Wissenschaft

Höchster Wert seit drei Jahren

Rekord-Abholzung im Regenwald

Brasiliens Präsident Bolsonaro legt wenig Wert auf Umweltschutz - darunter leidet auch der Regenwald: Zuletzt wurden 60 Prozent mehr Fläche abgeholzt als vor einem Jahr.

Bruno Kelly/ REUTERS

Gerodetes Tropenholz (Archivbild): 769 Quadratkilometer wurden im Juni 2018 abgeholzt

Mittwoch, 03.07.2019   18:19 Uhr

Der größte Regenwald der Erde ist in akuter Gefahr. Seit Jair Bolsonaro in Brasilien an der Macht ist, wird dort immer mehr Wald abgeholzt. Aktuelle Satellitenaufnahmen der Brasilianischen Raumfahrtbehörde zeigen, dass im Juni 60 Prozent mehr Regenwald gerodet wurden als im gleichen Monat des Vorjahres, wie CNN unter Berufung auf Daten des staatlichen Weltraumforschungsinstituts INPE berichtet.

769 Quadratkilometer wurden demnach im vergangenen Monat im brasilianischen Teil des Regenwalds gerodet. Im Juni 2018 waren es noch 488 Quadratkilometer. Es ist bereits der zweite Monat in Folge, in dem die INPE deutlich mehr Abholzung registriert als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Im Mai lag der Anstieg laut der Nachrichtenagentur Reuters aber noch bei 34 Prozent. Bezogen auf das gesamte erste Halbjahr 2019, erreicht die Abholzung den höchsten Wert seit drei Jahren.

Mehr als zwei Drittel des Amazonas-Regenwaldes liegen in Brasilien. Mit einer Fläche von 5,5 Millionen Quadratkilometern ist er ein gewaltiger Kohlenstoffspeicher. Ihn zu erhalten, ist unerlässlich, wenn die Klimakrise nicht weiter verschärft werden soll. Außerdem beherbergt der Wald eine riesige Vielfalt einzigartiger Pflanzen und Tiere.

Bruno Kelly/ REUTERS

Schneise im brasilianischen Regenwald (2017)

Bolsonaro will Schutzgebiete zur Abholzung freigeben

Doch seit Jair Bolsonaro am 1. Januar 2019 brasilianischer Präsident wurde, sorgen sich Umweltschützer um das Gebiet. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hatte er angekündigt, Schutzgebiete und Reservate der indigenen Bevölkerung für die wirtschaftliche Nutzung freizugeben.

Zunächst konnte INPE allerdings nicht erkennen, dass mehr abgeholzt wurde. In den ersten Monaten des Jahren gab es wenig Veränderung im Vergleich zu 2018. Das könnte allerdings auch an der Regenzeit liegen. Bis die Trockenzeit im Mai beginnt, wird üblicherweise weniger gerodet.

Die brasilianische Regierung weist die Vorwürfe zurück: "Wir tun alles, um die illegale Entwaldung zu bekämpfen", sagte Umweltminister Ricardo Salles gegenüber Reuters. "Diese Woche hatten wir 17 Kontrollteams gleichzeitig im Amazonasgebiet."

jme

insgesamt 39 Beiträge
götzvonberlichingen_2 03.07.2019
1. Wen stört es denn wirklich?
Man kann Brasilien vermutlich nicht zwingen das Abholzen einzuschränken oder einzustellen. Allerdings könnte man die Abnehmer des Holzes massiv bestrafen. Aber hier fehlt es wohl an Willen und Personal. Letztendlich wird es [...]
Man kann Brasilien vermutlich nicht zwingen das Abholzen einzuschränken oder einzustellen. Allerdings könnte man die Abnehmer des Holzes massiv bestrafen. Aber hier fehlt es wohl an Willen und Personal. Letztendlich wird es wieder auf symbolische Gesten hinauslaufen. Ernste Politikerminen, die darum bitten, den Regenwald stehen zu lassen und dabei belässt man es. Siehe Hambacher Wald.
tmhamacher1 03.07.2019
2. Betroffen!!!
Jetzt sind wir wieder alle so betroffen von dieser Umweltzerstörung, und was machen wir? Nichts, außer natürlich den Brasilianern das Holz abzukaufen und dort Biosprit produzieren zu lassen. Die Grünen haben es geschafft, sich [...]
Jetzt sind wir wieder alle so betroffen von dieser Umweltzerstörung, und was machen wir? Nichts, außer natürlich den Brasilianern das Holz abzukaufen und dort Biosprit produzieren zu lassen. Die Grünen haben es geschafft, sich an der Spitze der Betroffenheitsapologeten zu setzen, ohne auch nur das Geringste zu leisten, um Brasilien und den anderen Ländern der Dritten Welt zu helfen oder um den Regenwald zu retten. Wer die Grünen wählt, der wählt letztendlich umweltpolitische Versager!
mcaeng 03.07.2019
3. Keine Hoffnung
Das zeigt leider wieder wie übel die Lage ist und dass es auch keinen Ausweg und kein zurück gibt. Ist es nun u.a. CO2 oder doch das Magnetfeld der Erde und zyklische Vorgänge, welche den Klimawandel verursachen (ist es [...]
Das zeigt leider wieder wie übel die Lage ist und dass es auch keinen Ausweg und kein zurück gibt. Ist es nun u.a. CO2 oder doch das Magnetfeld der Erde und zyklische Vorgänge, welche den Klimawandel verursachen (ist es überhaupt Klimawandel ?) ? Wie auch immer, Ozeane sind sauer und fertig, Trinkwasser und Regenwälder auch. Was bleibt ist eigentlich klar - wir sollten uns selber entsorgen. Michael Hummel, Norwegen
doctoronsen 03.07.2019
4. Wer sind die Käufer und Nutznießer?
Was ich gerne wissen würde: Wer profitiert davon in welcher Weise? Und müssten wir nicht darauf drängen, dass Landwirtschaftsprodukte aus Brasilien aus den Regalen fliegen? Z.B. die Steaks? Oder ist das egal?
Was ich gerne wissen würde: Wer profitiert davon in welcher Weise? Und müssten wir nicht darauf drängen, dass Landwirtschaftsprodukte aus Brasilien aus den Regalen fliegen? Z.B. die Steaks? Oder ist das egal?
MagittaW 03.07.2019
5. Unredlichkeit der Deutschen
das zeigt doch, wie absurd die Deutsche Politik und die Fridays for Future Aktionen sind. Während die Medien, Politiker (außer AfD) und sonstige Gutmeinende glauben, dass der deutsche Kohle-,Atom-, Dieselausstieg das Klima [...]
das zeigt doch, wie absurd die Deutsche Politik und die Fridays for Future Aktionen sind. Während die Medien, Politiker (außer AfD) und sonstige Gutmeinende glauben, dass der deutsche Kohle-,Atom-, Dieselausstieg das Klima rettet, wird der Regenwald abgeholzt. Und zwar auch wegen der deutschen und europäischen Umweltpolitik! Aus Regenwald werden Pellets für angeblich CO2 neutrale und geförderte Heizungsanlagen (mit furchtbar schlechten Feinstaub und Stickoxidwerten). Aus den ehemaligen Regenwaldflächen werden Monokulturen für Soja, Zuckerrohr /bioethanol) oder dann Weideland. Und als Krönung feiert dann Frau Merkel ein Freihandelsabkommen, damit noch mehr Regenwald abgeholzt wird, für noch billigere Nahrungs-, Futtermittel oder Bioethanol. Und hier bei uns wird den Leuten suggeriert, sie würden das Klima retten. Völlig bigott! Passt aber zum Zeitgeist.

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