Wissenschaft

Feuerlöschsystem der Boeing 787

Piloten beklagen Probleme beim Dreamliner

Neue Unruhe bei Boeing: Piloten kritisieren, dass der Flugzeugbauer sich nicht genug um eine Schwachstelle an seinem Modell 787 Dreamliner kümmert. Pikant: Es geht um ein Feuerlöschsystem.

REUTERS / Pascal Rossignol

Boeing 787 Dreamliner von Air Tahiti Nui auf der Pariser Luftfahrtausstellung in Le Bourget

Sonntag, 16.06.2019   21:07 Uhr

Wegen Problemen mit seinem Modell 737 Max steht Flugzeugbauer Boeing derzeit weltweit in den Schlagzeilen. Die Jets dürfen nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Todesopfern derzeit nicht fliegen, der Hersteller muss erst das MCAS-System nachbessern. Das hatte eigentlich für bessere Flugeigenschaften der Maschine sorgen sollen, spielte aber bei den Unglücken eine entscheidende Rolle.

Nun rückt ein weiteres Modell, der Boeing 787 Dreamliner, in den Blickpunkt. Grund sind Beschwerden von Piloten, über die britische Zeitungen berichten. Sie stehen im Zusammenhang mit einem Feuerlöschsystem. Dessen Schwachstellen waren bereits im Februar unter Fachleuten bekannt geworden. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA hatte damals eine sogenannte Airworthiness Directive erlassen. In der Anweisung werden Fluggesellschaften mit Flugzeugen dieses Typs in ihrer Flotte dazu aufgefordert, alle 30 Tage das betroffene System gezielt zu prüfen.

Schwachstelle ist ein Schalter im Cockpit, mit dem sich eigentlich das Feuerlöschsystem aktivieren lassen soll, das mögliche Brände in den Triebwerken stoppt. Andauernde Wärmeeinwirkung kann aber offenbar dafür sorgen, dass sich der Schalter nicht mehr bewegen lässt. Das Feuerlöschsystem könnte im Brandfall somit nicht aktiviert werden.

Drei Stunden mit Feuer unterwegs

Der Schalter ist außerdem dafür verantwortlich, dass die Leitungen für Kraftstoff und Hydraulikflüssigkeit zu den betroffenen Triebwerken geschlossen werden, damit sich die Flammen nicht weiter ausbreiten. Auch diese Funktion könnte er unter Umständen nicht mehr erfüllen. Die FAA warnt in ihrer Anweisung vor der Möglichkeit eines "unkontrollierbaren" Brandes.

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Eine dauerhafte Lösung des Problems steht noch immer aus - und das bereitet manchen Piloten offenbar Sorgen: "Wenn es auf einem Transatlantikflug ein Feuer gäbe und das Flugzeug einen der defekten Schalter hätte, müssten wir drei Stunden lang mit einem brennenden Flügel fliegen, bevor wir sicher landen könnten", beklagte sich ein britischer Pilot beim "Observer". Er sei - wie andere Kollegen - angesichts von Boeings Einstellung sauer, vor allem, wenn man an die Probleme mit der 737 Max denke.

In Bezug auf die Schalter-Probleme beim Dreamliner hat Boeing erklärt, weniger als ein Prozent aller derartigen Schalter seien betroffen. Und ein Feuer in einem der Triebwerke habe sich überhaupt noch nicht ereignet.

Produktion zuletzt erhöht

Der Dreamliner galt bisher - trotz Problemen beim Start des Programms, die im Jahr 2013 durch brennende Batterien verursacht wurden - als Erfolgsmodell für Boeing. Die Firma hat in diesem Jahr die Produktionszahlen von 12 auf 14 pro Monat erhöht. Kritiker beklagten laut dem Bericht allerdings, dass die höhere Produktionsgeschwindigkeit auf Kosten der Sicherheit gehe. Im April hatte es bereits aus dem Boeing-Werk in South Carolina Hinweise auf Qualitätsprobleme im Herstellungsprozess gegeben.

Wann die 737 Max wieder fliegen darf, ist auch noch nicht klar. Die US-Flugaufsicht geht allerdings nach eigenem Bekunden davon aus, dass dies zumindest noch in diesem Jahr der Fall sein dürfte. Überführungsflüge ohne Passagiere sind dabei unter bestimmten Bedingungen auch jetzt schon erlaubt. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat allerdings vor einigen Tagen eindrücklich klargemacht, dass sie die Maschine im deutschen Luftraum auch unter solchen Bedingungen nicht sehen will.

Die Fluggesellschaft Norwegian hatten einen ihrer abgestellten Jets vom Flughafen Malaga nach Stockholm bringen wollen. Die DFS hatte der Besatzung den Eintritt in den deutschen Luftraum jedoch untersagt. Die Crew musste schließlich den französischen Airport Châlons Vatry ansteuern. Dort steht die 737 Max nun einstweilen.

chs

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