Wissenschaft

Dino-Ära

Der Tag nach dem Einschlag

Vor 66 Millionen Jahren donnerte ein Brocken aus dem All in ein tropisches Meer im heutigen Mexiko. Ein Bohrkern verrät nun, was in den ersten Stunden nach dem Einschlag passierte.

Science Photo Library/ Getty Images

Der Brocken aus dem All löschte 75 Prozent des Lebens aus

Montag, 09.09.2019   19:18 Uhr

Das Ende kam schnell. 15 Minuten nachdem der erste Lichtschock ein T-Rex-Rudel aufgeschreckt hatte, waren die Saurier tot - so wie die allermeisten Tiere, mit denen sie zusammengelebt hatten: So fasst Paläontologe Steve Brusatte die Auswirkungen eines gewaltigen Asteroideneinschlags vor 66 Millionen Jahren zusammen. Laut einer aktuellen Studie könnte sich das Szenario genau so abgespielt haben.

Ein Bohrkern aus dem Einschlagskrater des Asteroiden verrät, was in den ersten Stunden nach dem Ereignis passiert ist, berichten Forscher um Sean Gulick von der Universität Texas (USA) im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Wasser und Feuer

Der Brocken aus dem All mit einem Durchmesser von mehr als zehn Kilometern schlug vor der Küste der mexikanischen Halbinsel Yucatan ein. Nur 24 Stunden später hatte sich am Rand des Kraters eine 130 Meter dicke Schicht aus Staub, Erde und Holzkohle aufgetürmt. Aus einem Abschnitt dieser ringförmigen Hügelketten stammt der nun untersuchte Bohrkern.

Die Forscher analysierten die einzelnen Schichten und konnten so rekonstruieren, was sich in den ersten Stunden nach dem Einschlag ereignet haben muss. Demnach bahnte sich ein Tsunami den Weg Richtung Küste. Die Megawelle könnte bis weit ins Innere der umliegenden Kontinente vorgedrungen sein, glauben die Forscher. Gleichzeitig breiteten sich riesige Feuer aus. Als sich das Wasser zurückzog, riss es die durch die Brände entstandene Holzkohle mit sich und lagerte diese am Rand des Kraters ab.

Besonders ein Detail verblüffte die Forscher: Manches Gestein im Bohrkern enthielt weniger als ein Prozent Schwefel, obwohl das Gestein ursprünglich zu 50 Prozent aus dem Stoff bestand. Die Erklärung der Forscher: Durch den Aufprall müssen Schwefelverbindungen in großen Mengen verdampft und in die Atmosphäre gelangt sein.

Dadurch veränderte sich das Weltklima. Die schwefelhaltigen Aerosole schirmten das Sonnenlicht teilweise ab. Pflanzen gingen ein und mit ihnen auch die Nahrungsgrundlage für viele Tiere. Ganze Nahrungsketten brachen zusammen. Etwa 75 Prozent allen Lebens gingen zugrunde. Das Ende der Dinosaurier war gekommen.

koe/dpa

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