Wissenschaft

Streit um Millionenfund

Spanier durchsuchen US-Schatzbergungsschiff

Mit aller Härte gehen die spanischen Behörden gegen US-amerikanische Tiefseeforscher vor, die einen Millionenschatz geborgen haben: Das Bergungsschiff wurde in einer spektakulären Aktion in der Nähe Gibraltars aufgebracht. Besatzung und Journalisten von SPIEGEL TV und des SPIEGEL wurden festgesetzt.

Mittwoch, 17.10.2007   13:02 Uhr

Dramatische Szenen vor der spanischen Küste: Eine Fregatte der spanischen Marine und ein Schnellboot der Guardia Civil zwang gestern das Bergungsschiff "Odyssey Explorer" vor der britischen Kronkolonie Gibraltar in den Hafen von Algeciras. Dann kamen die Beamten an Bord, setzen Besatzung und Journalisten fest.

SPIEGEL-TV-Reporter Andreas Dieste ist immer noch empört über das Vorgehen der spanischen Behörden: "Wir wurden auf Deck unter Bewachung gestellt, ohne jede Begründung was gerade passiert." Die internationale Journalistenschar, die sich über einen spektakulären Schatzfund informieren wollte, wurde beschimpft und herumgeschubst, Kassetten wurden aus Kameras gerissen, Handy-Speicherkarten eingesammelt. "Einen solchen Umgang mit der Pressefreiheit habe ich noch nie erlebt", sagt Dieste, "das war alles Willkür."

Ein spanischer Ermittlungsrichter hatte eine Durchsuchung des Schiffs angeordnet - zum Unverständnis von Greg Stemm, Vize-Chef des Unternehmens: "Wir hatten wiederholt spanische Offizielle eingeladen, die Explorer vor dem Ablegen zu inspizieren - sie hatten entschieden, es nicht zu tun."

Die Meldung über die Entdeckung hatte schon im Mai weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Rund 500.000 Silber- und Goldmünzen im geschätzten Wert von 370 Millionen Euro hatte das US-Spezialunternehmen Odyssey Marine Exploration aus einem gesunkenen Schiffswrack geborgen. Die Firma wollte den genauen Fundort jedoch nicht nennen, was vor allem in Spanien äußerst misstrauisch aufgenommen wurde. Das Land fühlt sich betrogen - und die Durchsuchung des Bergungsschiffes, das den Schatz schon längst nicht mehr an Bord hat, war wohl eine der Vergeltungsmaßnahmen.

Wo lag das Schatz-Wrack wirklich?

Der Streit um den Millionenschatz, den die amerikanischen Tiefseeforscher nach eigenen Aussagen im Atlantik entdeckt haben, schwelt schon seit langem. Der spanische Staat und Odyssey Marine Exploration streiten seit geraumer Zeit um den Millionenschatz. Das Kulturministerium in Madrid ist überzeugt, dass der Schatz aus einem zur Kolonialzeit gesunkenen spanischen Handelsschiff stammt und erhebt deshalb Anspruch auf den Fund. Es wirft den Amerikanern Plünderung spanischen Kulturbesitzes vor. Odyssey weist die Vorwürfe zurück und beharrt darauf, dass sich das Schiffswrack außerhalb spanischen Territoriums befunden hatte. Den genauen Fundort aber will das Unternehmen nicht preisgeben.

Herkunft des Schatzes unklar

Über die Herkunft des Schatzes war viel spekuliert worden: Die britische Zeitung "Daily Mail" hatte gemutmaßt, Odyssey Marine Exploration habe den Schatz der "Merchant Royal" gestohlen, um Ansprüchen Großbritanniens aus dem Weg zu gehen. Das Schiff war 1641, prall gefüllt mit Kriegsbeute, auf dem Weg von Spanien nach Belgien gesunken. Wo genau das Wrack liegt, weiß bislang niemand.

Andere Experten vermuten, der Schatz könne von der "HMS Sussex" stammen, die 1694 in der Straße von Gibraltar gesunken war - mit möglicherweise neun Tonnen Gold an Bord. Odyssey hatte auf die Vorwürfe hin erklärt, dass die Münzen keinesfalls zur "Sussex" gehörten, nach deren Wrack das Unternehmen gesucht hatte. Das Schiff, auf dem man den Schatz gefunden hätte, sei nicht in der Nähe jener Stelle gefunden worden, wo man die "Sussex" vermute.

"Wir sind sicher, dass die spanische Regierung sich sehr wohl bewusst darüber ist, dass sich das Schiffwrack nicht in spanischen Gewässern befand und dass über die Verteilung der Münzen nun das US-Bundesgericht entscheiden muss - wir wissen also nicht, was die Durchsuchung der Explorer erreichen soll", sagte Stemm.

SPIEGEL TV sendet am kommenden Sonntag einen ausführlichen Bericht über den Schatzfund (21. Oktober, 22.15 - 23.00 Uhr, RTL).

lub/cis/dpa/AP

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