Wissenschaft

Trabantenfund

Drei neue Monde um Neptun entdeckt

Erstmals seit der großen Zeit der "Voyager"-Sonden haben Forscher neue Trabanten des Neptuns aufgespürt. Die drei schwach leuchtenden Begleiter könnten helfen, die Frühgeschichte des Gasgiganten zu enträtseln.

Dienstag, 14.01.2003   13:58 Uhr

Beinahe 14 Jahre ist es her, dass sich zuletzt etwas an der bekannten Trabantenzahl des Neptuns änderte. Die Raumsonde "Voyager 2", die sich im Sommer 1989 zum Rendezvous am achten Planeten des Sonnensystems einfand, entdeckte gleich sechs neue Monde auf einmal. Jetzt haben Astronomen nachgelegt - auch ohne ein ferngesteuertes Vorauskommando.

Mit der Hilfe mehrerer Bodenteleskope konnte das internationale Forscherteam drei kleine Begleiter des Gasgiganten identifizieren, die "Voyager 2" noch übersehen hatte. Mit diesem Fund steigt die Gesamtzahl der Neptun-Monde auf elf. Der Nasa-Sonde waren die Neuzugänge wohl deshalb entgangen, weil sie jeweils nur rund 30 bis 40 Kilometer messen und ihren Heimatplaneten in großer Distanz umkreisen.

Die Entdecker um Matthew Holman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und JJ Kavelaars vom National Research Council of Canada hatten die Wanderung des Neptuns vor dem Sternenhintergrund mit Teleskopen in Chile und auf Hawaii verfolgt und dabei zeitlich versetzte Aufnahmen angefertigt. Diese Bildserie montierten sie so zusammen, dass die unterschiedlichen Ansichten des Gasriesen übereinander lagen.

Auf der entstandenen zusammengesetzten Aufnahme erschienen die Sterne aufgrund der Planetenbewegung als Lichtstreifen. Neptun und seine Monde - darunter auch die drei neuen - traten dagegen als unbewegliche Punkte hervor. Weitere Beobachtungen mit mehreren anderen Teleskopen, darunter auch dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte auf dem chilenischen Cerro Paranal, bestätigten den Fund.

Die Entdeckung könnte Aufschluss geben über den Ursprung von Trabantenschwärmen, wie sie um Neptun und andere Gasriesen kreisen. Vermutlich entstanden solche Systeme bei dem Zusammenprall eines Urmondes mit einem Kometen oder Asteroiden. "Diese Kollisionen führen dazu, dass Teile des ursprünglichen Muttermondes herausgeschleudert werden und Satellitenfamilien entstehen", erklärt Kavelaars. "Solche Familien sind genau das, was wir finden."

Schon die beiden früh entdeckten großen Trabanten des Neptuns lassen auf eine bewegte Vergangenheit schließen. Triton, 1846 vom britischen Unternehmer und Amateurastronomen William Lassell aufgespürt, umkreist den Planeten entgegen dessen Rotationsrichtung. Forscher vermuten deshalb, dass Triton aus den Außenbezirken des Sonnensystems stammt und erst später von Neptun eingefangen wurde.

Auch der zweite große Mond Nereide, den der US-Astronom Gerard Kuiper 1949 entdeckt hatte, gehört zu den Exzentrikern: Er umrundet Neptun in extrem lang gezogenen Schleifen - einen elliptischeren Orbit weist kein anderer Trabant im Sonnensystem auf. Möglicherweise wurde Nereide aus seiner ursprünglichen Bahn geworfen, als Triton unter den Einfluss des Neptuns geriet.

Welche Rolle die neu gefundenen Felsbrocken in der Geschichte des Neptun-Systems spielen, ist noch nicht klar. Derzeit sind die Astronomen damit beschäftigt, die Bahn der drei Trabanten genauer zu bestimmen - und sie nicht aus den Augen zu lassen. "Diese Monde zu verfolgen, ist ein enormes internationales Unterfangen", erklärt Holman. "Ohne Teamwork könnten wir solche schwachen Objekte leicht verlieren."

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP