Wissenschaft

Esa-Satellit "Goce"

Start in letzter Sekunde gestoppt

Panne Nummer drei: Wenige Sekunden vor Zündung der Triebwerke musste die Esa den Start des Satelliten "Goce" abbrechen. Der Orbiter soll das Schwerefeld der Erde mit bislang unerreichter Genauigkeit vermessen.

Montag, 16.03.2009   17:23 Uhr

Paris/Plessezk - Auch der dritte Anlauf Europas, seinen neuartigen Satelliten "Goce" ins All zu schicken, ist gescheitert. Der Satellit zur Erdbeobachtung sollte am Montag um 15.22 Uhr vom russischen Weltraumbahnhof Plessezk an Bord einer "Rockot"-Trägerrakete starten. Nur sieben Sekunden vor dem Ablauf wurde der Countdown gestoppt. Der Grund des Abbruchs werde derzeit in Plessezk ermittelt, sagte ein Esa-Sprecher. Möglicherweise solle am Dienstag ein neuer Anlauf genommen werden.

Im vergangenen September und Oktober musste der Start des neuartigen Raumfahrzeugs, das mit einem Ionenantrieb gesteuert wird, bereits zwei Mal in letzter Minute abgebrochen werden. Damals gab es technische Probleme mit der Trägerrakete. Mit der russischen "Rockot" hatte die Esa im Jahr 2005 schlechte Erfahrungen gemacht. Der Klimaforschungssatellit "Cryosat" war kurz nach dem Sart abgestürzt, vermutlich hatte sich die zweite Stufe der Trägerrakete nicht wie geplant von der dritten Stufe getrennt hatte.

Das Wetter war am Montag perfekt für den "Goce"-Start, über dem Weltraumbahnhof 900 Kilometer östlich von Moskau strahlte blauer Himmel. Dass ein neuer Anlauf für Dienstag anvisiert wurde, deutete darauf hin, dass die Probleme nicht gravierend sein könnten.

"Goce" soll in einer extrem niedrigen Umlaufbahn von 260 Kilometern kreisen und das Schwerefeld der Erde mit bislang unerreichter Genauigkeit vermessen und kartografieren. Die Esa sieht in dem 350 Millionen Euro teuren Projekt einen Meilenstein, mit dem wertvolle Erkenntnisse unter anderem für die Klimaforschung gewonnen werden. Der Name "Goce" steht für Gravity Field and Ocean Circulation Explorer.

Um den Flug in der extrem niedrigen Umlaufbahn zu ermöglichen, musste die Esa gemeinsam mit 45 europäischen Unternehmen einen völlig neuen Satellitentypen entwickeln: Er hat die Form einer schlanken Pfeilspitze und ist fünf Meter lang. Mit seinen 1,1 Tonnen Gewicht erreicht er eine Fluggeschwindigkeit von knapp 29.000 Kilometern pro Stunde, wenn er denn im Orbit ausgesetzt wird.

Der Satellit war vor dem Start in einwandfreiem Zustand. Von der Esa gab es grünes Licht und das automatische Verfahren zur Beförderung war in Gang gesetzt, als der Countdown um 15.21 Uhr gestoppt wurde.

hda/AP

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