Wissenschaft

Schlimmste Brände seit 2013

Brasiliens Regenwald steht in Flammen

Die Brände im Amazonasbecken sind die schlimmsten seit Jahren, Hunderte Quadratkilometer Tropenwald stehen in Flammen. Die Folgen sind auch in den großen Städten des Landes zu spüren - Tausende Kilometer entfernt.

Foto: REUTERS
Mittwoch, 21.08.2019   12:55 Uhr

In Brasilien wüten derzeit die schlimmsten Waldbrände seit Jahren. Das meldete das Weltraumforschungsinstitut INPE. Demnach wurden in diesem Jahr mehr als 72.000 Brände im Amazonasgebiet registriert - eine Steigerung von 83 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwischen Januar und August wurden seit Beginn der Aufzeichnungen 2013 noch nie so viele Brände gezählt wie in diesem Jahr.

Nach Angaben der Nasa seien die Feuer in der vergangenen Woche noch durchschnittlich verlaufen. Doch am Dienstag haben sich die Flammen laut INPE aber noch einmal kräftig ausgeweitet. Hunderte Quadratkilometer Tropenwald brennen im Amazonasbecken. Seit dem vergangenen Donnerstag wurden mehr als 9.500 neue Brandherde registriert.

Vor allem die Bundesstaaten Roraima und Rondônia sind betroffen. Es brennt aber auch in Mato Grosso und Pará sowie in den Nachbarländern Paraguay und Bolivien. Die Folgen sind auch in Brasiliens großen Städten zu spüren. In São Paulo hat Rauch den Himmel verdunkelt, die Stadt liegt mehr als 2000 Kilometer von den Bränden entfernt. In anderen Orten mussten Flughäfen geschlossen werden, Bewohner klagen über Atemnot. Der Bundesstaat Amazonas hatte bereits den Notstand ausgerufen.

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Waldbrände brechen in der Trockenzeit leichter aus. Zudem werden sie in einigen Regionen derzeit von einer Dürrephase begünstigt. Laut der INPE könne die große Anzahl von Waldbränden aber nicht allein auf die Witterungsverhältnisse zurückgeführt werden.

"Die Trockenzeit schafft günstige Bedingungen für die Nutzung und Ausbreitung von Feuer, aber das Entfachen eines Feuers ist das Werk des Menschen - absichtlich oder aus Versehen", sagte Alberto Setzer, Forscher am INPE. Bauern entzünden Wälder, um illegal Land für die Viehzucht abzuholzen.

Umweltschützer kritisieren, dass die Brände seit dem Amtsantritt des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro im Januar zugenommen hätten. Bolsonaro hatte angekündigt, die Amazonasregion stärker für die Landwirtschaft und den Bergbau zu erschließen. Zudem sollten Schutzgebiete und Reservate der indigenen Bevölkerung für die wirtschaftliche Nutzung freigeben werden.

Mit Blick auf seine eigene, rabiate Umweltpolitik hatte Bolsonaro sich selbst den Spitznamen "Captain Chainsaw", zu Deutsch etwa Käpt'n Kettensäge, gegeben: Allein im Juni wurde etwa 60 Prozent mehr Regenwald gerodet als im gleichen Monat des Vorjahres. Als ihn Reporter nun auf die Feuer ansprachen, sagte er, dass er nun wie Kaiser Nero sei und den Amazonas in Flammen setze. Derzeit sei eben Waldbrand-Saison.

