Wissenschaft

"Space Launch System"

Raketen-Gigant aus Recycling-Teilen

Die US-Raumfahrtbehörde sucht den Shuttle-Nachfolger, nun ist die Nasa fündig geworden. Die neue Riesenrakete "Space Launch System" soll Astronauten künftig sogar bis zum Mars bringen. Doch das Kraftpaket kostet viel Geld, deswegen setzen die Ingenieure auch auf Technik von gestern.

Foto: REUTERS/ NASA
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Donnerstag, 15.09.2011   16:40 Uhr

Berlin - Es soll ein kraftvoller Befreiungsschlag werden: Mit dem Bau der größten und stärksten Rakete der Geschichte will die US-Weltraumbehörde Nasa die Sinnkrise nach dem Ende des Shuttle-Programms beenden. Die entsprechenden Pläne hat Nasa-Chef Charles Bolden am Mittwoch auf einer Pressekonferenz zusammen mit mehreren US-Senatoren vorgestellt.

Doch ob das "Space Launch System" (SLS) tatsächlich schon 2017 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral zum Testflug starten kann, werden wohl erst die Haushaltsberatungen der kommenden Jahre entscheiden. Denn das Kraftpaket wird teuer - und es hat noch kein verbindliches Reiseziel.

"Präsident Obama hat uns aufgefordert, mutig zu sein und von Größerem zu träumen", sagt Bolden dazu. Und: "Während ich noch stolz darauf war, mit der Raumfähre zu fliegen, werden die Weltraumforscher von Morgen davon träumen, auf dem Mars zu laufen."

Die bis zu 123 Meter hohe Rakete ist für die ganz großen Mission vorgesehen. Schnöde Transportjobs zur Internationalen Raumstation soll sie nur übernehmen, falls sich private Raketenkonzepte für die Speditionsdienstleistungen dorthin als nicht zuverlässig erweisen. Primär ist das SLS dafür gedacht, Astronauten zu entfernten Zielen zu bringen: zu einem Asteroiden oder zum Mars. Genaues weiß die Nasa allerdings noch nicht. Das könnte zum Problem werden, wenn es darum geht, die Raketenpläne den Hütern des klammen US-Haushalts zu verkaufen.

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"Space Launch System": Kraftpaket mit ungewissem Ziel
Das Space Launch System soll die "Ares V"-Rakete ersetzen, deren Bau unter US-Präsident George W. Bush forciert wurde. Dessen Nachfolger Barack Obama hat das Projekt jedoch gestoppt - und lange gebraucht, um gemeinsam mit der Nasa eine Vision für die Zukunft zu entwickeln. Die soll nun in Gestalt des SLS verwirklicht werden. "Man kann mit gutem Gewissen von der größten und mächtigsten Rakete sprechen", sagt Nasa-Vizechef Bill Gerstenmaier.

Technik-Kombo der Marke "Zurück in die Zukunft"

Doch weil das Geld knapp ist, lässt sich die Technik der Rakete am besten mit dem Slogan eines Privatradios beschreiben: die größten Hits der Sechziger und Siebziger und das beste von heute. "Das ist keine Rakete, die aus Shuttle-Teilen gebaut wird", beteuert Gerstenmaier. "Die Komponenten werden in einer neuartigen Weise verwendet." Doch das stimmt nur zum Teil, tatsächlich werden viele Systeme aus früheren Raumfahrtprogrammen übernommen. "Zurück in die Zukunft", nennt die BBC das kreative Recycling spöttisch.

So soll etwa der Durchmesser der Rakete - 8,40 Meter - genauso groß ausfallen wie der des einstigen Shuttle-Haupttanks. Dadurch kann einiges an alter Technik in die Raumfahrt-Zukunft hinübergerettet werden. Von der Raumfähre erbt das neue System auch fünf der RS-25D/E-Haupttriebwerke. Sogar die "Saturn V"-Rakete, die noch unter Leitung des Deutschen Wernher von Braun entwickelt wurde und die ersten Menschen zum Mond gebracht hat, ist mit einer Weiterentwicklung ihres "J2X"-Antriebs in der Oberstufe des SLS vertreten.

Beide Antriebe werden mit flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff versorgt. Das hat den Vorteil, dass sich die Triebwerke bei Problemen sofort abschalten lassen, bei Feststoffraketen geht das nicht. Zumindest in der Testversion sollen trotzdem zwei Feststoffbooster für zusätzlichen Schub sorgen - auch eine beim Shuttle erprobte Technik. In Zukunft sollen sie dann aber ersetzt werden, möglicherweise gegen Aggregate mit Flüssigtreibstoff.

Konkurrenz mit Privatprojekt möglich

Die Nasa will zwei Versionen der Rakete bauen. Die erste soll rund 70 Tonnen ins All befördern können, ein Zehntel mehr als die "Saturn V". An der Spitze der Rakete soll die "Orion"-Kapsel sitzen, die sechs Astronauten Platz bietet. Aber auch unbemannte Starts zum Transport von Ausrüstung sind geplant. Eine zweite Variante, die später gebaut werden soll, könnte dann sogar 130 Tonnen heben - verspricht jedenfalls die Nasa. Das muss sie auch, denn die Leistungsvorgabe stammt aus dem aktuellen Gesetz zur Finanzierung der Behörde, dem Nasa Authorization Act.

