Wissenschaft

Frauen in der Geschichte der Nasa

"Reichen 100 Tampons für eine Woche im All?"

Zum ersten Mal gab es einen rein weiblichen Außeneinsatz auf der ISS, lange vernachlässigte die Nasa Astronautinnen komplett: Die US-Behörde entwickelte einst Make-up-Täschchen fürs All - aber lange keine passenden Anzüge.

NASA/dpa

Als erstes reines Frauenteam absolvierten Christina Koch und Jessica Meir am Freitag einen Außeneinsatz auf der ISS

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Samstag, 19.10.2019   16:50 Uhr

Elektroingenieurin Christina Koch und Biologin Jessica Meir reparierten einen Stromregler an der Außenwand der ISS: Freitag haben zwei Frauen einen Außeneinsatz auf der Internationalen Raumstation (ISS) durchgeführt - zum ersten Mal ohne männliche Begleitung.

Dass das ein Novum ist, erzählt schon viel über den Stand der Gleichberechtigung allgemein und konkret über das Frauenbild der Nasa. Tatsächlich pflegt die US-Behörde bei ihrem Umgang mit Astronautinnen eine lange Geschichte voll von beinharter Diskriminierung und absurden Fettnäpfchen:

So sollte der erste rein weibliche Außeneinsatz etwa ursprünglich bereits im März stattfinden. Er musste jedoch kurzfristig abgesagt werden. Das Problem: Es gab auf der Internationalen Raumstation nur einen passenden Anzug. Die anderen waren den Astronautinnen Christina Koch und Anne McClain zu groß. McClain musste deshalb drinnen bleiben, Astronaut Nick Hague übernahm an ihrer Stelle. Die kleinsten Größen S und XS wurden bei Raumanzügen schon in den Neunzigerjahren gestrichen, zu teuer. Die kleinste Größe ist nun M.

"Fertigt einen zweiten Anzug"

Der Vorfall war besonders peinlich, da die Nasa den ersten Außeneinsatz eines rein weiblichen Teams groß angekündigt hatte. Die frühere US-Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte daraufhin im Kurznachrichtendienst Twitter: "Fertigt einen zweiten Anzug." Die Anzug-Panne ist dabei nur ein Beispiel dafür, wie die Nasa die weibliche Anatomie vernachlässigt hat - mit zum Teil skurrilen Episoden.

Ursprünglich wollte die Nasa überhaupt keine Frauen ins All schicken. Zunächst durften sich nur Testpiloten des Militärs als Astronaut bewerben, Frauen durften diesen Job nicht machen. Als die Nasa dann in den Siebzigerjahren beschloss, auch Bewerberinnen zuzulassen, wollte sie es den Astronautinnen offenbar so angenehm wie möglich machen:

1987 entwarfen Nasa-Ingenieure ein Schminktäschchen, inklusive Lipgloss und Lidschatten. "Die Ingenieure der Nasa entschieden in ihrer unendlichen Weisheit, dass weibliche Astronauten Make-up haben wollen würden", sagte Sally Ride, die 1983 als erste Frau für die Nasa ins All flog. "Man kann sich die Diskussionen unter den überwiegend männlichen Ingenieuren darüber vorstellen, was dort rein sollte."

Die Utensilien schafften es letztlich nicht in die Standardausrüstung von Astronautinnen. Ride erlebte jedoch auch andere Absurditäten. So sei sie etwa gefragt worden, ob 100 Tampons für eine Woche im All ausreichen. (Für alle, die die Antwort nicht kennen: Das reicht. Lesen Sie sich bitte ein.)

Astronautinnen auf der ISS dürften sogar gar keine Tampons benötigen: Weil die Besetzung ihren wiederaufbereiteten Urin trinkt, bekommen die Frauen meist Hormone, die die Regelblutung unterdrücken. Dadurch wird verhindert, dass der Urin verunreinigt und dadurch ungenießbar wird.

Einige Anpassungen gab es aber mit den Frauen im All durchaus: Ihnen haben die Astronauten auf der ISS beispielsweise Toiletten zu verdanken. Die ersten Raumfahrer urinierten noch in Schläuche, die sie über ihren Penis stülpten, auch für Stuhlgang gab es nur Tüten.

Inzwischen ist das Geschlechterverhältnis bei der Nasa ausgeglichener. Zwölf der 38 Astronauten sind Frauen, das macht eine Quote von immerhin 30 Prozent. Zudem besteht US-Präsident Donald Trump darauf, dass in fünf Jahren die erste Frau zum Mond fliegt - wobei auch hier ein Mann mitfliegen soll.

Das Anzugproblem scheint zumindest für die Mond-Mission gelöst. Noch sind die Anzüge zwar nicht einsatzbereit, aber Mitte der Woche präsentierte die Nasa schon mal ein erstes Modell eines neuen Raumanzugs - in Einheitsgröße. Vorgeführt wurde er demonstrativ von einer Frau: Nasa-Ingenieurin Kristine Davis.

insgesamt 1 Beitrag
opar 20.10.2019
1. 100 Tampons pro Woche?????
Ich bin ein alter Mann, aber haben diese Ingenieure allesamt keine Frau oder Freundin gehabt? Oder einfach mal nachgedacht und gerechnet? Selbst Sheldon Cooper aus Big Bang wäre wohl in der Lage gewesen, anhand des in Frage [...]
Ich bin ein alter Mann, aber haben diese Ingenieure allesamt keine Frau oder Freundin gehabt? Oder einfach mal nachgedacht und gerechnet? Selbst Sheldon Cooper aus Big Bang wäre wohl in der Lage gewesen, anhand des in Frage kommenden Volumens (geschätzt) einer Monatsblutung eine sinnvolle Berechnung zu machen.

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