Wissenschaft

9/11-Bilder aus dem All

"Was wir sahen, war der Einsturz des zweiten Turms"

Das einstürzende World Trade Center von oben und ein Astronaut, der nach weiteren Anschlägen Ausschau hält: Es sind spektakuläre Bilder, die am 11. September 2001 an Bord der Internationalen Raumstation ISS entstehen. Ein britischer TV-Sender strahlt sie jetzt erstmals vollständig aus.

NASA
Samstag, 08.03.2014   11:40 Uhr

London - "Frank, wir haben hier unten keinen besonders guten Tag" - mit diesen Worten informierte das Flugkontrollzentrum der Nasa den US-Astronauten Frank Culbertson über die Anschläge vom 11. September 2001. Die Filmaufnahmen, die an diesem Tag an Bord der Internationalen Raumstation ISS entstanden, sind zum Teil spektakulär - nach einem Bericht des "Guardian" will sie jetzt der britische Fernsehsender Channel 4 erstmals vollständig zeigen.

Bereits zum zehnten Jahrestag der Anschläge hatte die US-Weltraumagentur Nasa Ausschnitte des Materials freigegeben. Weitere Teile des Films waren laut "Guardian" bislang unbekannt, ebenso die darauf enthaltenen Kommentare von Astronaut Culbertson.

Der erlebte die Anschläge vom 11. September als einziges US-amerikanisches Besatzungsmitglied der ISS. Einem Bericht des "Independent" zufolge erzählt er in der Sendung "Astronauts: Houston We Have a Problem", wie er mit einer Videokamera zu einem Fenster der Raumstation geeilt sei, von dem aus man in die richtige Richtung schauen konnte.

"Wir können New York City sehen und den Qualm"

"Man konnte New York leicht erkennen, der Himmel war an diesem Tag absolut wolkenlos", sagt Culbertson dem Blatt zufolge. Eine dicke, schwarze Rauchsäule sei zu erkennen gewesen. "Als ich mit meiner Kamera ins Bild hineinzoomte, bemerkte ich eine dicke, graue Wolke, die den Süden von Manhattan einhüllte. Was wir sahen, war der Einsturz des zweiten Turms."

Im Film ist zu hören, wie Culbertson mit dem Flugkontrollzentrum spricht: "Wir können New York City sehen und den Qualm von den Bränden... Wir beten für die Menschen dort und an den anderen Orten." Laut "Independent" sieht man im weiteren Verlauf der Dokumentation, wie Culbertson als eine Art Späher entlang der US-Ostküste nach Spuren weiterer Anschläge sucht.

Unter den Opfern war dem "Independent" zufolge auch ein Freund Culbertsons - Charles Burlingame, der Pilot der Maschine, die ins Pentagon stürzte. Nachdem der Astronaut die Nachricht von dessen Tod erhalten hatte, spielte er dem Blatt zufolge den von militärischen Begräbniszeremonien bekannten Signalruf "Taps" auf einer mitgebrachten Trompete. "Wenn man so etwas in einem Spielfilm sähe, würde man sagen: Komm schon, der Kerl hat eine Trompete dabei?", sagte Sally Dixon, die Produzentin der Sendung, dem "Guardian". "Aber das Leben schreibt eben manchmal die besten Geschichten."

Zu sehen ist in der Sendung außer den Aufnahmen vom 11. September auch der Zwischenfall, bei dem der Raumanzug des italienischen Astronauten Luca Parmitano während eines Außeneinsatzes im Juli 2013 voll Wasser lief. Erst kürzlich hatte ein Untersuchungsbericht der Nasa ergeben, dass das zugrundeliegende technische Problem bereits vorher bekannt gewesen war.

Die Channel-4-Sendung - zu sehen am 13. März - ist Teil einer Reihe von Dokumentationen über die Raumfahrt. Geplant ist unter anderem eine zweistündige Live-Sendung von der ISS, die einen kompletten Umlauf um die Erde zeigen soll. In Deutschland soll die Sendung dem Medienportal "DWDL" zufolge im National Geographic Channel ausgestrahlt werden.

rls

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