Wissenschaft

Mikroskop-Fotografie

So sieht man Schmetterlingsflügel sonst nie

Sie sehen aus wie knallbunte Landschaften, Strukturen oder Gemälde: Mithilfe einer Spezialausrüstung zeigt Chris Perani vergrößerte Aufnahmen von Schmetterlingsflügeln und macht kleinste Details sichtbar.

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Dienstag, 23.04.2019   23:18 Uhr

Berührt man einen Schmetterling, bleibt am Finger oft feiner Staub hängen, sogenannter Schmetterlingsstaub. Eigentlich handelt es sich dabei aber um die winzigen, unterschiedlich strukturierten Schuppen, die sich zu Tausenden auf den Oberseiten der Schmetterlingsflügel befinden. Chris Perani macht mit seinen Bildern diese winzigen Formen sichtbar.

Als der Fotograf sich in einem Naturkundemuseum Schmetterlinge unter einem Mikroskop anguckte, war er fasziniert von den unzähligen Details der Flügel: "Viele sehen erst gleich aus, aber sobald man sie vergrößert, erkennt man wie unterschiedlich sie sind."

Sofort bestellte sich Perani bei einem Onlineshop Schmetterlinge. Inspiration, wie man sie vergrößert fotografieren kann, holte er sich bei dem Fotografen Levon Biss, der für seine Porträts von Kleinstlebewesen bekannt ist.

Perani kaufte sich eine ähnliche Ausrüstung wie sein Vorbild, etwa eine elektrische Schiene, auf die er seine Kamera montierte. Diese bewegt sich nach jeder Aufnahme um rund drei Mikrometer, also 0,003 Millimeter. Zum Fotografieren benutzt Perani ein 200-Millimeter-Objektiv, vor das er zusätzlich eine fünf- bis zehnfache Mikroskop-Optik installierte. Dadurch ist allerdings kaum mehr Tiefenschärfe vorhanden.

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Anfangs sei die Arbeit sehr frustrierend gewesen, sagt Perani: "Der kleinste Fehler, ein Staubkorn, die Bewegung des Lichts, konnte Stunden von Arbeit ruinieren." Besonders anspruchsvoll sei außerdem die Beleuchtung seiner Motive, da sie so klein und kontrastreich sind. Monatelang brauchte er, bis er den Prozess perfektioniert hatte.

Jedes Foto besteht aus über 2000 Einzelbelichtungen, die Perani in der Nachbearbeitung mithilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes übereinanderlegt und zu einer einzigen Aufnahme perfekt zusammenfasst und von Staub befreit hat. Auf diese Weise erzielt er Vergrößerungen mit einem enormen Reichtum an Details.

Die winzigen Schuppen, die hauptsächlich aus Chitin bestehen, enthalten Farbpigmente, die die bunt schimmernden Flügelmuster der Schmetterlinge bilden. Ihre Oberfläche ist nie glatt, sondern besitzt feine Rillen, in denen sich das Licht bricht. Durch den Einfallwinkel ergibt sich ein bestimmter Farbeindruck.

Die daraus entstehenden Muster erfüllen verschiedene Funktionen: Sie helfen bei der Tarnung, imitieren andere Tiere oder sind bei der Partnerwahl nützlich. Auch die Form der Schuppen ist für die Schmetterlinge enorm wichtig: Sie sind innen hohl und mit Luft gefüllt, dadurch dienen sie beim Fliegen als Auftrieb.

Mittlerweile hat Perani rund 200 Schmetterlinge fotografiert: vom Atlasspinner bis hin zu einer Madagaskar-Sonnenuntergangs-Motte. Aufhören möchte er mit seinem Projekt noch lange nicht: Bei weltweit rund 180.000 beschrieben Schmetterlingsarten stehen ihm auch noch einige Motive zur Verfügung.

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