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Paris

Darum breiteten sich die Flammen in Notre-Dame so schnell aus

Ausgangspunkt für das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame war der Dachboden. Von dort breiteten sich die Flammen rasend schnell aus. Woran lag das?

Thibault Camus/ AP

Notre-Dame in Flammen: Gebälk aus Eichenholz, Dach aus Blei

Dienstag, 16.04.2019   14:53 Uhr

Das Unglück begann um 18.50 Uhr am Montag. Auf dem Dachboden der Pariser Kirche Notre-Dame loderten die ersten Flammen. Das Feuer breitete sich innerhalb weniger Minuten großflächig aus. 400 Feuerwehrleute waren in der Nacht stundenlang im Einsatz, bis sie den Brand unter Kontrolle bringen konnten.

Was den Brand ausgelöst hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Das Dach der gotischen Kathedrale war zuletzt für Reinigungsarbeiten eingerüstet. Nach allem, was bislang bekannt ist, scheint das Feuer von einem Gerüst ausgegangen zu sein. Die Untersuchungen dazu laufen noch. Erklären lässt sich aber bereits, warum sich das Feuer so schnell ausbreitete.

Ein entscheidender Grund sind die Materialien, aus denen verschiedene Teile der Kirche gebaut sind, berichtet der "Business Insider". Betritt man Notre-Dame, sieht man ein Gewölbe aus Stein und würde nicht auf die Idee kommen, dass es dort leicht brennt. Oberhalb der Decke sieht es jedoch ganz anders aus: In einem Zwischenraum zum Dach sind 1300 Eichenbäume verbaut. Die Franzosen bezeichnen diesen Teil von Notre-Dame als "forêt", also als Wald.

Foto: French Fire Brigades

Dachkonstruktion aus Holz und Blei

Auf diesem Holzgerüst liegt das mehr als hundert Meter lange Dach der Kathedrale aus 210 Tonnen Blei. Blei schmilzt bereits bei Temperaturen von gut 300 Grad.

Die Kombination aus Holz und Blei bot dem Feuer immer neues Futter, die Flammen griffen rasant um sich. Nur eine Stunde nachdem der Brand ausgebrochen war, fiel der Spitzturm der Kathedrale den Flammen zum Opfer. Das Dach wurde weitgehend zerstört. Erhalten blieben aber die beiden charakteristischen Glockentürme.

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Feuer in Notre-Dame: Der Kampf gegen die Flammen

"Gebäude aus dem Mittelalter sind meist so aufgebaut, dass das Feuer vom Dach nicht so leicht auf das restliche Gebäude überspringen kann", sagte Lisa Reilly von der University of Virginia der Seite "Citylab". "Im Mittelalter dachte man, dass man Steingewölbe nutzen könne, um das Feuer aufzuhalten."

Auch die Glockentürme von Notre-Dame bestehen aus Stein. Als schnelles Futter für das Feuer kamen sie daher nicht infrage. Letztlich sorgte jedoch die Feuerwehr durch ihr schnelles Eingreifen dafür, dass der Schaden an der Kathedrale nicht noch größer ist.

jme

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