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Satellitenbild der Woche

Geflutet

Erst quälte Dürre den Nordosten Indiens, nun heftiger Monsunregen. Aus dem All zeigt sich das Ausmaß der Überflutungen. Millionen Menschen sind betroffen - und die Regenzeit geht noch bis September.

Lauren Dauphin/ NASA

Die Überflutungen durch den Monsunregen in der Region Bihar im Nordosten Indiens aus dem All gesehen

Montag, 22.07.2019   04:09 Uhr

Eingestürzte Häuser, überschwemmte Straßen, Menschen, die in kleinen Booten ausharren: Der Monsunregen traf Teile Südasiens in diesem Jahr etwas später als sonst, aber dafür umso heftiger. Mindestens sieben Millionen Menschen in Indien, Nepal, Bangladesch und Pakistan mussten ihre Häuser verlassen, Behörden meldeten 270 Todesfälle. Tausende Dörfer und Städte sind von der Versorgung abgeschnitten. Der Wasserschwall verursachte Erdrutsche, viele Straßen sind unpassierbar.

Besonders betroffen ist die Region Bihar im Nordosten Indiens, wie Satellitenbilder der Nasa zeigen. Am 28. Juni, links im Schiebebild, dominieren grüne und braune Fläche, die die Vegetation zeigen, unterbrochen von trockenen Gebieten. Nur zweieinhalb Wochen später haben sich auf den vormals ausgetrockneten Flächen Seen gebildet, die Flüsse traten über die Ufer. Der Operational Land Imager (OLI) des Satelliten "Landsat 8" hat die Region durch Lücken in der Wolkendecke aufgenommen. Die Bilder basieren auf einer Kombination aus Infrarot- und sichtbarem Licht, um besser zwischen Vegetation (grün) und Wasser (blau) unterscheiden zu können.

In vielen Regionen steigen die Wasserpegel noch immer, Millionen Hektar Ackerland sind überflutet. Nahrung und Trinkwasser drohen knapp zu werden, warnen Hilfsorganisationen. Die hygienischen Bedingungen seien katastrophal.

Die Monsunzeit dauert in Südasien gewöhnlich bis September. Für die Landwirtschaft ist sie lebenswichtig, weil sie etwa 80 Prozent der jährlichen Regenmenge mit sich bringt. Die Wassermassen richten aber auch immer wieder große Schäden an. Jedes Jahr kommen dabei Hunderte Menschen ums Leben.

Biju BORO/AFP

Auch die indische Region Assam ist von Überflutungen betroffen

Durch den Klimawandel könnten die Wetterbedingungen in Südasien extremer werden, warnen Forscher - mit Phasen außergewöhnlich heftiger Regenfälle in der Monsunzeit, abwechselnd mit Dürreperioden, begleitet von hohen Temperaturen.

In diesem Jahr herrschten Mitte Juni in vielen Regionen Indiens Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius, die Asphalt zum Schmelzen brachten. Die Hitze fiel zudem mit einer monatelangen Dürre zusammen. Etwa 40 Prozent des Landes waren ungewöhnlich trocken. Viele Dörfer mussten mit Wassertanks versorgt werden, teilweise bewachten Polizisten die Behälter.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Besonders unerträglich war die Hitze in Gegenden wie Kalkutta oder Mumbai, die nah am Wasser liegen und die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch ist. 2017 warnten Forscher in einer Studie, die zunehmend schwüle Luft könnte Südasien teils unbewohnbar machen. Bis zum Ende des Jahrhunderts würden dann mehr als eine Milliarde Menschen in Indien, Pakistan und Bangladesch ihre Heimat verlieren. In Südasien lebt etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung.

koe

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