Wissenschaft

Photovoltaik

Zweite Chance für Solarzellen "made in Germany"

Nach schwachen Jahren rechnet die Solarbranche in Deutschland wieder mit Zuwachs. Die Stromerzeugung ist dank vieler Sonnenstunden hoch. Selbst eine Rückkehr der Fertigung von Solarzellen hält ein Experte für möglich.

Jan Woitas/ DPA

Ein Roboter der Heckert Solar GmbH arbeitet an der Lötstation einer Fertigungslinie für Solarmodule

Dienstag, 13.08.2019   14:28 Uhr

Für die Solarenergie in Deutschland ist 2019 bislang ein gutes Jahr. Photovoltaikanlagen speisten im ersten Halbjahr rund 25 Terawattstunden in das öffentliche Stromnetz ein, 5,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und fast so viel wie die Steinkohlekraftwerke in Deutschland. Im besonders sonnenreichen Juni war die Photovoltaik sogar erstmals die stärkste Energiequelle in einem einzelnen Monat, noch vor der Braunkohle und der Windkraft, wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ermittelt hat.

Auch bei Anschluss neuer Solaranlagen geht es wieder bergauf. Von Januar bis Mai sind rund 40.000 Solaranlagen mit zusammen etwa 1800 Megawatt Spitzenleistung neu installiert worden. Das ist zwar noch weit vom Spitzenjahr 2012 entfernt, als insgesamt fast 8000 Megawatt neu ans Netz gegangen waren. Aber den drastischen Einbruch der vergangenen Jahre hat die Branche nach Einschätzung des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) überwunden. Bis zu 4000 Megawatt Leistung könnten in diesem Jahr insgesamt dazukommen, schätzt der Branchenverband.

Ohne einen verstärkten Ausbau der Solarenergie, darin sind sich viele Fachleute einig, wird Deutschland die selbst gesetzten Klimaziele verfehlen. "Wir bekommen durch die Klimabewegung einen massiven Druck, mehr Photovoltaik zu installieren", sagt der Leiter des Fraunhofer-Instituts, Andreas Bett. Erforderlich sei ein jährlicher Zubau von 5 bis 15 Gigawatt. Aktuell sind in Deutschland knapp 48 Gigawatt Solarleistung installiert. "Der Markt ist da, und er wird weiter wachsen", so der Wissenschaftler. Die Solarbranche verweist auf die stark gesunkenen Kosten für Anlagen auf Dächern und Freiflächen.

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Das zeigen auch die gemeinsamen Auktionen bei der Ökostrom-Förderung für Sonnen- und Windenergie. In den bislang drei Runden kamen nur Solaranlagen zum Zuge. Bei der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur in diesem Frühjahr ging sogar kein einziges Gebot für eine Windenergieanlage bei der Bundesnetzagentur ein. (Lesen Sie hier eine Analyse zu den Steuerungsfehlern der Regierung bei der Windkraft.)

Seit im vergangenen September die Produktion im letzten Werk des einstigen Vorzeigeunternehmens Solarworld eingestellt wurde, gibt es keinen größeren deutschen Hersteller von Solarzellen mehr, allerdings durchaus noch kleinere Anbieter. Dabei war Deutschland in den Jahren 2005 bis 2008 führend bei der Produktion von Solarzellen. Die Hersteller hätten aber nicht gezielt in den schnellen Aufbau der Silizium-Photovoltaik investiert, "wie das die chinesischen Produzenten gemacht haben", sagt Bett.

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Er sieht aber Chancen, in Deutschland wieder Solarzellen in größerem Stil zu produzieren. Forschung und Entwicklung seien noch auf hohem Niveau. "Es muss aber jetzt die Produktion aufgebaut werden." Einen Kostennachteil sieht Bett für eine heimische Produktion nicht. "Die Produktionskosten wären in Deutschland nicht höher als in China, weil die Herstellung stark automatisiert ist."

Der wachsende Anteil der Transportkosten am Gesamtpreis für PV-Module aus Asien spreche zudem für eine Fertigung in Deutschland. Der Aufbau von Produktionskapazitäten in Europa werde aber nur gelingen, "wenn die Politik für faire Wettbewerbsbedingungen sorgt". Aussichtsreich sei dabei vor allem die Produktion hocheffizienter Solarmodule, die unter anderem an Gebäuden oder Lärmschutzwänden installiert werden könnten.

