Wissenschaft

Abkommen mit Trump

Brasilien will Weltraumbahnhof Alcantara für US-Raketenstarts öffnen

Der brasilianische Weltraumbahnhof in Alcantara gilt wegen seiner Lage nah am Äquator als besonders günstig. Nun will Präsident Jair Bolsonaro den USA ermöglichen, den Spaceport zu nutzen.

AFP

Weltraumbahnhof in Alcantara

Dienstag, 19.03.2019   10:56 Uhr

Brasilien will den USA seinen Weltraumbahnhof Alcantara zur Verfügung stellen. Vor seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump unterzeichnete der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro in Washington ein Abkommen zur Nutzung der Einrichtung durch die USA. "Wir wollen Brasilien wieder groß machen, so wie Trump die USA wieder groß machen will", sagte Bolsonaro bei der US-Handelskammer.

Die Vereinbarung mit US-Unternehmen sieht technische Sicherheitsmaßnahmen vor, um kommerzielle Satellitenstarts in Alcantara zu ermöglichen. Alcantara liegt im nördlichen Bundesstaat Maranhao an der brasilianischen Atlantikküste. Wegen seiner günstigen Lage nah am Äquator benötigen Trägerraketen weniger Treibstoff als an anderen Startplätzen.

Mit dem Abkommen will Brasilien den europäischen Weltraumbahnhof in Kourou im benachbarten Französisch-Guayana ausstechen.

2003 starben bei Explosion in Alcantara 21 Menschen

Das brasilianische Parlament muss dem Abkommen allerdings noch zustimmen. Eine ähnliche Vereinbarung von Ex-Präsident Fernando Henrique Cardoso hatte es in seiner Amtszeit (1995 bis 2003) mit Verweis auf Brasiliens Souveränität abgelehnt. Im Jahr 2003 waren bei der Explosion einer brasilianischen Trägerrakete in Alcantara 21 Techniker vor Ort ums Leben gekommen. Den Start hatte die brasilianische Weltraumbehörde (AEB) selbst durchgeführt.

Bolsonaro wird am Dienstag von Trump empfangen. Die beiden Präsidenten wollen im Weißen Haus unter anderem über die Zusammenarbeit ihrer Länder und die Lage in Venezuela sprechen. Trump und Bolsonaro unterstützen den Oppositionsführer Juan Guaidó, der sich selbst zum Übergangspräsidenten erklärt hat und den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro zum Rücktritt zwingen will.

Bolsonaro und Trump verbindet ihre nationalistische Haltung und ihre Ablehnung multilateraler Bündnisse. Die Reise in die USA ist Bolsonaros erster Staatsbesuch seit seinem Amtsantritt im Januar. Der selbst erklärte Trump-Bewunderer hat eine Neuausrichtung der brasilianischen Außenpolitik und eine Annäherung an die USA angekündigt.

bam/AFP

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