Was das Vorhaben insgesamt kosten wird, kann derzeit niemand seriös beziffern. Die Nasa rechnet mit anfänglichen Entwicklungsausgaben von rund 18 Milliarden Dollar. Die weiteren Kosten hingen von den konkreten Aufgaben der Rakete ab, so die Raumfahrtmanager. Insider gehen mindestens von der doppelten Summe aus. Vielleicht wird noch nicht einmal die ausreichen.

Das Fachmagazin "Aviation Week" berichtet von einem Gutachten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, wonach die kurzfristigen Finanzkalkulationen der Nasa solide seien. Doch die langfristige Planung geißeln die Rechnungsprüfer als "optimistisch" und auf unrealistischen Annahmen basierend.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Nasa könnte mit ihrem Projekt in Konkurrenz zum Privatsektor geraten. Zwar nicht unbedingt auf der Strecke zur ISS - die wollen die staatliche Raumfahrtmanager ohnehin am liebsten weitgehend der Industrie überlassen. Doch Unternehmen wie SpaceX wollen sich damit nicht zufrieden geben. Auch sie tüfteln an Schwerlastraketen für Reisen in die Tiefen des Alls. So plant SpaceX eine Rakete, die bis zu 50 Tonnen Last befördern soll. Doch auch die Privatunternehmen haben mit Startschwierigkeiten zu kämpfen: SpaceX musste bereits drei von bisher sieben Testraketen sprengen.

Mit Material von dpa

insgesamt 69 Beiträge
gsm900 15.09.2011
1. Raketen aus Altteilen
gab es mal als Fernsehserie: Salvage 1 http://en.wikipedia.org/wiki/Salvage_1
Zitat von sysopDie US-Raumfahrtbehörde sucht den Shuttle-Nachfolger, nun ist die Nasa fündig geworden. Die neue Riesenrakete "Space Launch System" soll Astronauten künftig sogar bis zum Mars bringen. Doch das Kraftpaket kostet viel Geld, deswegen setzen die Ingenieure auch auf Technik von gestern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,786411,00.html
gab es mal als Fernsehserie: Salvage 1 http://en.wikipedia.org/wiki/Salvage_1
atair 15.09.2011
2. Autsch - das tut ja auf den Augen weh!!!
Können die flotten Jungs beim SPIEGEL denn irgendwann vielleicht mal serös statt ewig nur flapsig? >>Raketen-Gigant aus Recycling-Teilen
Zitat von sysopDie US-Raumfahrtbehörde sucht den Shuttle-Nachfolger, nun ist die Nasa fündig geworden. Die neue Riesenrakete "Space Launch System" soll Astronauten künftig sogar bis zum Mars bringen. Doch das Kraftpaket kostet viel Geld, deswegen setzen die Ingenieure auch auf Technik von gestern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,786411,00.html
Können die flotten Jungs beim SPIEGEL denn irgendwann vielleicht mal serös statt ewig nur flapsig? >>Raketen-Gigant aus Recycling-Teilen
PhysikerTeilchen 15.09.2011
3. na ist doch super
Die NASA setzt also auf die Weiterentwicklung und Neukombination erprobter Technologien, um die Kosten ihres zukuenftigen Programmes zu senken. Die neue Rakete wird also unter maximaler Beruecksichtigung der geballten Erfahrung [...]
Die NASA setzt also auf die Weiterentwicklung und Neukombination erprobter Technologien, um die Kosten ihres zukuenftigen Programmes zu senken. Die neue Rakete wird also unter maximaler Beruecksichtigung der geballten Erfahrung der NASA entwickelt. Ich verstehe nicht ganz, warum das im Artikel mit so einem negativen Unterton dargestellt wird. Sollten wir NASA nicht eher kritisieren, wenn sie diesen Ansatz *nicht* verfolgen wuerde?
kästchen 15.09.2011
4. ...
Warum liest man in Massenmedien nie etwas von Orbitalringen ... Orbitalliften ... Ja, naive Träumereien, aber das ist doch wohl mal erlaubt :o) Ausserdem wird zumindest am Lift geforscht ...
Warum liest man in Massenmedien nie etwas von Orbitalringen ... Orbitalliften ... Ja, naive Träumereien, aber das ist doch wohl mal erlaubt :o) Ausserdem wird zumindest am Lift geforscht ...
Rainer Unsinn 15.09.2011
5. ...
Das ist ein total blöder Artikel von jemand der über Raumfahrt keine Ahnung hat. In der Raumfahrt ist es üblich bewährte Technik zu benutzen. Jeder Fehlschag kostet viel Geld und gefährdet Menschenleben. An das Saturn [...]
Zitat von sysopDie US-Raumfahrtbehörde sucht den Shuttle-Nachfolger, nun ist die Nasa fündig geworden. Die neue Riesenrakete "Space Launch System" soll Astronauten künftig sogar bis zum Mars bringen. Doch das Kraftpaket kostet viel Geld, deswegen setzen die Ingenieure auch auf Technik von gestern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,786411,00.html
Das ist ein total blöder Artikel von jemand der über Raumfahrt keine Ahnung hat. In der Raumfahrt ist es üblich bewährte Technik zu benutzen. Jeder Fehlschag kostet viel Geld und gefährdet Menschenleben. An das Saturn Programm anzuknüpfen ist das beste was die Amis machen können. Machen die Russen auch nicht anders und die sind damit sehr gut gefahren. Ich wünsche mir mehr Qualität bei wissenschaftlichen Artikeln im Spon. Freiwillig lese ich die Printausgabe bestimmt nicht mehr wenn da so ein Schmarr wie hier geschrieben wird. Schon aus Rücksicht auf die armen Regenwälder die nicht abgeholzt werden sollen um sowas zu drucken.

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