Claus Haffert, dpa/chs

insgesamt 33 Beiträge
thorsten.brandt.et 13.08.2019
1. solarzellenhersteller
Es gibt derzeit keinen Hersteller von Solarzellen in Deutschland. Da muss man ggf. schon weiter schauen - nach Iralien, um zumindest noch eine kleine Produktion von HJT Zellen zu finden. In D wird derzeit eine Produktion [...]
Es gibt derzeit keinen Hersteller von Solarzellen in Deutschland. Da muss man ggf. schon weiter schauen - nach Iralien, um zumindest noch eine kleine Produktion von HJT Zellen zu finden. In D wird derzeit eine Produktion von Tandem-Zellen (HJT von Meyer Burger mit Perrovskit-Layer von Oxford PV) aufgebaut im ehemaligen Bosch CISTech-Standorf in Brandenburg - diese Zellen können wohl 27% Wirkungsgrad derzeit erreichen und zielen auf 30+% ab ... Damit sollten dann imho auch in D Gestehungskosten von 2-3 cent/kwh möglich sein. Man sollte sich fragen, ob man nicht interessiert ist, dass Anlagenhersteller wie Meyer BUrger / Oxford PV mit interessierten Herstellern ud private equity hier Produktion aufbauen - indem man ggf. entsprechend Förderung 30-50% für den wegweisenden Ansatz HJT + Perovskit zur Verfügung stellt. Für eine 5GW-Produktion wären ca. 200mio € pro GW an Capex notwendig - also insgesamt nur 1mrd - also 300-500mio an Fördernung für eine Produktion, die im Endeffekt den notwendigen Ausbau an PV in D zu 50-100% abdeckt - wie mir scheint ein geringer Preis verglichen mit anderen Förderrpojekten (bspw. im Batteriebereich)
peterpeterweise 13.08.2019
2. Produktion ohne Abnehmer ist kein Erfolg
Schon jetzt sind in Spitzenzeiten keine Abnehmer für die zufällig anfallenden Stromspitzen vorhanden. Der Strom muss dann mit Subventionen teuer entsorgt werden. Erst sollte eine wirtschaftlich sinnvolle Speichertechnologie [...]
Schon jetzt sind in Spitzenzeiten keine Abnehmer für die zufällig anfallenden Stromspitzen vorhanden. Der Strom muss dann mit Subventionen teuer entsorgt werden. Erst sollte eine wirtschaftlich sinnvolle Speichertechnologie entwickelt und bereitgestellt werden, bevor wir wieder Milliardenkosten an windige Solarbarone zahlen müssen, ohne dass nachhaltiger Nutzen für Umwelt und Zukunftstechnologie dabei entstehen.
karl-felix 13.08.2019
3. Ich
denke, solange die Politik mit solch törichten , kontraproduktiven Einfällen wie der PV Deckelung aus dem Jahre 2012 glänzt, wird das nichts . Die EE-Gegner sitzen in der Regierung und verkaufen den Bürger für dumm. Gut 80% [...]
denke, solange die Politik mit solch törichten , kontraproduktiven Einfällen wie der PV Deckelung aus dem Jahre 2012 glänzt, wird das nichts . Die EE-Gegner sitzen in der Regierung und verkaufen den Bürger für dumm. Gut 80% der Bürger wollen mehr Strom aus PV , die Regierung aber deckelt bei 52 GW . Wählt sie ab .
penie 13.08.2019
4. Der Maximalbedarf Deutschlands beträgt ca. 80 Gigawatt ...
... und wird derzeit schon von Photovoltaik und Windkraft zusammen überschritten. Was soll also ein "Zubau" von 5 bis 15 GW, außer die Taschen der Betreiber zu füllen. Mit Ausgleichszahlungen für wg. Überkapazität [...]
... und wird derzeit schon von Photovoltaik und Windkraft zusammen überschritten. Was soll also ein "Zubau" von 5 bis 15 GW, außer die Taschen der Betreiber zu füllen. Mit Ausgleichszahlungen für wg. Überkapazität nicht ins Netz einspeisbaren Strom.
karl-felix 13.08.2019
5. Das
1)ist unsinnig. Der Anteil des Solarstromes beträgt gut 7% .Da muss gar nichts entsorgt werden denn die Höchstleistung liegt nur in den Mittagsstunden an . Gerade dann aber wird der Spitzenlaststrom auch gebraucht. 2) [...]
Zitat von peterpeterweiseSchon jetzt sind in Spitzenzeiten keine Abnehmer für die zufällig anfallenden Stromspitzen vorhanden. Der Strom muss dann mit Subventionen teuer entsorgt werden. Erst sollte eine wirtschaftlich sinnvolle Speichertechnologie entwickelt und bereitgestellt werden, bevor wir wieder Milliardenkosten an windige Solarbarone zahlen müssen, ohne dass nachhaltiger Nutzen für Umwelt und Zukunftstechnologie dabei entstehen.
1)ist unsinnig. Der Anteil des Solarstromes beträgt gut 7% .Da muss gar nichts entsorgt werden denn die Höchstleistung liegt nur in den Mittagsstunden an . Gerade dann aber wird der Spitzenlaststrom auch gebraucht. 2) Das ist noch unsinniger. Ein einziges mal, am 6.5.2018 mittags um 13 Uhr erreichte die PV-Leistung in der Spitze 50% des Bedarfes. Die restlichen 50% mussten von anderen Kraftwerke erzeugt und zum Verbraucher transportiert werden . Fotovoltaik macht also in der Spitze nur den Speicherkraftwerken Konkurrenz und senkt so massiv die Strompreise. 3) Das ist am unsinnigsten . Unsere vorhandenen Speicher sind nicht ausgelastet, zu teuer . Speichern kostet immer Energie und Geld. Wer Solarstrom zum Eigenverbrauch speichern will, kann das bereits jetzt machen . Zehntausende Akku-Speicher stehen in den Kellern . 4)Fotovoltaik ist momentan in Deutschland die preiswerteste Art der Stromerzeugung . Ihre polemische Wortwahl dekouvriert .
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