Wissenschaft

Fehlende Raumanzüge

Nasa sagt ISS-Außeneinsatz nur mit Astronautinnen vorerst ab

Am Freitag hätte es auf der ISS eine Premiere geben sollen: einen Außeneinsatz nur mit Astronautinnen. Doch daraus wird erst einmal nichts - es gab Probleme mit den Größen der Raumanzüge.

SERGEI ILNITSKY/EPA-EFE/REX

Christina Koch testet Mitte März in Kasachstan ihren Raumanzug

Dienstag, 26.03.2019   02:56 Uhr

Ein ursprünglich für Freitag geplanter, außergewöhnlicher Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS kommt nun vorerst doch nicht zustande. Zum ersten Mal hätten an dem Einsatz ausschließlich Astronautinnen teilnehmen sollen. Doch nun gibt es Probleme mit den Außenanzügen.

Bei einem Reparatureinsatz mit ihrem Kollegen Nick Hague in der vergangenen Woche habe Astronautin Anne McClain gemerkt, dass ihr ein Raumanzug-Oberteil in mittlerer Größe am besten passe, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Astronautin Christina Koch benötige auch ein Raumanzug-Oberteil in mittlerer Größe - davon könne bis Freitag aber nur eines einsatzfähig gemacht werden. Deswegen würden nun Koch und Hague den Außeneinsatz am Freitag gemeinsam unternehmen.

Ursprünglich hätten Koch und McClain die ISS am Freitag zum ersten nur von Frauen durchgeführten Außeneinsatz verlassen sollen. In der Vergangenheit haben zwar bereits zahlreiche Raumfahrerinnen Außeneinsätze absolviert - einen nur mit Frauen besetzten Einsatz gab es laut Nasa aber bislang noch nie.

Die erste Frau bei einem Außeneinsatz war 1984 Swetlana Sawizkaja. Den Rekord hält Peggy Whitson mit zehn Außeneinsätzen.

