Wissenschaft

Steuerungssystem MCAS

Boeing wusste seit 2017 von Problem bei Unglücksflieger 737 Max

Schon ein Jahr vor dem Absturz einer Boeing-Maschine vom Typ 737 Max in Indonesien war dem Unternehmen bekannt, dass ein Warnsystem nicht richtig funktionierte. Der US-Luftfahrtbehörde wurde das zunächst nicht mitgeteilt.

Mike Blake/REUTERS

Southwest-Airlines-Flugzeuge vom Typ Boeing 737 MAX 8 sind auf dem Flughafen von Victorville in Kalifornien geparkt

Montag, 06.05.2019   09:21 Uhr

Das US-Luftfahrtunternehmen Boeing wusste bereits rund ein Jahr vor dem ersten Absturz einer 737-Max-Maschine von einem Softwareproblem der Modellreihe. Der Konzern räumte am Sonntag ein, bereits einige Monate nach Auslieferungsbeginn der 737 Max im Mai 2017 festgestellt zu haben, dass ein Warnsystem in den Cockpits nicht richtig funktionierte. Boeing habe daraufhin zunächst eine interne Untersuchung gestartet, die zu dem Schluss gekommen sei, dass keine Beeinträchtigung der Flugsicherheit vorliege.

Boeings obere Führungsebene sei in diese Untersuchung nicht involviert gewesen und erst nach dem ersten Absturz einer 737-Max-Maschine in Indonesien am 29. Oktober 2018 auf das Problem aufmerksam geworden.

Auch die US-Luftfahrtbehörde FAA sei erst rund eine Woche nach diesem Unglück darüber informiert worden. Im Dezember sei eine weitere Untersuchung durchgeführt worden, die ebenfalls ergeben habe, dass das Problem kein Sicherheitsrisiko darstelle, heißt es in der Boeing-Mitteilung.

Am 10. März war es zu einem zweiten Absturz einer 737 Max in Äthiopien gekommen. Insgesamt starben bei den beiden Unglücken 346 Menschen.

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In beiden Fällen steht das speziell für die Boeing 737 Max entwickelte Stabilisierungssystem MCAS ("Maneuvering Characteristics Augmentation System") im Verdacht, eine verheerende Rolle gespielt zu haben. Eigentlich soll es Strömungsabrisse verhindern. Doch das System drückt die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten, auch wenn die Piloten gegensteuern.

Das Warnsystem, von dessen Problem Boeing seit 2017 wusste, sollte darauf aufmerksam machen, wenn zwei sogenannte AOA-Sensoren ("Angle of Attack") widersprüchliche Angaben an das MCAS liefern. Das Warnsystem war bei den Maschinen der Airline allerdings deaktiviert. Dies wurde erst nach dem Unglück der Lion-Air-Maschine in Indonesien bekannt.

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Ein FAA-Sprecher sagte am Sonntag zwar ebenfalls, das Warnsystem sei für den sicheren Betrieb der Flugzeuge nicht erforderlich. Er kritisierte aber zugleich die zögerliche Kommunikation von Boeing: Das Unternehmen habe 13 Monate damit gewartet, die Luftfahrtbehörde darüber zu informieren, dass das Warnsystem deaktiviert gewesen sei, hieß es in einer E-Mail des Sprechers, aus der mehrere Nachrichtenagenturen zitieren. "Die rechtzeitige oder frühere Kommunikation von Boeing hätte dazu beigetragen, mögliche Verwirrung zu verringern oder zu beseitigen."

Es ist unklar, ob die Abstürze mit einem funktionierenden Warnsystem hätten verhindert werden können. Die Boeing-Mitteilung vom Sonntag wirft aber neue Fragen zur Offenheit des Unternehmens gegenüber Regulierungsbehörden und Fluggesellschaften auf.

aar/dpa/Reuters/AP

insgesamt 40 Beiträge
Faktomat 06.05.2019
1. Es kommt noch mehr
" Und ich weiß aus meiner Industrieerfahrung: Ein Problem kommt nie allein. Wenn ein Wurm im Holz gesichtet wird, ist das ganze Holz befallen". Dies war mein Teil meines Kommentars (Nr. 45) zum Spon Artikel vom 24.4. [...]
" Und ich weiß aus meiner Industrieerfahrung: Ein Problem kommt nie allein. Wenn ein Wurm im Holz gesichtet wird, ist das ganze Holz befallen". Dies war mein Teil meines Kommentars (Nr. 45) zum Spon Artikel vom 24.4. https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/boeing-737-max-boeing-rechnet-mit-hohen-verlusten-bleibt-aber-optimistisch-a-1264275.html
frenchie3 06.05.2019
2. Das wird immer lustiger
Ein Hinweis auf unterschiedliche Meldungen eines Redundanzsystems ist nicht sicherheitsgefährdend? Obwohl vom Funktionieren die Flugstabilität abhängt? Ach nee, muß ja nicht wenn's gar nicht erst eingebaut ist. Eine simple [...]
Ein Hinweis auf unterschiedliche Meldungen eines Redundanzsystems ist nicht sicherheitsgefährdend? Obwohl vom Funktionieren die Flugstabilität abhängt? Ach nee, muß ja nicht wenn's gar nicht erst eingebaut ist. Eine simple Industriemethode zur Fehlersuche "im Voraus" (FMEA) hätte das sofort aufgedeckt. Die Resultate aus dieser Schlamperei sind keine Unfälle sondern Mord
Alfred 06.05.2019
3. dass ein Warnsystem
welches vor Dysfunktion eines Systems, welches aktiv in die Steuerung eingreift ueberhaupt deaktiviert werden kann ist verwirrend. Eigentlich gehoeren auf jeder Seite 2 Angle of Attack Sensoren. Was 3 melden wird gemacht. Dazu [...]
welches vor Dysfunktion eines Systems, welches aktiv in die Steuerung eingreift ueberhaupt deaktiviert werden kann ist verwirrend. Eigentlich gehoeren auf jeder Seite 2 Angle of Attack Sensoren. Was 3 melden wird gemacht. Dazu eine deutliche Warnung, dass einer defekt ist. Wenn 3 unterschiedliche Messungen vorliegen die automatische Deaktivierung des Systems mit der klaren Aufforderung an den Piloten die Beurteilung der Fluglage persoenlich einzuschaetzen (Faden auf der Cockpit Seitenscheibe). Glaube kaum, dass ein Sensor einen Vogelschlag ueberlebt.
ddcoe 06.05.2019
4. Null Vertrauen mehr in Boeing
Es wird immer klarer - Boeing glaubt selbst darüber entscheiden zu können, dass ihr Murks sicher ist. Ich als Passagier werde diesen Schrott nicht mehr betreten und hoffe so denken viele andere auch.
Es wird immer klarer - Boeing glaubt selbst darüber entscheiden zu können, dass ihr Murks sicher ist. Ich als Passagier werde diesen Schrott nicht mehr betreten und hoffe so denken viele andere auch.
Affenhirn 06.05.2019
5. Den Bock zum Gärtner gemacht
Das ist ja so, wie damals der Kalauer ging, nur eben akut viel ernster: Damals hieß es: "Die Wissenschaft hat festgestellt, dass das Rauchen doch nicht schädlich ist. Gez. Dr. Marlboro"
Das ist ja so, wie damals der Kalauer ging, nur eben akut viel ernster: Damals hieß es: "Die Wissenschaft hat festgestellt, dass das Rauchen doch nicht schädlich ist. Gez. Dr. Marlboro"

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