Wissenschaft

Satelliten-Paar

"Tom" und "Jerry" überwachen die Schwerkraft

Ein ungewöhnliches Satelliten-Duo soll am Samstag ins Weltall starten: Von den beiden Spähern erhoffen sich deutsche und US-amerikanische Forscher Aufschlüsse über das unregelmäßige Schwerefeld der Erde.

Freitag, 15.03.2002   09:58 Uhr

Die Erwartungen an "Tom" und "Jerry" sind hoch gesteckt: Die beiden Satelliten, von Technikern nach den sich ewig jagenden Zeichentrickfiguren benannt, sollen die Erdanziehungskraft genauer als je zuvor bestimmen, erklärt Projektleiter Christoph Reigber vom GeoForschungsZentrum Potsdam. Die präzisen Daten werden nach den Hoffnungen der beteiligten Wissenschaftler helfen, bessere Klimamodelle zu entwickeln.

Das Satelliten-Gespann, ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der US-Weltraumbehörde Nasa, soll am am Samstag um 10.23 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom sibirischen Raumfahrtbahnhof Plessezk aus ins All geschossen werden. Als Transportmittel dient eine umgebaute russische Interkontinentalrakete vom Typ SS-19 - laut Reigber eine geeignete Methode, Kriegswaffen auf friedliche Weise zu entsorgen. Den Start will das DLR ab 9.00 Uhr live im Internet übertragen.

Die Satelliten der nach Angaben von Reigber 120 bis 130 Millionen Euro teuren "Grace"-Mission (Gravity Recovery And Climate Experiment) sind direkte Nachfolger der Sonde "Champ", die seit Juli 2000 das Erdschwerefeld überwacht. Hat das Duo erst seine Umlaufbahn erreicht, soll es fünf Jahre lang die geringen Schwankungen der Gravitation etwa zwischen Land und Meer registrieren.

Dazu werden die Zwillinge die Erde in 500 Kilometer Höhe umkreisen und einen Abstand von 220 Kilometern zueinander halten. Gerät der vordere Satellit in ein stärkeres Gravitationsfeld, ändert sich die Distanz zum hinter ihm folgenden Partner - aus diesen Abweichungen können die Wissenschaftler die jeweilige Schwerkraft errechnen.

Mit den Messdaten der jeweils etwa drei Meter langen und 475 Kilogramm schweren Satelliten lassen sich, so hoffen die Klimaforscher, wichtige Informationen zum Beispiel über die Ozeanströmungen, das Grundwasser oder die Eismassen an den Polkappen gewinnen. Die wissenschaftliche Auswertung erfolgt durch das GeoForschungsZentrum Potsdam und das Center for Space Research an der Texas University in Austin.

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