Wissenschaft

Raketenunglück

Raumfrachter "Dragon" explodiert kurz nach Start

Eine Trägerrakete mit dem privaten Transportschiff "Dragon" an Bord ist kurz nach dem Aufbruch zur Internationalen Raumstation explodiert. An Bord war dringend benötigter Nachschub.

Foto: AFP
Sonntag, 28.06.2015   17:57 Uhr

Nur zwei Minuten nach dem Start des privaten Raumfrachters "Dragon" zur Internationalen Raumstation ISS hat es ein Problem gegeben. "Etwas ist beim Start schief gelaufen", twitterte die US-Raumfahrtbehörde Nasa nach dem missglückten Aufbruch der Falcon-9-Rakete mit dem "Dragon" an Bord.

Der Frachter sei zerbrochen. Es sei eine "Unregelmäßigkeit" aufgetreten, die nun untersucht werde, schrieb die Betreiberfirma SpaceX bei Twitter. Die Präsidentin von SpaceX, Gwynne Shotwell, sagte auf einer Pressekonferenz, das Problem werde behoben und die Flüge fortgesetzt. Alle Sicherheitsvorkehrungen seien seitens der Firma eingehalten worden. Zur genauen Ursache des Absturzes sagte sie nichts.

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Raumfahrt: Transportschiff "Dragon" zerschellt kurz nach dem Start
Auch der Chef der Nasa, Charles Boden, sagte, der Unfall werde das bemannte Raumfahrtprogramm nicht zum Erliegen bringen. "Wir werden eng mit SpaceX zusammenarbeiten, um zu verstehen, was passiert ist." Mann werde das Problem beheben und wieder fliegen. "Verluste seien in das Programm zur Versorgung der Raumstation ISS einkalkuliert.

Schon nach der Havarie des Raumtransporters im April habe sich die ISS-Besatzung deutlich einschränken müssen. Neben Kornijenko und Kelly ist derzeit noch der Kosmonaut Gennadi Padalka auf der ISS stationiert, der im Herbst zur Erde zurückkehren soll.

Raumfahrtexperten sehen in der Explosion einen gravierenden Rückschlag für Nasa und SpaceX. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos sagte der Agentur Interfax zufolge, dass die Jahresmission auf der ISS bedroht sein könnte.

"Weltraum-Arbeit ist schwierig"

Es sollte bereits der siebte Versorgungsflug des Frachters werden, alle vorherigen hatten abgesehen von kleineren Pannen stets reibungslos geklappt. In diesem Jahr hatte der "Dragon" etwa Weihnachtsgeschenke sowie Lebensmittel und eine Espressomaschine zu den Astronauten an Bord der ISS gebracht. Der bislang letzte Flug hatte im April stattgefunden.

Die Nasa äußerte sich zunächst nicht dazu, ob die Versorgungslage der Astronauten nun knapp werde. Normalerweise sind aber ausreichend Notfallrationen auf der Raumstation gelagert. "Ich habe den Start vom Weltraum aus beobachtet", schrieb der US-Astronaut Scott Kelly von der ISS. "Traurigerweise schiefgegangen. Weltraum-Arbeit ist schwierig."

Zuletzt war die ISS im April mit Nachschub versorgt worden, ebenfalls vom "Dragon". Roskosmos bot den USA einem Sprecher zufolge an, beim Start des "Progress"-Versorgungsraumschiffes am 3. Juli auch Fracht der Amerikaner mit an Bord zu nehmen und zur ISS zu bringen. Zuletzt waren die Beziehungen zwischen Roskosmos und der Nasa wegen der Ukraine-Krise sehr angespannt gewesen.

Der Raumfrachter "Dragon" ist unbemannt. Er hatte rund 2000 Kilogramm Nachschub und wissenschaftliche Geräte zu den Astronauten auf der ISS bringen sollen.

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"Dragon V2": Transporter von SpaceX

juh/nik/dpa/Reuters

insgesamt 92 Beiträge
donmarten 28.06.2015
1.
Schon geil, die Explosion einer Raumfähre mit "Unregelmäßigkeit" zu umschreiben, made my day
Schon geil, die Explosion einer Raumfähre mit "Unregelmäßigkeit" zu umschreiben, made my day
Saïph 28.06.2015
2. nun..
Offenbar - jedenfalls wenn ich den Text richtig verstehe - wird die Fracht eben nicht dringend(!) benötigt; oder man weiß es bestenfalls nicht genau. Jedenfalls ist der Anreißtext dahingehend falsch, bzw. dämlich formuliert. [...]
Offenbar - jedenfalls wenn ich den Text richtig verstehe - wird die Fracht eben nicht dringend(!) benötigt; oder man weiß es bestenfalls nicht genau. Jedenfalls ist der Anreißtext dahingehend falsch, bzw. dämlich formuliert. Absicht? Clickbaiting? Muss doch bei Spiegel Online wirklich nicht sein.
sucher533 28.06.2015
3. An den Triebwerken
kanns nicht gelegen haben. Die haben die Russen gebaut. Am Besten doch gleich die Progress-Transporter in Lizenz bauen. Für die Raumfahrt gibts ja keine Sanktionen.
kanns nicht gelegen haben. Die haben die Russen gebaut. Am Besten doch gleich die Progress-Transporter in Lizenz bauen. Für die Raumfahrt gibts ja keine Sanktionen.
sternenflieger 28.06.2015
4.
Tja, mit ATV wäre das nicht passiert. Aber die ESA hat sich lieber nationalen französchen Interessen (Ariane 6) gebeugt. Somit war für ATV Folgegeräte kein Geld mehr vorhanden. Immer wenn etwas gut läuft, hört die ESA auf. [...]
Tja, mit ATV wäre das nicht passiert. Aber die ESA hat sich lieber nationalen französchen Interessen (Ariane 6) gebeugt. Somit war für ATV Folgegeräte kein Geld mehr vorhanden. Immer wenn etwas gut läuft, hört die ESA auf. Politische Interessen vor Sachverstand!!! Pikant: Jetzt fordert Frankreich 450 Millionen Euro Nachschlag für die AR 6 Entwicklung. Somit ist diese Rakete mindestens so teuer wie die AR5ME.
Beteigeuze 28.06.2015
5.
Faszinierend, dass nach all den Jahrzehnten die Raketentechnik eine anscheinend immer noch schwer beherrschbare Technologie darstellt.
Faszinierend, dass nach all den Jahrzehnten die Raketentechnik eine anscheinend immer noch schwer beherrschbare Technologie darstellt.

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