Wissenschaft

Treibhausgas

Forscher wandeln Kohlendioxid wieder in Kohle um

Wenn Kohle verbrennt, entsteht Kohlendioxid. Nun ist es Forschern erstmals gelungen, den Vorgang bei Raumtemperatur wieder rückgängig zu machen. Ihre Technik könnte beim Klimaschutz helfen.

imago/Rainer Weisflog

Kohle

Mittwoch, 27.02.2019   15:10 Uhr

Mithilfe von flüssigen Metallen als Katalysator haben Forscher aus Kohlendioxid (CO2) Kohle hergestellt.

Damit binden sie das Treibhausgas in einem Feststoff. Der Versuch lief bei Raumtemperatur ab und könnte somit künftig helfen, der Atmosphäre entzogenes CO2 in großem Umfang zu lagern.

Um sicherzustellen, dass sich die Erde bis zum Jahr 2050 höchstens um 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt, müssen laut dem Weltklimarat IPCC nicht nur Emissionen eingespart, sondern der Atmosphäre muss auch aktiv CO2 entzogen werden. Kürzlich hat in Großbritannien die erste industrielle Anlage begonnen, Kohlendioxid aus der Luft zu ziehen. Die große Frage ist aber vor allem, wie der Stoff anschließend gelagert werden soll.

Mit bisherigen Technologien ist es möglich, CO2 zu komprimieren und in eine Flüssigkeit umzuwandeln. Anschließend könnte es dann unterirdisch verwahrt werden. In der Praxis wird das bislang allerdings nicht umgesetzt, weil es teuer ist, weil es technische Hürden und Umweltbedenken gibt. CO2 bei Raumtemperatur in Kohle umzuwandeln, ist dagegen ein neuer Ansatz.

"Wir können zwar die Zeit nicht zurückdrehen", sagt Torben Daeneke von der RMIT University im australischen Melbourne. "Aber CO2 in Kohle zurückzuverwandeln und im Boden zu vergraben, ist ein bisschen, als würde man Emissionen ungeschehen machen."

Abfallprodukte nützlich für Superkondensatoren

Gemeinsam mit Erstautorin Dorna Esrafilzadeh und Kollegen hat er einen flüssigen Metall-Katalysator entwickelt, der Elektrizität sehr gut leitet und das CO2 dabei chemisch umwandelt. Die Forscher lösen das CO2 dazu in einer Elektrolytlösung, die mit einer kleinen Menge flüssigem Metall vermischt wird. Dann geben sie Strom auf die Flüssigkeit.

Das CO2 entwickelt sich bei dem Verfahren langsam zu Flocken aus Kohlenstoff (C), die sich vom flüssigen Metall an der Oberfläche lösen. So könne kontinuierlich neues CO2 in festen Kohlenstoff umgewandelt werden, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications". Bislang war das nur bei extrem hohen Temperaturen möglich und damit für eine industrielle Anwendung ungünstig.

Esrafilzadeh arbeitet auch an Konzepten, wie sich die Abfallprodukte aus der Reaktion nutzen ließen. Statt ihn vollständig unter der Erdoberfläche zu vergraben, könne der Kohlenstoff etwa als Elektrode verwendet werden.

"Ein Nebeneffekt der Reaktion ist, dass der Kohlenstoff elektrische Ladung speichern kann. Als Superkondensator könnte er sich künftig etwa als Bauteil von Elektroautos eigenen", erklärt die Forscherin. Außerdem entstehe bei der Reaktion synthetischer Treibstoff, der industriell genutzt werden könne.

"Mit dem flüssigen Metall als Katalysator haben wir gezeigt, dass es möglich ist, CO2 bei Raumtemperatur zurück in Kohle zu überführen. Die Reaktion ist sehr effizient und funktioniert auch bei großen Mengen", sagt Torben Daeneke. Um die Technik industriell anwenden zu können, sei trotzdem noch Forschung nötig.

jme

insgesamt 249 Beiträge
Augustusrex 27.02.2019
1. Flüssiges Metall
und Raumtemperatur? Wie geht das, außer bei Quecksilber?
und Raumtemperatur? Wie geht das, außer bei Quecksilber?
mailo 27.02.2019
2. hmmm
Da bin ich mal gespannt was da dran ist. Flüssige Metalle? Was ist das? Quecksilber?
Da bin ich mal gespannt was da dran ist. Flüssige Metalle? Was ist das? Quecksilber?
frenchie3 27.02.2019
3. Klingt futuristisch
Jetzt warte ich msl auf die Kommentare die ausrechnen daß es gar nicht genügend flüssige Metalle gibt oder die Umwelt nur noch mehr versaut wird. Das wird unterhaltsam
Jetzt warte ich msl auf die Kommentare die ausrechnen daß es gar nicht genügend flüssige Metalle gibt oder die Umwelt nur noch mehr versaut wird. Das wird unterhaltsam
doke969 27.02.2019
4. Ups!
Tja, schön geschrieben aber am Thema vorbei. CO2 wird nicht zu Kohle gewandelt, sondern es muss prinzipbedingt mit großen Energieaufwand in C und molekularen Sauerstoff O2 gespalten werden. Das machen die Pflanzen. Die [...]
Tja, schön geschrieben aber am Thema vorbei. CO2 wird nicht zu Kohle gewandelt, sondern es muss prinzipbedingt mit großen Energieaufwand in C und molekularen Sauerstoff O2 gespalten werden. Das machen die Pflanzen. Die benötigte Energie ist natürlich etwa so groß wie die, die man vorher beim Verbrennen von C zu CO2 gewonnen hat. Ok, natürlich kann man das Klimaproblem so abmildern, aber die benötigte Energie ist eben enorm.
Freier.Buerger 27.02.2019
5.
Ich war und bin immer überzeugt, dass uns irgendwas cooles einfällt, um unseren angenehmen Lebenstil beizubehalten und ausbauen zu können. Wenn Verzicht zu Rettung der Welt notwendig wäre, dann wäre auch eine Weltrettung [...]
Ich war und bin immer überzeugt, dass uns irgendwas cooles einfällt, um unseren angenehmen Lebenstil beizubehalten und ausbauen zu können. Wenn Verzicht zu Rettung der Welt notwendig wäre, dann wäre auch eine Weltrettung unnötig.
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