Wissenschaft

100.000-Dollar-Prototyp

Nasa testet Mars-Anzug in der Antarktis

Starker Wind, eisige Temperaturen, hartgefrorener Boden: Eine Woche lang hat ein Team der US-Weltraumbehörde Nasa einen neuen Raumanzug in der Antarktis getestet. Das Stück Hightech könnte einmal auf dem Mars zum Einsatz kommen.

REUTERS/ NASA
Dienstag, 22.03.2011   11:20 Uhr

Es wird noch dauern, bis der erste Mensch einen Fuß auf den Mars setzt. Doch die Vorbereitungen für die Reise zum Nachbarplaneten laufen bereits. In einer Lagerhalle nahe Moskau simulieren sechs Männer den Mars-Flug - die "Mars 500"-Crew befindet sich bereits auf dem Rückweg zur Erde. Forscher wollen mit dem Experiment unter anderem prüfen, wie das Zusammenleben auf engstem Raum verbunden mit der Isolation von der Außenwelt auf die Teilnehmer wirkt.

Keine 520 Tage, aber immerhin eine Woche prüfte die Nasa nun ein Stück Hightech für künftige Mars-Missionen: den Raumanzug-Prototypen "NDX-1". Das Team um den argentinischen Ingenieur Pablo de Leon reiste für den ausgedehnten Test in die Antarktis-Station Marambio. De Leon, der an der University of North Dakota arbeitet, hat in dem Prototypen mehr als 350 Materialien verarbeitet - darunter Kevlar und Karbonfasern, damit der Anzug widerstandsfähig und möglichst leicht ist. Rund 100.000 Dollar (70.200 Euro) hat das von der Nasa finanzierte Modell gekostet.

Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 75 Kilometern pro Stunde nahmen die Forscher Proben aus dem antarktischen Permafrostboden. "Wir haben den Anzug erstmals in einer so extremen, isolierten Umgebung getestet, so dass wir nicht einfach alles zur Reparatur Nötige hätten besorgen können, falls etwas schiefgegangen wäre", sagte de Leon nach Abschluss der Mission.

Der Raumanzug-Entwickler trug den Anzug bei den Tests selbst. Er gestand, dass er eine gewisse Klaustrophobie auslöse. Die Kommunikation mit der Außenwelt läuft nur über ein im Helm eingebautes Headset.

Die Nasa hat zwar bereits Erfahrungen mit Raumanzügen, die Astronauten während der Mondlandungen getragen haben, allerdings würden auf dem Mars noch einmal deutlich andere Bedingungen herrschen. So betrage die Schwerkraft auf dem Mars zwar nur etwa ein Drittel von der auf der Erde - sie sei damit aber doppelt so hoch wie die auf dem Mond. Da die Raumanzüge während der späteren "Apollo"-Missionen auf der Erde rund 132 Kilogramm gewogen haben, würde dieser Unterschied schon deutlich.

wbr/Reuters

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