aar/dpa

insgesamt 11 Beiträge
Anna156464641156 26.03.2019
1.
Sehr gut das Spon darüber berichtet. Im konzentrierten und reduzierten Umfeld der bemannten Raumfahrt zeigt sich schön wo der Diskurs in der Gleichberechtigung mittlerweile ist. Ein Außeneinsatz an der ISS ist, denke ich, ist [...]
Sehr gut das Spon darüber berichtet. Im konzentrierten und reduzierten Umfeld der bemannten Raumfahrt zeigt sich schön wo der Diskurs in der Gleichberechtigung mittlerweile ist. Ein Außeneinsatz an der ISS ist, denke ich, ist nach wie vor eine technische Meisterleistung und macht man mal eben nicht so. Entweder es liegt Dringlichkeit vor (Teile sind kaputt), dann dürfte das Geschlecht der Person, die sich darum kümmert ziemlich egal sein. Oder es handelt sich um wissenschaftliche Beweggründe die hier mit keinem Wort Erwähnung finden. Die Konfektionsgröße der Frauen allerdings schon. Was auf rein politische Motive schließen lässt. Und ganz im ernst, wenn wir soweit gekommen sind, das so eine Farce unkritisch wiedergeben wird, zeigt das deutlich in welche Richtung wir uns bewegen.
pterodactylus 26.03.2019
2. Ich finde das so vollkommen irrelevant
ob ein Mann oder eine Frau hier Außeneinsätze macht, hauptsache die Personen sind fachlich qualifiziert und können sicher und wohlbehalten ihre Arbeit machen. Ich bin schon so lange gewohnt fachlich mit Frauen auf Augenhöhe [...]
ob ein Mann oder eine Frau hier Außeneinsätze macht, hauptsache die Personen sind fachlich qualifiziert und können sicher und wohlbehalten ihre Arbeit machen. Ich bin schon so lange gewohnt fachlich mit Frauen auf Augenhöhe zusammen zu arbeiten, dass mir das jedes Mal etwas absurd vorkommt, dass man das zu so etwas Besonderem stilisiert - als ob man denen das nicht zutraut. Dabei kann ich mich auf meine Kolleginnen genau so gut verlassen wie auf jeden Mann. Der wahre Sexismus besteht hier eher, dass man so ein Ereignis als außergewöhnlich herausstellt, während es eigentlich nur eine Randnotiz sein sollte, gerade weil das Geschlecht hier doch gar keine Aussage über die Arbeitsqualität macht.
odenkirchener 26.03.2019
3. Planung
Schwache Planung. Ausseneinsätze werden doch vorher geübt. Da sollte doch klar sein, wer welche Ausrüstung braucht. . .
Schwache Planung. Ausseneinsätze werden doch vorher geübt. Da sollte doch klar sein, wer welche Ausrüstung braucht. . .
TipTopTap 26.03.2019
4. Falscher Fokus der Berichterstattung
Ich muss den Vorkommentatoren recht geben, dass es in unserer Gesellschaft anscheinend zu falschen Prioritäten kommt, worauf wir unser Handeln konzentrieren. Klar ist es erwähnenswert, wenn die Nasa zum ersten mal in Ihrer [...]
Ich muss den Vorkommentatoren recht geben, dass es in unserer Gesellschaft anscheinend zu falschen Prioritäten kommt, worauf wir unser Handeln konzentrieren. Klar ist es erwähnenswert, wenn die Nasa zum ersten mal in Ihrer Geschichte eine komplette Außenmission mit weiblichen Personal durchziehen möchte. Dies entspricht etwa dem Mytos des Film "Hidden Figures". Andererseits kann man es auch als "traurig" empfinden, dass es mehr als 20 Jahre gedauert hat bis zu diesem Punkt gekommen ist. Andererseits ist es auch "einfach" nur ein Außeneinsatz, wo das Geschlecht keinerlei Rolle spielen sollte, und das Personal ausschließlich nach Qualifikation und Verfügbarkeit bestimmt wird. Auch hier scheint eher das gesellschaftliche Grundproblem wieder die Verfügbarkeit zu sein. Wenn sich mehr Frauen für sogenannte Männerdomänen interessieren, einsetzten und aktiv beteiligen. Dann erübrigt sich auch jede contra-diskriminierende Quote oder derlei Berichterstattung. Wenn man aber bei diesem Typus Berichterstattung bleiben möchte, dann sollte fairerweise auch die gesamte Story erzählt werden: Der terminlich geplante Einsatz scheitert, weil die Dame beim letzten Raumspaziergang festgestellt hat, dass das Kleidungsstück in der Größe M ihr doch kommoder erscheint und nicht wie x-mal auf der Erde geprobt der eigentlich größere Raumanzug. Dessen Umbau benötigt nun eben mehr Vorbereitungszeit, wodurch der "historische" Termin geplatzt ist.
Gmorker 26.03.2019
5. warum dieser Hype?
Wieso ist das überhaupt etwas besonderes? Es wird ein Ausseneinsatz von qualifizierten Astronauten durchgeführt, vermutlich von denen, die dafür am besten qualifiziert sind, denn alles andere wäre reiner PR-gag. Niemand [...]
Wieso ist das überhaupt etwas besonderes? Es wird ein Ausseneinsatz von qualifizierten Astronauten durchgeführt, vermutlich von denen, die dafür am besten qualifiziert sind, denn alles andere wäre reiner PR-gag. Niemand bestreitet, das Frauen für die Arbeit im All qualifiziert sind. Niemand bezweifelt, das Frauen für Ausseneinsätze qualifiziert sind. Wieso ist es also eine Nachricht wert, das ein Ausseneinsatz ausschließlich von Frauen durchgeführt wird? Ich jedenfalls hatte bisher nie den Gedanken, als würde man den Frauen einen "Auspasser" oder "Beschützer" mitschicken, weil sie es alleine nicht hinkriegen. Solche ein Gedanke wird erst dadurch geschürt, das man so extra darauf hinweist, das es die Frauen jetzt das erste Mal ganz alleine machen sollen. Das Thema ist doch eigentlich durch, seit überhaupt eine Frau im All war. Damit war einwandfrei bewiesen, das sie es können. Wenn jetzt bei diesem Ausseneinsatz ein besser qualifizierter Mann nicht mit raus gehen würde, nur um den PR-Effekt von "rein weibliches Aussenteam" zu haben, hielte ich das für einen falschen Schritt.

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP