Wissenschaft

Neue Messungen

Der Mond bebt

Astronauten der "Apollo"-Missionen hinterließen mehrere Seismometer auf dem Mond. Mit den Daten von damals kamen Forscher nun zu einer überraschenden Erkenntnis.

Federico Gambarini/ DPA

Vollmond: Nach seiner Entstehung schrumpfte der Mond zusammen wie eine Rosine

Montag, 13.05.2019   17:01 Uhr

Der Mond ist möglicherweise auch heute noch tektonisch aktiv. Darauf deutet eine neue Auswertung von Mondbeben aus der Ära der "Apollo"-Missionen hin.

Bereits als der Mond entstanden ist und sich anschließend abkühlte, zog er sich zusammen wie eine Weintraube, die zu einer Rosine wird. Die Mondoberfläche ist dabei mehrfach aufgebrochen und hat Tausende Klippen gebildet. Doch die Form des Erdtrabanten verändert sich weiter. Er zieht sich womöglich bis heute zusammen, berichten Forscher um Thomas Watters von der Smithsonian Institution in Washington im Fachblatt "Nature Geoscience".

Schon vor zehn Jahren hatte die Mondsonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) der US-Raumfahrtbehörde Nasa geologisch relativ junge Brüche an den Klippen in der Mondoberfläche entdeckt. Unklar war jedoch, wann genau diese entstanden sind. Neue Erkenntnisse lieferten nun Daten der bemannten "Apollo"-Mondmissionen 12, 14, 15 und 16.

Beben der Stärke 2 bis 5

Die Astronauten hatten Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre vier Seismometer auf dem Mond hinterlassen. Einige der zwischen 1969 und 1977 registrierten Beben führen Experten auf Asteroideneinschläge zurück, bei anderen ist nicht klar, wie sie zustande kamen. Auf der Erde hätten die Beben eine Stärke zwischen 2 und 5 gehabt, erläuterten die Forscher. Sie haben die Daten der Seismometer nun neu ausgewertet.

Nasa/GSFC/Arizona State University/Smithsonian/dpa

Acht von 28 ausgewerteten Beben fanden demnach in der Nähe der jungen Bruchzonen statt. Die Wissenschaftler machen Bewegungen tektonischer Platten dafür verantwortlich. "Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass sich durch das Zusammenziehen des Mondes in der Kruste Spannungen aufgebaut haben", erläuterte Watters. Diese hätten sich an den Bruchstellen entladen und die Beben verursacht.

Zwar sind die "Apollo"-Seismometer seit 1977 abgeschaltet. Geologisch ist jedoch bis heute kaum Zeit vergangen - deshalb sei es recht wahrscheinlich, dass die Bruchzonen auch heute noch aktiv seien, sagt Co-Autor Nicholas Schmerr von der Universität von Maryland in College Park. "Man bekommt nicht oft irgendwo außerhalb der Erde aktive Tektonik zu sehen. Daher ist es sehr spannend, darüber nachzudenken, dass diese Brüche vielleicht immer noch Mondbeben produzieren."

jme/dpa

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