Wissenschaft

Manöver geglückt

Europas Raumfrachter dockt an der ISS an

Es war ein kompliziertes Manöver, doch alles verlief nach Maß. Der europäische Raumfrachter "Jules Verne" hat die Raumstation ISS erreicht. Nach wochenlangen Tests im All dockte das unbemannte Fahrzeug vollautomatisch am russischen Modul "Swesda" an.

Donnerstag, 03.04.2008   17:11 Uhr

Toulouse - Das delikate Manöver fand in rund 400 Kilometern Höhe statt. In aller Vorsicht näherte sich die Spitze des zehn Meter langen Raumtransporters der Andockstelle am russischen Modul "Swesda". Die Operation fand wie geplant vollautomatisch statt, gesteuert von einem Lasersystem. Hätte es doch Probleme gegeben, dann hätten die Astronauten auf der ISS den Vorgang abbrechen können; "Jules Verne" hätte sich dann blitzschnell in eine Parkposition zurückgezogen. Doch das war nicht nötig.

Das zehn Meter lange und 20 Tonnen schwere Fahrzeug war am 9. März mit einer Ariane-Rakete vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guyana ins All aufgebrochen. Wochenlang hatte die Esa das Fahrzeug im All getestet. In den vergangenen Tagen raste der Zylinder dann mit 28.000 Kilometern pro Stunde hinter der ISS her. Am Mittwoch hatte sich der Transporter der Station bei einem Test bereits auf elf Meter angenähert, musste sich dann aber wieder zurückziehen.

Der Raumfrachter ist ein Meilenstein für die Esa. Die Europäer bekommen damit zum ersten Mal einen eigenständigen Zugang zur ISS - und etablieren sich als unverzichtbarer Partner für den Betrieb der Station. Wenn die Shuttles der US-Weltraumbehörde Nasa im Jahr 2010 wie geplant stillgelegt werden, kann die Esa nun zusammen mit den Russen die Versorgung der Station übernehmen. Von 2010 bis 2013 sind zunächst vier ATV-Flüge geplant, für je 350 Millionen Euro.

Mit seiner Nutzlast von 7,5 Tonnen wird der unbemannte High-Tech-Transporter so ein zentraler Pfeiler für die Versorgung der Station. An Bord hat er Nahrung, Wasser, Sauerstoff und Treibstoff. "Jules Verne" wird sechs Monate lang mit der ISS verbunden bleiben und mit seinem Triebwerk die Raumstation auf eine höhere Umlaufbahn führen.

Nach erfolgter Mission wird "Jules Verne" zur Abfallentsorgung benutzt: Die Astronauten laden alles, was sie nicht mehr brauchen, in den Frachter, der dann abgekoppelt wird und in der Atmosphäre verglüht. Bau, Entwicklung und Transport haben die Esa und ihre Partner 1,3 Milliarden Euro gekostet.

chs/AP

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