Gesundheitsrisiko, weil sie aufgrund ihrer Größe tief in die Lunge und in den Blutkreislauf vordringen können. Sie stehen etwa im Verdacht, Atemwegsbeschwerden und Herzprobleme auszulösen (mehr dazu lesen Sie hier). Forscher untersuchen die Risiken derzeit noch im Detail.

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Konzentration von organischem Kohlenstoff über Borneo und Sumatra am 17. September 2019

Die Karte oben zeigt, wie viel organischer Kohlenstoff am 17. September in der Luft über Borneo und Sumatra schwebte. Auch diese Partikel gehören zu der gefährlichen Feinstaub-Kategorie. Errechnet haben Wissenschaftler die Grafik aus Satelliten- und Wetterdaten. Auch Informationen von Messstationen am Boden sind in die Analyse eingegangen. Weil die Winde schwach waren, blieben die Partikel vergleichsweise nah an den Feuern.

Wie sich Brände entwickeln, hängt immer auch vom Wetter ab. In den vergangenen großen Feuerjahren - 1997 und 2015 - bescherte das Klimaphänomen El Niño Indonesien lange Trockenphasen. Die Feuer konnten sich ungestört ausbreiten. 2019 hielt sich El Niño bislang zurück. Eine andere Klimakonstellation sorgte aber auch in diesem Jahr für lange Trockenphasen im September.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

"Mitten in einem Brand-Großereignis"

"Indonesien befindet sich mitten in einem neuen Brand-Großereignis", sagt Robert Field vom NASA Goddard Institute for Space Studies. Er dokumentiert die indonesischen Feuermonate seit vielen Jahren. Die aktuelle Saison erinnere an die schlimmen Brände in 2015, sagt er. 2019 hätten sich die Brände allerdings später ausgebreitet, weil es im August noch mal geregnet habe.

"Dadurch gibt es nicht ganz so viele Feuer wie 2015", so Field weiter. Die Anzahl erhöhe sich aber in einer ähnlichen Geschwindigkeit wie in der vergangenen schweren Feuersaison. Brände, die im Boden schwelen, seien da noch gar nicht einberechnet.

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Auch Umweltschutzorganisationen schlagen Alarm. Auf Borneo und Sumatra leben unter anderem die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans. Ihnen macht vor allem der schwindende Regenwald zu schaffen. Die Feuer verschärfen die Situation.

jme

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