Wissenschaft

Internationale Umfrage

Forscher nennen die größten Rätsel der Erde

Erdbeben, Klimawandel, Vulkanausbrüche: Die Gewalten der Erde sind bis heute in weiten Teilen kaum verstanden. In einer SPIEGEL-ONLINE-Umfrage haben Geoforscher eine Rangliste der größten Geheimnisse des Planeten erstellt - und fordern erstmals öffentlich einen Nobelpreis für ihr Gebiet.

dapd

Die Erde: Geheimnisvoller Planet

Von
Montag, 22.06.2009   10:21 Uhr

Bei der Erforschung der Erde kratzen Wissenschaftler buchstäblich an der Oberfläche. Bohrungen durchstießen lediglich ein Fünfhundertstel der Strecke zum Erdmittelpunkt; Druck und Hitze verhinderten bislang tiefere Vorstöße. Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert der Geoforschung werden, die größten Entdeckungen stehen wohl noch bevor.

SPIEGEL ONLINE hat 753 Wissenschaftler nach den größten Rätseln der Geoforschung befragt. 288 Experten aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA haben geantwortet, welche für sie die wichtigsten unbeantworteten Fragen der Geowissenschaften sind. Die Ergebnisse:

Auf weitere 31 Themen entfielen jeweils unter 3 Prozent der Stimmen.

Wissenschaftler fordern Nobelpreis für Geowissenschaften

Die Gelehrten blicken nicht nur mit Neugierde in die Zukunft: Die Erforschung der Erde würde gegenüber anderen Disziplinen benachteiligt, bemängeln sie. Erstmals fordern renommierte Geoforscher öffentlich die Ausschreibung eines Nobelpreises für Geowissenschaften. Bislang werden Nobelpreise nur für Physik, Chemie, Medizin, Literatur, Frieden und Ökonomie verliehen - eine gleichrangige Auszeichnung für Durchbrüche bei der Erforschung der Erde gibt es nicht. "Ich empfinde das als große Ungerechtigkeit", sagt etwa Marcia Bjørnerud, Geologieprofessorin an der Lawrence University in Appleton (US-Bundesstaat Wisconsin).

"Wir brauchen einen Nobelpreis", meint auch Paul Baker von der Duke University in Durham (US-Bundesstaat North Carolina). "Selbst die Wirtschaftswissenschaftler haben einen." Ein Nobelpreis würde der Geoforschung die Beachtung geben, die sie verdiene, sagte der Geologe Volker Lorenz von der Universität Würzburg. Themen wie Wasserknappheit, Rohstoffe, Umweltschutz oder Naturkatastrophen seien von immenser globaler Bedeutung.

Die Nobel-Stiftung in Stockholm aber weist den Vorstoß der Geoforscher zurück: "Die Direktoren haben entschieden, keine weiteren Nobelpreise zuzulassen", erklärte das Nobel-Komitee auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Einführung des Wirtschaftspreises vor 41 Jahren solle die letzte Ergänzung im Nobel-Sortiment bleiben. Ihn hatte die Bank von Schweden 1968 anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens gestiftet. Es war das bislang einzige Mal, dass den von Alfred Nobel im Jahr 1900 ausgeschriebenen fünf Auszeichnungen eine weitere hinzugefügt wurde.

Fächer mit Nobelpreis wie Chemie und Physik profitieren vom Renommee der Auszeichnung. Nobelpreisträger wurden zu gefragten Botschaftern ihrer Disziplinen, den Geowissenschaften fehlen solche Idole. Die Politik des Komitees hatte bisher zur Folge, dass selbst die größten Durchbrüche beim Verständnis der Erde ohne Anerkennung auf höchster Ebene blieben. Dazu gehören:

"Wie wäre es", fragt Reinhard Hüttl, Vorstandschef des GFZ Potsdam, "wenn wir die Erde wirklich verstünden?" Vor Naturkatastrophen könnte gewarnt werden, Folgen von Umweltveränderungen ließen sich abschätzen, der Bedarf an Energien und Rohstoffen könnte besser bedient werden, Probleme bei Ernährung oder Schadstoff-Entsorgung wären lösbar. Ähnlich äußerte sich Wolfgang Jacoby, Geophysiker an der Universität Mainz: "Mensch und Erde bilden schließlich eine Schicksalsgemeinschaft."

SPIEGEL ONLINE stellt die vier Probleme vor, die Geoforscher heute am meisten bewegen:

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