Wissenschaft

Schwere Panne

Drei russische Satelliten stürzen ins Meer

Rückschlag für die Raumfahrtnation Russland: Eine Trägerrakete mit drei Satelliten ist kurz nach dem Start abgestürzt. Nach Angaben der Staatsagentur Ria Nowosti fiel sie bei Hawaii in den Pazifik. Der Schaden wird auf mehrere 100 Millionen Euro geschätzt.

AFP

Trägerrakete Proton-M in Baikonur: Kurz nach dem Start mit drei Satelliten abgestürzt

Sonntag, 05.12.2010   17:06 Uhr

Berlin/Moskau - Am späten Vormittag schien noch alles in bester Ordnung, die Erfolgsmeldungen wurden in alle Welt verschickt: habe vom Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) aus drei neue Glonass-M-Satelliten gestartet, hieß es. Damit sei das Globale Satellitennavigationssystem nunmehr komplett und die von Präsident Dmitri Medwedew erteilte Aufgabe erfüllt, teilte die Raumfahrtagentur Roskosmos mit. Die schwere "Proton-M"-Trägerrakete sei um 11.25 Uhr deutscher Zeit vom Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) aufgestiegen.

Doch nur wenige Stunden später dann eine weitere Meldung: Die sind abgestürzt. Eine schwere Panne für die Raumfahrtnation Russland.

Der Transport der Satelliten mit einer Proton-Rakete sei fehl geschlagen, hieß es nun, Behörden sprachen von einer "unvorhergesehenen Situation", ohne Details zu nennen. Die Glonass-Satelliten fielen nach Angaben der Staatsagentur Ria Nowosti in den Stillen Ozean unweit von Hawaii. Die neuen Satelliten mit einer Masse von je 1415 Kilogramm und einer Lebensdauer von sieben Jahren sollten in etwa sechs Wochen in Dienst gestellt werden.

Der Schaden wird auf mehrere 100 Millionen Euro geschätzt. Der Zwischenfall gilt als schwerer Rückschlag für Russland, das mit Glonass dem US- GPS und dem künftigen europäischen Galileo-System Konkurrenz machen will. Ein Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums sagte, dass die Satellitenflotte trotzdem bald vervollständigt werden solle. Bisher seien 26 Glonass-Satelliten im All, darunter auch zwei als Reserve, sagte er der Agentur Interfax. Die Satelliten umkreisen die Erde in rund 19.100 Kilometern Höhe auf drei verschiedenen Ebenen.

Das bereits 1993 beschlossene Regierungsprogramm zum Aufbau eines russischen weltumspannenden Satellitensystem hatte sich immer wieder verzögert. Regierungschef Wladimir Putin hatte angekündigt, westliche Handyhersteller möglicherweise zu verpflichten, Glonass auf ihren Geräten zu installieren. In etwa zwei Jahren soll die Entwicklung der dafür erforderlichen Software, die bisher nur für Schwerpunktregionen- und -branchen zur Verfügung steht, abgeschlossen sein. Die russischen Empfangsgeräte sind mit GPS und Galileo kompatibel.

Derzeit werden die Satelliten, deren Datenqualität der ihrer amerikanischen Pendants in nichts nachstehen soll, vorrangig für die Steuerung des öffentlichen Transports sowie für die Feuerwehr und die Rettungsdienste genutzt.

flo/dpa/Reuters

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