joe/Reuters

insgesamt 35 Beiträge
uk_uk 21.08.2019
1.
Brennt ne Kirche in Paris, gibts tagelang im Stundentakt neue Artikel, Berichte, Fotostrecken und Analysen dazu. Brennt der Amazonas, interessiert es kaum einen und alles was wir bekommen, ist ein Artikelchen.
Brennt ne Kirche in Paris, gibts tagelang im Stundentakt neue Artikel, Berichte, Fotostrecken und Analysen dazu. Brennt der Amazonas, interessiert es kaum einen und alles was wir bekommen, ist ein Artikelchen.
curious75 21.08.2019
2. Kann jemanden bitte diesen Wahnsinnigen stoppen?
Es ist unerträglich was sich auf unserer Erde abspielt. Wie kann man mit unseremheutigen Wissen die Lunge der Erde nur so brutal verstümmeln. Wir müssen diesen Wahnsinn stoppen!!! Mit allen Mitteln!!! Wir sollten brutalste [...]
Es ist unerträglich was sich auf unserer Erde abspielt. Wie kann man mit unseremheutigen Wissen die Lunge der Erde nur so brutal verstümmeln. Wir müssen diesen Wahnsinn stoppen!!! Mit allen Mitteln!!! Wir sollten brutalste Sanktionen gegen Brasilien verhängen bis dieser Wahnsinn aufhört. Danach sollten wir Brasilien die Hand reichen und für den Schutz, Erhalt und Wiederaufforstung des Regenwaldes Kompensation anbieten. Aber stoppt erst diesen Irren!
herr schnitzelmann 21.08.2019
3. Stoppen? Warum?
Man kann der Meinung sein, dass Brasilien seinen Regenwald nicht abholzen darf. Man kann aber auch der Meinung sein, dass es leicht ist, dass von Brasilien zu verlangen, wenn man selber sämtliche eigenen Urwälder bereits [...]
Man kann der Meinung sein, dass Brasilien seinen Regenwald nicht abholzen darf. Man kann aber auch der Meinung sein, dass es leicht ist, dass von Brasilien zu verlangen, wenn man selber sämtliche eigenen Urwälder bereits abgeholzt hat. Ich würde mich nicht auf Brasilien verlassen und lieber selber dafür sorgen, dass der eigene Wald stärker aufgeforstet wird. Da hat man allemal mehr Einfluss drauf, als auf das, was so ein Verrückter in Brasilien anstellt. Und nur so nebenbei, der Flächenfraß kennt hierzulande ja auch kein halten, genauso wenig, wie das mit dem Finger auf Andere zeigen obwohl es jedem schlecht steht, eigene Fehler anderen zu verbieten.
yau_123 21.08.2019
4. @ curious75
Das Problem ist nicht "der Irre" - das Problem ist, dass er von der Mehrheit gewählt wurde. Genauso wie Trump. Wenn es nicht Trump oder Bolsonaro wäre, hätten die Menschen halt einen anderen "Irren" [...]
Das Problem ist nicht "der Irre" - das Problem ist, dass er von der Mehrheit gewählt wurde. Genauso wie Trump. Wenn es nicht Trump oder Bolsonaro wäre, hätten die Menschen halt einen anderen "Irren" gewählt. Genaugenommen ist die Menschheit das Problem, sie zerstört sich und die Umwelt schon seit Tausenden von Jahren. Dafür gibt es zig Beispiele in der Geschichte, bis weit vor die Antike zurückreichend. Allerdings ist durch technischen "Fortschritt" (der von einer anderen Seite aus auch als Rückschritt betrachtet werden könnte) und Globalisierung sowie Bevölkerungswachstem das Ausmaß des zerstörerischen menschlichen Handelns nun so groß - und bald irreversibel, was Klimawandel, Mikroplastik, Landnutzung etc angeht - dass es auch die Spezies Mensch bedrohen wird. Für mich ist das ein kleiner Trost: Die Gewissheit, dass der Mensch nicht noch zig Millionen Jahre existieren wird wie es andere Spezies geschafft haben. Es ist sehr schade um die Natur, Artenvielfalt und Einzigartigkeit dieses Planeten. Aber der Mensch verdient ist, auszusterben. Und die Evolution wird in ein paar 100 Millionen Jahren wieder eine neue, artenreiche und blühende Erde hervorbringen. Die Erde und das Leben wird weiter existieren.
oskar.muster 21.08.2019
5. Sinnlos
Wer hat denn erst vor kurzem mit den netten Südamerikanern, Brasilien an der Spitze, einen Vertrag abgeschlossen, der die Importe von Rindfleisch und Soja fördert? EU-Kommissionspräsident Juncker spricht von einem [...]
Wer hat denn erst vor kurzem mit den netten Südamerikanern, Brasilien an der Spitze, einen Vertrag abgeschlossen, der die Importe von Rindfleisch und Soja fördert? EU-Kommissionspräsident Juncker spricht von einem "historischen Moment". Da hat er wohl recht, aber sicher nicht so wie gedacht. Wer will da von Sanktionen sprechen. Auch in Brasilien ist irgendwann der letzte Baum gefällt, der gesamte Ackerboden tot und der letzte Fluß von Goldsuchern mit Quecksilber vergiftet. Lasst sie doch selbst entscheiden, mit welchem Führer sie vor die Hunde gehen wollen. Wir haben unsere "Spezialisten" ja auch selbst gewählt, die sich in den Enddärmen der Lobbyisten vergnügen und sonst nichts auf die Reihe bringen. Die Angst den Ministersessel zu verlieren, lähmt bekanntlich auch das Hirn. Warum sollte es in Brasilien anders sein. Froh, wer schon über 60 ist und das Ende nicht mehr erleben muss. Egal, ob es von Brasilein ausgeht oder or der eigenen Haustüre.

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