Wissenschaft

Ausbreitung von invasiver Spinnenart

Falsche Witwe kommt in Pflanzenkübeln

Zu Hause ist sie auf Madeira und den Kanaren, aber über den Pflanzenhandel gelangt die Falsche Witwe auch zu uns. Vor allem in Kisten mit Kakteen reist die Spinne gern. Gefährlich ist sie zum Glück nicht.

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Falsche Witwe (Archivbild)

Sonntag, 17.02.2019   10:21 Uhr

Wo sie auftaucht, ist die Aufregung oft groß: Denn die Falsche Witwe (Steatoda nobilis) sieht der hochgiftigen Schwarzen Witwe zum Verwechseln ähnlich. Ein Biss der Spinnenart, die sich seit einigen Jahrzehnten in etlichen Ländern der Welt ausbreitet, kann zwar ziemlich schmerzen - etwa wie ein Wespenstich -, wirklich gefährlich wird sie dem Menschen aber nicht.

Nach der Auswertung von Museumsdaten und bestehender Literatur haben Wissenschaftler aus Deutschland und Großbritannien nun herausgefunden, dass die Falsche Witwe wohl nicht wie bisher angenommen in Bananenkisten um die Welt reiste, sondern mit dem Pflanzenhandel verbreitet wurde, vor allem mit Kakteen. Sie berichten von ihrer Untersuchung in der Fachzeitschrift "NeoBiota".

Die Falsche Witwe ist ursprünglich auf der portugiesischen Insel Madeira sowie auf den Kanarischen Inseln heimisch, hat ihren Lebensraum in den vergangenen 100 Jahren allerdings extrem vergrößert, schreiben die Wissenschaftler. So habe sie sich schon vor längerer Zeit in einigen Regionen Westeuropas und des Mittelmeeres angesiedelt. In jüngerer Vergangenheit gelangte sie auch nach Mitteleuropa, Kalifornien und Südamerika.

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Mögliches Ausbreitungsgebiet der Falschen Witwe (Steatoda nobilis)

In Deutschland hätten sich zwei Populationen der Falschen Witwe in Gartencentern niedergelassen, berichtet Tobias Bauer vom Naturkundemuseum in Karlsruhe. "Die Tiere finden es einfach dort angenehm", sagt er. Das liege daran, dass in den Gartencentern ein ähnliches Klima herrscht wie in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Spinne. Mit einer weiteren Ausbreitung der Art rechnet der Forscher hierzulande nicht.

Dort, wo sie geeignete Umweltbedingungen vorfindet, dürfte sich die Art in den kommenden Jahren hingegen rasch ausbreiten, schreiben die Forscher. Am größten sei die Wahrscheinlichkeit auf den westlichen Mittelmeerinseln, in Teilen Südafrikas, im südlichen Australien und in Neuseeland.

Obwohl sie dem Menschen gar nichts Böses kann, sorgt die falsche Witwe immer wieder für viel Aufregung:

Bauer kann solche Vorsichtsmaßnahmen zwar nachvollziehen, betont aber: "Mir ist wichtig, dass man keine Panikmache betreibt. Dass ein Biss weh tut, will ich gar nicht unter den Tisch kehren. Aber es ist ein großer Unterschied zum Biss einer Schwarzen Witwe, der unter Umständen lebensbedrohlich sein kann."

Auch viele andere Spinnen, vor allem aus der Gattung der Kugelspinnen, haben sich über große Teile der Welt ausgebreitet. "Das liegt am internationalen Handel", sagt Bauer. "In Europa werden wir in Zukunft immer mehr Arten aus anderen Teilen der Welt entdecken." Bei den meisten werde man die Ankunft jedoch gar nicht bemerken, weil sie sich nicht dauerhaft ansiedeln.

oka/dpa

insgesamt 19 Beiträge
LJA 17.02.2019
1. Ach herrje...
Es ist nun einmal so, daß sehr viele Leute eine instinktive Angst vor Spinnen haben. (Mich eingeschlossen) Je größer die Spinne desto größer die Angst. Das ist absolut verständlich und sollte auch dem Herrn Naturkundler [...]
Es ist nun einmal so, daß sehr viele Leute eine instinktive Angst vor Spinnen haben. (Mich eingeschlossen) Je größer die Spinne desto größer die Angst. Das ist absolut verständlich und sollte auch dem Herrn Naturkundler bekannt sein. Nebenbei gesagt, gibt es durchaus auch Menschen, für die ein Wespenstich gefährlich werden kann, aufgrund von allergischen Reaktionen. Meistens wissen die Betroffenen nichts davon, bis es mal passiert.
Thorkh@n 17.02.2019
2. Nun ja, ...
... ich greife in einen Berg schmutziger Wäsche, um sie in die Waschmaschine zu stopfen, und plötzlich beißt mich so ein Spinnchen. Keine angenehme Vorstellung. Gegen Wespenstiche hilft Zwiebel gut, was lindert denn bei Bissen [...]
... ich greife in einen Berg schmutziger Wäsche, um sie in die Waschmaschine zu stopfen, und plötzlich beißt mich so ein Spinnchen. Keine angenehme Vorstellung. Gegen Wespenstiche hilft Zwiebel gut, was lindert denn bei Bissen der Falschen SW?
permissiveactionlink 17.02.2019
3. Wirklich ?
Keine Panik ! Steatoda nobilis sei "der hochgiftigen Schwarzen Witwe zum Verwechseln ähnlich". Um ehrlich zu sein : Selbst extrem fehlsichtige Laien dürften Steatoda nobilis eher selten mit einem hochgiftigen [...]
Keine Panik ! Steatoda nobilis sei "der hochgiftigen Schwarzen Witwe zum Verwechseln ähnlich". Um ehrlich zu sein : Selbst extrem fehlsichtige Laien dürften Steatoda nobilis eher selten mit einem hochgiftigen weiblichen Exemplar einer Latrodectus tredecimguttatus oder L. mactans verwechseln. Um das fertigzubringen, sollte man zwei dicke Exemplare von Solanum lycopersicum ("Paradeiser") auf den Augen platzieren. Echte Witwen sind tiefschwarz gefärbt und besitzen auffällige rote Flecken auf der Oberseite des Abdomens. Sollten diese Arten eines Tages durch den Klimawandel hier heimisch werden, konnen wir dann immer noch in Hysterie ausbrechen. Bis dahin sei festgestellt, dass der Biss einer heimischen Ammen-Dornfingerspinne (Cheiracanthium punctorium, Eutichuridae) mindestens genau so Schmerzen verursacht, wie der einer Steatoda nobilis.
frenchie3 17.02.2019
4. In viele Länder müssen Holzpaletten
und Kisten gegen Schädlinge begast werden. Wäre kein großer Aufwand Pflanzensendungen einer ähnlichen Prozedur zu unterwerfen
und Kisten gegen Schädlinge begast werden. Wäre kein großer Aufwand Pflanzensendungen einer ähnlichen Prozedur zu unterwerfen
Little_Nemo 17.02.2019
5. Kleine und große Gefahren, ganz individuell empfunden
Naja, gerade hingezogen fühle ich mich zu Spinnen jetzt auch nicht und ziehe es ebenfalls vor sie nicht in der Wohnung zu haben, selbst wenn sie ungiftig sind. Wenn ich aber mal rekapituliere wieviel Körperkontakt ich in [...]
Zitat von LJAEs ist nun einmal so, daß sehr viele Leute eine instinktive Angst vor Spinnen haben. (Mich eingeschlossen) Je größer die Spinne desto größer die Angst. Das ist absolut verständlich und sollte auch dem Herrn Naturkundler bekannt sein. Nebenbei gesagt, gibt es durchaus auch Menschen, für die ein Wespenstich gefährlich werden kann, aufgrund von allergischen Reaktionen. Meistens wissen die Betroffenen nichts davon, bis es mal passiert.
Naja, gerade hingezogen fühle ich mich zu Spinnen jetzt auch nicht und ziehe es ebenfalls vor sie nicht in der Wohnung zu haben, selbst wenn sie ungiftig sind. Wenn ich aber mal rekapituliere wieviel Körperkontakt ich in meinem Leben bisher mit Spinnen jeglicher Art hatte, sehe ich das doch eher entspannt. Es ist ja nicht so, dass man auf diese vergleichsweise giftigen Arten täglich und überall trifft und dass sie einen aktiv angehen, wie es Wespen mitunter tun. Eine wesentlich größere Bedrohung sehe ich, auch, aber nicht nur als ein von einer chronischen Atemwegserkrankung Betroffener, in Feinstaub und Stickoxiden, bei denen aber viele Zeitgenossen bemüht sind die Gefahr, entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse, herunterzuspielen und von "Panikmache" zu sprechen. Mutmaßlich aus eigennützigen und wirtschaftlichen Interessen. Auch von diesen Bedrohungen wissen die Betroffenen meistens nichts bevor es passiert ist. Und dann sehen sie sich auch noch groß angelegten Vertuschungs- und Verleumdungskampagnen gegenüber.

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