Wissenschaft

Methanpumpe

Neptuns Südpol badet im Sonnenschein

Der Südpol ist der wärmste Punkt des Planeten Neptun - relativ gesehen natürlich, denn auch dort ist es immer noch minus 190 Grad kalt. Der Pol ist derzeit Angelpunkt einer Methanpumpe, die dem Planeten seine bläuliche Farbe verleiht.

Mittwoch, 19.09.2007   16:49 Uhr

Am Südpol des Neptun liegen die Temperaturen rund 10 Grad Celsius über dem recht frostigen Durchschnittswert des Planeten von minus 200 Grad. In dieser etwas weniger kalten Gegend gelangt Methan von tieferen Atmosphärenschichten in die höher gelegene Stratosphäre.

Ein internationales Forscherteam um den Astronomen Glenn Orton vom California Institute of Technology in Pasadena hat die planetare Methanpumpe jetzt entdeckt. Mit Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (ESO) beobachteten die Wissenschaftler, dass das Gas in den oberen Atmosphärenschichten die roten Anteile des Lichts herausfiltert und den Neptun blau erscheinen lässt.

Die Forscher betrachteten die Wärmestrahlung, die der Planet abgibt - und als wärmster Ort zeichnete sich der Südpol ab, der nun schon 40 Jahre lang der Sonne zugewandt ist. Die Analyse des abgestrahlten Lichts ergab zudem, dass Methan in diesen weniger kalten Atmosphärenbereichen häufiger anzutreffen ist und dort in höhere Schichten transportiert wird.

Diese besondere Dynamik in der Neptun-Atmosphäre erstaunte die Forscher, da den achten und (seit Plutos Rauswurf) äußersten Planeten unseres Sonnensystems 900-mal weniger Licht erreicht als die Erde. Laut Orton sind die Temperaturunterschiede auch eine Erklärung dafür, dass es auf Neptun die stärksten Stürme des Sonnensystems gebe. "Manchmal bläst der Wind dort mit 2000 Kilometern pro Stunde."

Neptun ist 30-mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Er braucht für eine Runde um die Sonne rund 165 Jahre. Derzeit ist an seinem Südpol Sommer. Im Juli 2005 fand die Sommersonnenwende statt, seitdem dreht sich der Südpol langsam von der Sonne weg. In rund 80 Jahren erreicht der Sommer die Nordhalbkugel - dann wird sich der Methantransport in die höheren Atmosphärenschichten auf die Nordpolarregion verschieben, vermuten die Astronomen.

cis/ddp/AFP

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