Wissenschaft

Raumfahrt-Etat bis 2013

Esa bekommt zehn Milliarden Euro

Die europäische Raumfahrtbehörde Esa braucht sich finanziell keine Sorgen zu machen: Der Etat für die Jahre 2009 bis 2013 steht. Rund zehn Milliarden Euro hat der Esa-Ministerrat bewilligt, unter anderem für neue Erkundungsflüge ins All und die Erforschung des Klimawandels.

Mittwoch, 26.11.2008   16:46 Uhr

Es sind schwierige Zeiten für teure Anschaffungen. Doch die europäische Raumfahrtbehörde kann ihre geplanten Projekte in den kommenden Jahren ohne größere Einschränkungen umsetzen. Die 18 Esa-Mitgliedstaaten haben am Mittwoch in Den Haag den gut zehn Milliarden Euro umfassenden Etat für die Jahre 2009 bis 2013 beschlossen. Somit kann die Behörde in den kommenden Jahren wie geplant neue Erkundungsflüge ins All starten und die Erforschung des Klimawandels vorantreiben.

Die Bundesregierung trägt nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) rund 2,7 Milliarden Euro bei. Deutschland bleibe damit die größte Raumfahrtnation im Verbund der 18-Esa-Staaten. "Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit in diesem Jahrhundert", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze, der die Verhandlungen in Den Haag für die deutsche Seite führte. "Deshalb bin ich besonders stolz darauf, dass wir unsere Spitzenstellung in der Erdbeobachtung weiter ausbauen konnten."

Als Höhepunkte der Weltraumforschung gelten in den kommenden Jahren der Start des Weltraumteleskops "Herschel/Planck" (Frühjahr 2009), die Mission "Gaia" zur dreidimensionalen Vermessung unserer Milchstraße (2011) sowie die Reise der Raumsonde "Bepicolombo" zum sonnennächsten Planeten Merkur (2014). Das meiste Geld fließt in die Internationale Raumstation ISS. Weitere wichtige Projekte sind nach Angaben von Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain die dritte Generation des europäischen Wettersatelliten "Meteosat" sowie die Weiterentwicklung der Trägerrakete "Ariane-5".

Drei Raketensysteme

Europa verfügt dem DLR zufolge künftig mit drei Raketensystemen über einen eigenständigen Zugang zum All. Die Nutzlastkapazität der "Ariane 5" soll um 1,5 Tonnen gesteigert werden, um den gleichzeitigen Start von zwei Satelliten zu gewährleisten. Zudem soll eine wiederzündbare Oberstufe aus Deutschland das System flexibler machen. Zweiter Zugang zum All sind die Starts russischer "Sojus"-Raketen von Kourou in Französisch-Guayana aus. Zudem soll ab 2009 die kleine Trägerrakete "Vega" für Lasten bis 1,5 Tonnen zum Einsatz kommen.

Die von manchen gehegte Hoffnung auf ein europäisches bemanntes Raumschiff erfüllte sich nicht. Beschlossen wurde lediglich eine Studie zur Fortentwicklung des unbemannten europäischen Raumtransporters ATV für den sicheren Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Bisher muss dieser nach dem Ablegen von der Internationalen Raumstation in der Erdatmosphäre verglühen. Prinzipiell würde sich der Transporter auch als bemanntes Raumschiff eignen.

Beim Projekt "Exomars" hat der Ministerrat ein Kostenlimit gesetzt. Nach bisheriger Planung soll der europäische Marsrover 1,2 Milliarden Euro kosten. Der Etat wurde nun jedoch auf 1,0 Milliarden Euro beschränkt. Der Start von "Exomars" war mehrfach verschoben wurden, zuletzt von 2013 auf 2016.

Die niederländische Wirtschaftsministerin Maria van der Hoeven hatte die Esa in ihrer Begrüßungsansprache zu Investitionen in die wissenschaftlichen Programme aufgefordert, "trotz oder sogar wegen der gegenwärtigen Krise auf den weltweiten Finanzmärkten". Sie rief zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Esa und EU auf. "Wenn wir in der Raumfahrt weltweite Mitwirkende bleiben wollen, brauchen wir eine starke Partnerschaft zwischen EU und Esa."

Diese Forderung, die auch von Frankreich unterstützt wird, lehnt Deutschland ab. Im Kern geht es bei dem Streit um die Frage, wie viel des eingezahlten Geldes die Esa-Mitgliedstaaten als Aufträge an ihre eigene Industrie wieder zurückbekommen.

Vorerst kein bemanntes Raumschiff geplant

Nach Auffassung von DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner sollen die Esa-Programme möglichst unabhängig von der Europäischen Union stattfinden: "Die EU arbeitet nach einem länderübergreifenden Wettbewerb. Da besteht die Gefahr, dass wir künftig weniger Aufträge bekommen, sowohl für die Industrie als auch für die hiesigen Wissenschaftler", sagte Wörner am Dienstag dem "Tagesspiegel". Nach der Tagung in Den Haag erklärte Wörner, er sei sehr erfreut, "dass es trotz der unterschiedlichen und wohl begründeten Interessen der einzelnen Esa-Mitgliedsstaaten zu einem guten und tragfähigen Ausgleich der Positionen gekommen ist".

hda/dpa/ddp

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP